Gastrotest Juli 2018: Villagio

D – Konstanz Während an der Seestraße das Baggerballett geschäftig um die Grünfläche des Außenbereichs am Casino Konstanz tanzt und am Umbau des Parkplatzes arbeitet, ist auch Innen seit vergangenem Jahr vieles neu: Leonard Bunjaku und sein energievolles Team aus (fast ausschließlich) unter 30-jährigen Mitarbeitern will nicht mehr nur durch die Aussicht auf See und Konstanz-Skyline bestechen, sondern auch mit hochwertigem italienischen Essen.

Wir nehmen Platz im gemütlich-maritimen Innenbereich und wägen ab: Vitello Tonnato, Maronensuppe mit Baroloreduktion oder Verdure Miste mit Fenchelgemüse und Bohnendip? Der große Antipastiteller für Zwei besticht dann durch spannende Details, die wir nicht erahnen konnten und können: Den Parmaschinken versüßt etwas fruchtig Anmutendes, auf das wir einfach nicht kommen. Chefkoch Xhedvet Bunjaku steht kurzum strahlend an unserem Tisch und erklärt uns seine Zubereitung der in Essig eingelegten, süßen schwarzen Nüsse und verrät noch, was das Bärlauchpesto über der Caprese so aromatisch macht (ein Schuss Orangensaft). Man merkt dem Onkel des Inhabers die Leidenschaft und Freude am Genuss seiner Gäste an – beim Hauptgang spickt er heimlich noch einmal aus der Küche und wartet unser Urteil mit hoffnungsvollem Blick ab.

Trotz der großen, sehr vielversprechend klingenden Fischauswahl entscheiden wir uns für Steak und Pizza – ebenfalls italienische Klassiker für ein „ristorante pizzeria“, wie sich das Villagio versteht.

Der knusprige Boden der Pizza überzeugt und wird im Laufe des Abends immer wieder lobend erwähnt und auch der Belag aus Artischocken, Büffelmozzarella und Sardellen macht sichtbar glücklich. Regelrechte Begeisterung löst allerdings das zweite Hauptgericht aus: Die auf den Punkt genau abgeschmeckte Pfeffersauce, in der das 220 Gramm starke Stück Rinderfilet umgeben von Rosmarinkartöffelchen thront, ist zart, aromatisch und hat genau die Schärfe, die man sich wünscht. Dazu passt ganz wunderbar ein Glas Barbera d’Alba.

Das alles wollen wir abrunden mit zwei Nachspeisen, die gut, aber nicht herausragend sind: Sowohl die Mousse au Chocolat (helle Schokolade, sehr sahnig) als auch das Zitronengras-Panna Cotta, verlieren leider etwas an Eigengeschmack und Charme durch die üppig aufgetragene Erdbeersirupdeko, die zwar schön aussieht, aber den jeweiligen Geschmack überlagert.

Bei der Kaffeeauswahl erobert uns der „im Schatten des schiefen Turms von Pisa geborene“ Kellner (wie er zuvor mit schallendem Lachen verkündet hatte) allerdings wieder zurück, denn auf unsere Nachfrage, ob es denn auch koffeinfreien Espresso gäbe, erwidert er ein knappes „Ja“, dem ein feuriges Plädoyer für wahren Espresso und gegen die Qualität des gemahlenen Dallmayr-Kaffees folgt. Wir bestellen trotz später Stunde Espresso „mit“ und bereuen nichts – vor allem nicht den Besuch bei diesem Italiener mit Herz und Liebe zum Detail.

Im Sommer hat zusätzlich zum Restaurant täglich von 11:30 bis 23:00 Uhr die Gartenterrasse geöffnet – inklusive sonnengebadeter Lounge. Cocktails, Longdrinks sowie Pizza aus dem Gasofen (oben wird mit Steinofen gebacken) gibt es für Mittagspäusler und Feierabendgäste.

Fazit

Wer das Villagio aus der Zeit vor der Neueröffnung kennt und noch zweifelt, sollte den Kreationen des herzlichen und stets ums Gästewohl besorgten Chefkochs Xhedvet Bunjaku (zuvor in renommierten Restaurants wie dem Müncher Brenner Grill tätig) eine Chance geben. Vielversprechendes Sommerterrasse-Essen mit gutem Preis-Leistungsverhältnis und Säntis-Sicht fernab vom Stadttrubel.

Villagio
Seestraße 21
D-78464 Konstanz
+49 (0)7531 8157723

Di.-So. 11:30-23 Uhr
Mo. Ruhetag
Kein Dresscode

Autor: Patrizia Barbera
(Erschienen: 02.07.2018 15:08)