Gastrotest Januar 2017: Il ristorantino Sonne

GT Sonne

CH - Islikon Enzo Zuccherino, bestens bekannt als Koch und Besitzer von Il Ristorantino in Frauenfeld, verlagerte Ende 2012 sein Restaurant nach Islikon. Das aufwändig renovierte Lokal, das in einen Mittags- und Abendbereich unterteilt ist, liegt in direkter Nähe zum Bahnhof und verfügt über eine großzügige Terrasse und einen sehenswerten Weinkeller im historischen Kellergewölbe. Hier ist alles viel größer und schöner als im alten Ristorantino, unverändert bleibt die Leidenschaft für kreative italienische Küche und gute Weine.

Bei der Begrüßung freuen wir uns über die Herzlichkeit der Damen vom Service: Sie steht für den Stil des Hauses. Die Küche eröffnet das Vorspiel zum Menü mit alici marinate (marinierte Minisardellen) auf Sprossensträußchen mit einem Tupfer Orangenemulsion, hausgemachtem Brot und einem Schälchen Oliven. Fortgesetzt wird dieser Ausflug in den italienischen Süden mit einem Tortino di Melanzane, in einem Tortenförmchen geschichtete und in Olivenöl, Essig und Kräutern marinierte Auberginenwürfelchen, die durch ihre erfrischende Säure an das sizilianische Gericht Caponata erinnern. Weinmäßig versetzt uns der weiße Falanghina von Mastroberardino aus Kampanien, der Heimat von Enzo Zuccherino, ebenfalls in südliche Gefilde. Sehr angetan sind wir von den Taglierini mit Kirschtomaten und kräftigem Kaninchenragout, die mit Kaninchenroulade-Scheibchen ausgarniert sind. Toller Nudelteig und gekonnter Einsatz von frischen Kräutern. Überzeugend auch die Filettini d´agnello al Marsala con risotto e verdure di stagione. Die neuseeländischen Lammfilets stammen von jungen Tieren, sind zart und auf den Punkt gegart, die Marsalasauce unterstützt perfekt den Eigengeschmack des Lamms. Das Risotto ist bissfest, wie die Kenner es eigentlich schätzen. Etwas ungewöhnlich ist seine Säure, die weniger an Wein erinnert, sondern vielmehr an Verjus, einen Saft, der durch das Auspressen unreifer Trauben gewonnen wird. Sie harmoniert aber bestens mit dem frisch geriebenen Parmesan, der à part gereicht wird. Dazu mundet ein roter Barbera „Bricco dell‘ Uccellone“ von Braida (Jahrgang 2013) aus dem Piemont, der mit 90 Franken sehr fair kalkuliert ist. Dank des neuen Weinkellers glänzt die Weinkarte mit einem interessanten, vielseitigen Angebot, das die meisten Provinzen Italiens berücksichtigt und sowohl auf kleinere solide Erzeuger mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis (z.B. Antonelli und Adanti aus Umbrien) als auch auf große Namen wie Angelo Gaja und Ludovico Antinori setzt. Ein wunderbar leichtes „Mousse di Tiramisu a nostro“, das in einer dicht-glänzenden Schoko-Espresso-Sauce schwelgt, sowie ein leckeres, aber etwas unterdimensioniertes Tartufo-Eis beendet unseren kulinarischen Ausflug nach Bella Italia. Krönender Abschluss ist ein erstaunlich dezenter, eisgekühlter Limoncello. Fazit: Authentisch-italienische Kochkunst mit tollen Weinen in stillvollem Ambiente. Schöne Terrasse für den Sommer und beeindruckendes Kellergewölbe für Weindegustationen. Aufmerksamer, freundlicher und effizienter Service. 5 Löffel

CH-8546 Islikon, Hauptstrasse 47 | +41 (0)52 366 54 23, www.ilristorantino.ch
Di.-Sa. 11-14 und 17.30-23.30 Uhr, So. u. Mo. Ruhetag
Hauptgerichte 22-50 SFr, Lunch 18.50-30.50 SFr, Degustationsmenü 75 SFr

Autor: Gert Höcherl
(Erschienen: 02.01.2017 18:15)