Gastrotest August 2017: San Martino

D – Konstanz Im Keller des „Roten Hauses“ unweit vom Augustinerplatz sind zwei Lokale (à la carte und Gourmetrestaurant) mit Bar und Lounge untergebracht. Hier wird die Verbindung zwischen Gourmetküche und verlockendem Tapas-Angebot mit Bravour gemeistert.

Obwohl das kleinere, mit einem Michelin-Stern und 16 Gault Millau-Punkten ausgezeichnete Gourmetrestaurant eine große Versuchung darstellt, entscheiden wir uns, im eleganten à la carte-Restaurant zu tafeln.

Wir bereuen diese Entscheidung keinesfalls, denn in puncto Aufmerksamkeit, individuelle, freundliche Beratung und lukullische Genüsse steht das von uns gewählte Restaurant seinem mit gastronomischen Auszeichnungen geweihten Bruder keinesfalls nach. Wählen kann man zwischen Gerichten in klassischen Portionsgrößen bei ebensolcher Menüfolge und „Versucherles“ in Tapasgrößen und -preisen. Das „switchen“ zwischen beiden Karten ist möglich und erwünscht. Ein gelungener Einstand ist die Vorspeisen-Variation von Sashimi und kleinen asiatischen Knusperrollen: Die Qualität des Yellow Tuna und der Minirollen ist ausgezeichnet, marinierter Algensalat, Wasabi und Ingwer geben einen zusätzlichen Kick. Das Thema „Thunfisch“ findet seine Fortsetzung in den Tapas mit Bonito. Der kleinere und fettärmere Verwandte des Tuna wird mit pimientos de padron (kleine grüne Bratpaprika mit Meersalz) und geschmolzenen Kirschtomaten gereicht. Dazu empfiehlt uns Restaurantleiter Thomas Haist einen südafrikanischen Sauvignon Blanc, dessen Name „Constantia Glen“ nichts mit der Stadt Konstanz, sondern mit dem Constantia Valley unweit von Kapstadt zu tun hat. Bereits Napoleon soll die Weine aus Constantia Valley sehr geschätzt haben. Unser „Constantia“ kommt von einem Weingut, das der Familie Waibel aus Dornbirn gehört. Er leuchtet hellgelb mit grünlichem Schimmer im Glas und offenbart wunderbare Aromen, die an Mirabellen, Aprikosen und Stachelbeeren erinnern. Etwas weniger begeistert sind wir vom Rinder-Tartar, der zwar ganz ordentlich ist, jedoch von einer enttäuschenden, ohne jegliches Feingefühl frittierten Kalbsschwanz-Praline begleitet wird. Fantastisch wiederum die Tapas von galizischem Pulpo mit Chorizo-Öl und Tomaten-Kompott, die Gänseleber auf einem leicht getrüffelten Süßkartoffel-Spiegel, sowie die frischen Artischocken mit Kräutern.

Fazit: Küchenchef Jochen Fecht und seine Crew beweisen abermals, dass es sich hinter den ehemaligen Stadtmauern vorzüglich speisen und feiern lässt. Beeindruckend sind die Vielfalt und die landestypische Authentizität der zahlreichen Tapas. Auch die Tellergerichte haben das „gewisse Etwas“, das Restaurants der Spitzengastronomie auszeichnet. Der Service unterstützt charmant und kompetent die Leistung der Küche.  5 Löffel

San Martino | Bruderturmgasse 3, D-78462 Konstanz | +49 (0)7531 28 45 678, www. san-martino.net
Di.-Sa. 11.30-14 und 17.30-23 Uhr, Ruhetage So. und Mo., Tapas in der Lounge Bar: täglich 18-22 Uhr
Hauptgänge 20-42 €, Tapas-Portionen 6-14 €, Menü 48-58 €, Menü Vegan 38-48 €

Autor: Gert Höcherl
(Erschienen: 03.08.2017 19:50)