Messer und Gabel

ein akzent-Produkt Impressum

Jetzt bestellen:

seezunge
seezunge 2010


Weitere Highlights aus dem akzent-Verlag:

akzent-Magazin
www.akzent-magazin.com

sinnior
www.sinnior.de

Aktuell

... jeden Monat frisch aus der seezunge-Redaktion des akzent.

Weinseelig August 2008

Preisgekrönter See

Preisgekrönter See

(D-Meersburg) Eine Rebsorte, die im Ausland nicht ganz so bekannt ist wie hierzulande, dafür aber in Baden-Württemberg verehrt wird wie keine zweite, ist Müller-Thurgau. Viele Weintrinker kennen ihn fast ausschließlich als süffigen Alltagswein, sei es für ein Viertele im Römerglas oder als Schorle.

Ihr Alter: 125 Jahre. Eltern: Riesling und Chasselas. „Ein weicher, holunderdurftiger Bastard“, wie Hugh Johnson, der große englische Weinkenner, schreibt. Doch Vorsicht: Bastard besagt nichts anderes als eine Pflanze oder ein Tier, durch Artenkreuzung entstanden. Dieser Bastard macht Höhen und Tiefen durch. Jetzt ist er wieder auf den Weg nach oben. Eine neue Ehre wurde dieser Rebsorte zuteil: Zum vierten Male lobte der BodenseeWein e.V. im Neuen Schloss zu Meersburg den Internationalen Müller-Thurgau-Preis aus mit der Begründung: „Die Bodenseeregion ist wegen ihrer Internationalität und ihrer historischen Verbindung zu der Rebsorte und ihrem Züchter prädestiniert für die Austragung dieses Weinwettbewerbs.“ Der Idee für den Wettbewerb lag zugrunde, die Rebsorte Müller-Thurgau und ihre Qualitäten zu betonen. Die Winzer vom Bodensee sind nämlich der Meinung, dass die Rebsorte besser als ihr Ruf ist, denn feinduftige, fruchtige, modern gemachte Müller-Thurgau-Weine gibt es immer mehr.

261 Weine zum probieren

Die Initiative, einen Müller-Thurgau Preis auszuloben, ging vom Verein BodenseeWein e.V. aus, weil die Winzer vom Bodensee ihre Müller-Thurgau-Weine als regionale Spezialität pflegen und hinter dieser Sorte stehen. Soweit bekannt, gibt es keinen weiteren solchen Wettbewerb zu dieser Rebsorte. Er stellt einen weiteren Schritt hin zur Qualitätsförderung dar, denn Konkurrenz ist gut für den Konsumenten. Fünf Kategorien legten die Veranstalter fest. Die Jury, bestehend aus Fachjournalisten, Sommeliers, Winzern und Weinfachhändlern, bewerteten bei einer Blindverkostung 261 Müller-Thurgau aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. (Kategorien und Preisträger siehe unten) Die Sieger wurden am 1. Juli 2008 im Spiegelsaal des Neuen Schlosses zu Meersburg geehrt. Eingereichte Weine: 110 aus Baden, (davon 28 vom Bodensee), 43 aus Franken, 35 aus Rheinhessen, 26 aus der Schweiz, 23 aus Württemberg (davon 17 vom Bodensee), 8 aus der Pfalz, 4 von der Mosel, 4 aus dem Gebiet Saale-Unstrut, 3 von der Hessische Bergstraße, 2 aus dem Rheingau, 2 aus Sachsen und 1 aus Österreich. Etwa 66 Prozent der eingesendeten Proben fielen in die Kategorie „trocken“, 34 Prozent wurden in die drei restsüßen Kategorien eingeordnet. Aus unserer Region konnte das Weingut Clauß mit ihrem „Nacker Müller-Thurgau 2007 den 1. Preis in der 2. Kategorie erringen. Auch das Weingut Aufricht und die Spitalkellerei spielten ganz vorne mit: die 2007 „Meersburger Sängerhalde“ (Aufricht) und die „Konstanzer Sonnhalde“ (Spitalkellerei) punkteten mit dem 2. und 3. Platz. Bei den lieblichen Weinen überzeugte das Staatsweingut Meersburg mit ihrer berühmten Lage „Meersburger Bengel“ 2007: Sie holten den 1. Platz.

Meersburg und Wein gehören zusammen

Dieser schöne Erfolg ist auch für Meersburg nicht unerheblich, wie Werner Endress, Wirt des Restaurant-Weinstube Haltnau bei Meersburg, meint: Da Meersburg über keine Industrie verfügt, und die Menschen schon seit vielen Jahrhunderten vom Wein leben, würden sie sich stark mit dem Weinanbau identifizieren. Man habe sogar 3000-4000 Jahre alte versteinerte Weinkerne am Boden des Sees, direkt vor seiner Gaststätte gefunden. Dies sei ein Beweis, wie lange schon Weinanbau am See betrieben wird und Grund für die Bedeutung des Weinanbaus. Immerhin gibt es zwischen Kressbronn und Hochrhein rund 40 Genossenschaften, Kellereien und Winzer. Allein für die Winzergenossenschaft Hagnau liefern rund 80 Winzer ihre Reben zur Kelter. Umso schöner, dass Weingüter aus der Region so gut abschnitten!

Irrtümlich gekreuzt

Doch warum geriet die Rebsorte in früheren Jahrzehnten in Verruf? Nach dem Zweiten Weltkrieg pflanzten die deutschen Winzer wie besessen Müller-Thurgau an. Der Grund hierfür war die allgemeine Aufbaustimmung nach den Zerstörungen des Krieges. Die von Dr. Müller aus dem Thurgau im Jahr 1882 gekreuzte Sorte sollte in ihrem Ursprung zwei Dinge vereinen: Die große Qualität des Rieslings, und die Zuverlässigkeit im Weinberg, insbesondere das frühe Reifen der neuen Rebsorte, was mit der Rebsorte Silvaner sichergestellt werden sollte. Experten stellten vielmehr fest, dass Dr. Müller wohl Riesling irrtümlich mit Chasselas de Courtillier kreuzte, was jedoch auch eine kleine Rolle spielt, denn Müller-Thurgau ist eine Rebsorte, die einen sensationellen Erfolg rund um den Globus hinlegte. Grund war sicherlich die große Zuverlässigkeit dieser Rebsorte, die allerdings nicht an die Qualitäten von Riesling, zum Beispiel, herankommt – sie geriet sogar in Verruf: „Massenware, langweilig, wenig Ausdruck“. Dies lag tatsächlich an dem Massenanbau, der betrieben wurde, insbesondere in den 70ern und auch noch bis etwa 1990.

Die erfolgreichste Neuzüchtung

Doch Müller-Thurgau ist mit 420 Quadratkilometer Anbaufläche (42.000 Hektar) weltweit die erfolgreichste Neuzüchtung. Das verdankt sie unter anderem ihren vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und ihrer Zugänglichkeit, auch für Nichtweinkenner. Zudem stellt die Müller-Thurgau-Rebe keine großen Ansprüche bezüglich des Standorts und gilt als ertragssicher. Die unkomplizierten Weine sind geschmacklich leicht zugänglich. Meist sind es jugendliche, leichte und frische Weine für jeden Tag, deren Bouquet auch oft an Muskataromen erinnern. Müller-Thurgau schmeckt in den ersten zwei, drei Jahren nach der Ernte am besten. Die Winzer haben im Laufe der Zeit gelernt: Müller-Thurgau kann gute Ergebnisse bringen, wenn sie ihre starke Wachstumstendenz einschränken. Wer Qualität möchte, muss auf Quantität verzichten. Der Müller-Thurgau-Preis fördert diese Haltung.

Sieger des Wettbewerbs

Kategorie 1 (trocken < 12,0% vol): 2. Platz: Weingut Klaus Giegerich, Großwallstadt 2007er FRANK und FREI Müller-Thurgau QbA trocken, Franken 1. Platz: Weingut Baldauf, Ramsthal 2007er FRANK und FREI Müller-Thurgau QbA trocken, Franken 1.Platz: Weingut Klaus Giegerich, Großwallstadt 2007er „Campestres Wörth“ Müller-Thurgau Kabinett trocken, Franken
Kategorie 2 (trocken > 12,0%vol): 3. Platz: Spitalkellerei Konstanz 2007er Konstanzer Sonnhalde Müller-Thurgau QbA trocken, Bodensee (Baden) 2. Platz: Weingut Aufricht, Stetten 2007er Meersburger Sängerhalde Müller-Thurgau QbA trocken, Bodensee (Baden) 1. Platz: Weingut Clauß, Lottstetten-Nack 2007er Nacker Müller-Thurgau QbA trocken, Bodensee (Baden)
Kategorie 3 (halbtrockene Weine) 3. Platz: Weingut Udo und Timo Eppelmann, Stadecken-Elsheim 2007er Rivaner Classic QbA, Rheinhessen 2. Platz: Winzergenossenschaft Auggen 2007er Auggener Schäf Müller-Thurgau Kabinett, Baden 1. Platz: Steinhauser Weinerzeugergemeinschaft, Kressbronn 2007er Kressbronner Berghalde Müller-Thurgau QbA, Bodensee (Württemberg)
Kategorie 4 (liebliche Weine) 3. Platz: Weingut Frank Hemmes, Bingen 2007er Binger Kapellenberg Müller-Thurgau Spätlese, Rheinhessen 2. Platz: Weingut Udo und Timo Eppelmann, Stadecken-Elsheim 2007er Stadecker Lenchen Müller-Thurgau QbA, Rheinhessen 1. Platz: Staatsweingut Meersburg 2007er Meersburger Bengel Müller-Thurgau QbA, Bodensee (Baden)
Kategorie 5 (edelsüße Weine) 1. Platz: Winzergenossenschaft Achkarren 2005er Achkarrer Schlossberg Müller-Thurgau Beerenauslese, Baden

Dr. Jürgen Dietrich
1. Vorsitzender
BodenseeWein e.V.
c/o Staatsweingut Meersburg
Seminarstraße 6
88709 Meersburg
Tel. 0 75 32 / 44 67 0
Fax 0 75 32 / 44 67 17
E-Mail:

Text: Rebecca Koellner

Spitzenweine und mehr

Spitzenweine und mehr

(CH – Schaffhausen) Dass die Kellermeister aus dem Schaffhauser Blauburgunderland wissen, wie man Spitzenweine kreiert, zeigte einmal mehr der Weinconcours Deutschschweiz 2008: Hier wurden erneut Weine aus dem Blauburgunderland ausgezeichnet.

Sechs Weine konnten sich unter den besten 40 Weinen der Deutschschweiz platzieren. Dabei wurde die Pinot Noir Spätlese von WeinSTAMM Thayngen als bester Blauburgunder ausgezeichnet. Der Pinot Blanc Chardonnay 2007 der Familie Gysel, Aagne vom Schopf, aus Hallau, zeichnet für das beste weiße Cuvée und die Weinkellerei Rahm in Hallau kelterte den besten Zürcher Wein, den DIANOIR Composition 2006. Damit bestätigt Schaffhausen wiederholt seine Stellung als erfolgreichster Weinbaukanton der Deutschschweiz.

Bei der traditionellen Schafuuser Wiiprob können alle prämierten Weine exklusiv degustiert werden, dazu kommen etwa 150 weitere hervorragende Tropfen. Nicht ohne Grund hat die Schafuuser Wiiprob mittlerweile ihren festen Platz im Terminkalender von Weinfreunden und Weinkennern. Vom 4. bis 6. September präsentieren 23 Weinbaubetriebe ihre Produkte im Kreuzgang des Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen. In angenehmer Atmosphäre kann in Ruhe probiert und genossen werden. Dabei geben die Weinbaubetriebe auch Auskunft über Herstellung, Charakter und Besonderheiten der Weine. Mit vertreten sind auch die Schaffhauser Landfrauen, die hausgemachte Zöpfe, Bauernbrote, belegte Brote und viele andere Köstlichkeiten anbieten. Damit wird die Tradition der vergangenen Jahre fortgesetzt. Im Eintritt von 10 Schweizer Franken ist ein Degustierglas enthalten, das zur uneingeschränkten Weinprobe berechtigt.

Öffnungszeiten 2008:

Donnerstag, 4. September: 18.30 bis 22.30 Uhr Freitag, 5. September: 18.30 bis 22.30 Uhr Samstag, 6. September: 16.00 bis 22.30 Uhr Eintritt: CHF 10.– inkl. Degustierglas

Weitere Infos: Branchenverband Schaffhauser Wein, Herrenacker 15, CH-8200 Schaffhausen, Tel. +41 (0)52 620 40 82, www.blauburgunderland.ch

Text: Mareike Biegert