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Weinseelig Dezember 2008

„Ich trinke die Sterne!“

„Ich trinke die Sterne!“

(A-CH-D – Bodensee) Das große Fest und Silvester stehen an, und natürlich ist die allgemeine Frage: Was sollen wir trinken? Hier kommt die Antwort: Champagner.

Dieser feine Schaumwein kommt, der Name verrät es, aus der Champagne. Die ländliche Umgebung der Champagner-Städte Reims, Epernay und Ay waren schon seit jeher wenig besiedelt. Die ursprüngliche lateinische Bezeichung "Campania" meint die offenen Landstriche nördlich von Rom. Nun, in der Champagne ist es auch etwas kühler. Eine Jahresdurchschnittstemperatur von nur 10 Grad Celsius ist daher geeignet für Schaumweine. Immerhin lebt ja ein solches erfrischendes Getränk auch von der Säure. So ländlich die Gegend auch sein mag, Reims spielte in der Geschichte immer schon eine bedeutende Rolle. In der berühmten Kathedrale wurden fast alle französischen Könige gekrönt. Doch Königreiche vergehen – Champagner bleibt!

Dom Pérignon war es nicht!

Der feinste aller Schaumweine entstand durch ausgeklügelten Tüftlergeist. Dafür braucht man Zeit, und diese Zeit hatten die Mönche. Der Kellermeister Dom Pérignon war es, der die Champagnerherstellung und –lagerung verbesserte. Er verwendete Korken und die neuen, englischen dickwandigen Flaschen, die den Druck einigermaßen standhielten. Keineswegs hat er Champagner „erfunden“, wie gerne berichtet wird. Ihm schreibt man auch die Methode zu, verschiedene Traubensorten, Jahrgänge und Lagen miteinander zu verschneiden, die dann im Endresultat mehr gibt als die Summe des Ganzen. Diese Methode wird auch heute noch von den Champagnerhäusern praktiziert – abgesehen natürlich von den Lagen- und Jahrgangschampagnern, die in außergewöhnlich guten Jahrgängen abgefüllt werden.) Doch als der Mönch zum ersten Mal Champagner probierte, soll er ausgerufen haben: “Ich trinke die Sterne!“

Frauenpower im 19. Jahrhundert

Weintrinken ist ja eine typisch männliche Domäne, auch heute noch, doch die Welt der Schaumweine ist in kultureller Hinsicht weiblich geprägt. In der Realität hatten im 19. Jahrhundert die Frauen in den Champagnerhäusern mehr zu sagen als in anderen Weingütern. Berühmt wurden die „Champagnerwitwen“. Die bekannteste ist Veuve Clicquot. Es heißt, sie habe das für die Champagnerherstellung so wichtige „Rüttelverfahren“ entwickelt. Champagner ist unter anderem deswegen so fein, weil die Hefe, nachdem sie abgestorben ist, noch lange auf der Flasche lagert und langsam, durch Rütteln und Einstellen der Flaschen kopfüber in den Rüttelpult zum Flaschenhals absackt. Mittels „degorgieren“ wird die Hefe anschließend von der Flasche entfernt. Eine andere wichtige „Champagnerwitwe" ist Veuve Pommery. Sie leitete nach den Tod ihres Mannes das Unternehmen und brachte den ersten „Brut“, also trockenen Champagner, auf den Markt.

Rot und Weiß

Für den Grundwein werden die drei Rebsorten Pinot Noir, Meunier und Chardonnay verwendet. Mit dem Hinweis „Blanc de Blanc“ auf dem Etikett verweisen die Champagnerhersteller auf die einzige Rebsorte, die sie verwendet haben: Chardonnay. „Blanc de Noir“ bedeutet, dass nur rote Rebsorten verwenden wurden, die „weiß abgepresst“ sind. Bei einem Rosé-Champagner wird etwas Rotwein hinzugegeben, oder die roten Beeren bleiben etwas länger auf der Maische stehen.

US-Rapper und die Folgen, wenn sie Champagner trinken

Der Name Champagner ist übrigens rechtlich geschützt. Nur die Schaumweine aus der Champagne dürfen diesen Namen tragen. Die großen Namen haben nach wie vor Bestand, wie Moet&Chandon, Pommery, Bollinger, Tattinger, Veuve Clicquot. Das Haus Roederer hatte in den USA in den letzten Jahren Kultstatus erlangt, da Rapper wie P Diddy sich gerne mit dem Luxus-Luxus-Champagner „Roederer Cristal“ zierten, als Symbol ihres Erfolges und finanziellen Kraft – was dem Champagnerhaus gar nicht schmeckte, da sie ihren guten Ruf gefährdet sahen als eine „unwillkommende Aufmerksamkeit der Marke“ … So eine herrschaftliche Arroganz dulden die US-Amerikaner natürlich gar nicht. Nun boykottieren die Rappers „Cristal“. So kann’s gehen!

Gut bei Sieg und Niederlagen

Neben den großen Häusern gibt es viele gute, weniger bekannte Hersteller, die oftmals günstiger sind als die gängigen Marken: Paul Herard Blanc de Noirs (ca. 23 Euro), ist ein feiner, weicher Champagner. Pol Roger Brut Reserve (ca. 32 Euro), besticht durch ein elegantes Bouquet. Das älteste Champagnerhaus ist Ruinart – und gilt als Krone der Schöpfung. Einstiegswein ist der „R de Ruinart Brut“ für ca. 40 Euro. Die meisten Weinfachgeschäfte am Bodensee führen ihre ganz individuelle Auswahl an Champagnern und beraten auch recht umsichtig. Auch wenn nicht Weihnachten oder Silvester anstehen sollte, so lässt eine Redensart zu Champagner greifen:“ Nach einem Sieg verdienst Du ihn, nach einer Niederlage brauchst Du ihn!“

Text: Rebecca Koellner