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Weinseelig April 2010

Unterirdische Köstlichkeiten

Unterirdische Köstlichkeiten

Erst im letztem Dezember wurde der Weinkeller Felsenburg wiedereröffnet – und hat sich schon zu einer Fundgrube für Thurgauer Weine gemausert.

Elsi Bärlocher lief oft nachdenklich an der Türe des geschlossenen Weinkellers Felsenburg vorbei. Sie kannte das Lokal gut, sie war regelmäßiger Gast und Getränke-Lieferant dort gewesen. Im Sommer 2009 trat sie in Verhandlung mit der Besitzerin des Lokals und nach einiger Zeit wurde man sich einig: Elsi Bärlocher pachtete den Weinkeller. Ihr Angebot der Thurgauer Winzer übernahm sie natürlich. Sie absolvierte den im Kanton Thurgau vorgeschriebenen Wirtekurs und erhielt nach erfolgreicher Prüfung den Fähigkeitsausweis zur Führung einer Gastwirtschaft. In dem Kurs erhielt sie unter anderem Informationen in Sachen Hygiene und Gesetzeskunde, was sie als sehr hilfreich ansieht. Jetzt kann sie ihren Gästen zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Sonja Bucher kleine feine Speisen servieren und arbeitet bei größeren Events mit den ortsansässigen Gasthäusern und einem Catering-Service zusammen. Weil für sie zum Wein auch die Kultur gehört und es in dem Weinkeller schon früher Kulturevents gab, finden jeden Monat Musikveranstaltungen oder Ausstellungen im Weinkeller statt, worüber man sich auf der funkelnagelneuen Homepage informieren kann. Elsi Bärlocher liebt es, von "ihren" Winzern und deren Erzeugnissen zu erzählen, sechs ihrer Lieferanten stellt sie hier kurz vor:
Martin Wolfer mit seinem Müller-Thurgau mit Muskatellertönen und seinem Gewürztraminer, aus dem er auch einen Edelbrand herstellt (www.wolferwein.ch).
Benno Forster, der seinen roten gehaltvollen "Fortissimo" wie den Amarone-Wein produziert, für den die Trauben nach der Ernte getrocknet und dann erst gepresst werden. Außerdem bietet er eigenen Portwein und Süßweine an (www.forster-weinbau.ch).
Johannes Meier arbeitet zusammen mit der Önologin Ines Rebentrost auf dem Schlossgut Bachtobel. Er baut neben Blauburgunder auch Sauvignon Blanc und Cabernet Sauvignon an und hat eine Leidenschaft für das Brennen von Hochprozentigem (www.bachtobel.ch).
Michael Burkhart baut mehr als 50 Traubensorten an, darunter auch den Kernling. Sein Sekt wird aus der Traubensorte Winner hergestellt (www.weingut-burkhart.ch).
Michael Broger, der früher auf dem Schlossgut Bachtobel gearbeitet hatte, übernahm einen kleinen Weinberg, kauft einen Teil der Trauben dazu, keltert aber selbst. Dieser kleine Betrieb macht eine interessante Entwicklung, meint Elsi Bärlocher und weist auf die auffallenden Etiketten von Michael Broger hin (www.broger-weinbau.ch).
Hans Bosch betreibt weiter westlich am Ottenberg neben dem Weinbau zusammen mit seiner Frau Hedi die Gastwirtschaft "Zum Wystübli" (Boltshausen, Tel. 0041 (0) 71 6224427). Sein Vin Mousseux wird nach der Méthode champagnoise hergestellt und heißt "Estella". Außerdem hat er für sich den Zweigelt, eine österreichische Traube, entdeckt. Damit wurden nur die Besonderheiten der Winzer beschrieben, sie verfügen natürlich alle über ein noch vielfältigeres Angebot an Traubensorten und Weinen. „Entdecken, Erleben und Genießen“ sind die Ansprüche von Elsi Bärlocher an ihre Arbeit. Der modern ausgebaute, 300 Jahr alte Weinkeller entführt die Gäste aus ihrem Alltag in die Welt des Genießens. Alles in allem: eine höchst interessante Vielfalt in anregendem Ambiente.

Weinkeller Felsenburg, Frauenfelderstrasse 4, CH-8570 Weinfelden, Tel. 0041 (0)71 622 83 86, www.weinkeller-felsenburg.ch

Text: Susanne Breyer

Weinmesse im Schloss

Weinmesse im Schloss

(D – Meersburg) Am ersten Sonntag im Mai stellt die Bodensee-Weinmesse die Weine der Gebiete nördlich von Bodensee und Rhein vor.

„Wer einmal am Bodensee war und die Einzigartigkeit dieser gesegneten Landschaft erlebt hat, der wird verstehen, dass auch die Weine vom See etwas ganz Besonderes sind.“ Mit diesem Satz beginnt die ansprechend aufgemachte Broschüre des Vereins BodenseeWein e.V., dessen Mitglieder sich bei der Weinmesse am 2. Mai 2010 im Neuen Schloss in Meersburg präsentieren werden. Rund 30 Winzer aus Baden, Württemberg und dem Schaffhauser Blauburgunderland werden ihre mehr als 120 verschiedenen Weine vorstellen und zum Verkosten anbieten. Dr. Jürgen Dietrich, der erste Vorsitzende des BodenseeWein e.V. ist begeistert von der bisherigen Entwicklung der Weinmesse: „2008 waren 400 und letztes Jahr schon 750 Besucher unserer Messe!“ Um diesem Ansturm gerecht zu werden, wurden für dieses Jahr zu den beiden Sälen noch die Terrasse und der Treppenaufgang dazugenommen, damit die Besucher entspannt flanieren und die Weine in Ruhe genießen können. Für die Speisen sorgt wie auch schon in den letzten Jahren Herbert Igel, der Gastronom im Neuen Schloss. Neben einem deftigen Eintopfgericht werden kleine, zum Wein passende Speisen serviert. Doch – was macht den Bodenseewein eigentlich so besonders? Die gigantische Wassermasse des größten deutschen Binnensees wirkt wie ein Wärmespeicher, der die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, aber auch zwischen Sommer und Winter ausgleicht und für ein gemäßigtes, fast mediterranes Klima sorgt. Hinzu kommt noch, dass die Wasseroberfläche einen Teil der Sonnenenergie in die nahen Rebberge spiegelt und den Boden so zusätzlich aufheizt. Auf diese Weise gedeihen die empfindlichen und Wärme liebenden Weinreben auch in einer Höhe von 400 bis 530 Meter über dem Meeresspiegel. Die Müller-Thurgau-Weine vom See sind daher eine Klasse für sich. Hier gedeihen sehr zarte, feinfruchtige Weine dieser Rebsorte. In dem kleinen Ort Tägerwilen im schweizerischen Kanton Thurgau erblickte übrigens einst ein Herr Müller das Licht der Welt. Es war allerdings nicht irgendein Herr Müller, sondern derjenige, der der bekannten Rebsorte ihren Namen gab. Außerdem befindet sich am Bodensee die Wiege des deutschen Spätburgunders: Im Bodmaner Königsweingarten pflanzte Karl III., ein Urenkel Karls des Großen, im Jahre 884 den ersten Spätburgunder. Und noch heute ist der Spätburgunder, ausgebaut als spritzig fruchtiger Rosé oder als eleganter Rotwein, die bedeutendste Rebsorte am Bodensee. Die furchtbetonten, duftigen Weiß- und Grauburgunder vom Bodensee passen durch ihre unaufdringliche Art zu Spargelgerichten und anderen leichten Menüs. Natürlich gibt es in der Bodenseeregion weitere interessante Rebsorten, die ein großes Spektrum geschmacklicher Facetten abdecken. So mancher Winzer hat sich auf die Pflege und den Ausbau besonderer Reben und Weine spezialisiert. Die Weinmesse des BodenseeWein e. V. dauert von11 bis 18 Uhr, der Eintritt kostet 6 Euro inklusive Weinverkostung.
Wer seinen Geschmack noch genauer ausbilden lassen möchte, der kann an einem Sensorik-Seminar ab 12:30 Uhr teilnehmen. Anmeldungen unter Tel. 0049 (0) 7532-808683 oder nicole.vaculik@vinesse.de an. Die Kosten betragen hierfür 10 Euro (an der Kasse am Eingang zu entrichten).

BodenseeWein e.V., 1. Vorsitzender Dr. Jürgen Dietrich, c/o Staatsweingut Meersburg Seminarstraße 6, D-88709 Meersburg, Tel. +49 (0) 7532-4467-0, www.bodenseewein.de

Text: Susanne Breyer