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Weinseelig November 2008

Erfolg mit tiefen Wurzeln

Erfolg mit tiefen Wurzeln

(CH – Kanton Schaffhausen) Eine lange Liebesgeschichte verbindet das Schaffhauser Blauburgunderland mit seinem Wein.

Über alte Handschriften der weinbaukundigen Römer gebeugt, entdeckten Mönche und Nonnen den Weinbau und förderten ihn. Schriften bezeugen, dass das Schaffhauser Kloster zu Allerheiligen spätestens im Jahr 1100 eigene Reben in Hallau besaß. Der Schwarzwald beschert dem Schaffhauser Blauburgunderland ein trockenes Klima. Den nässescheuen Reben gefallen die nur rund 900 Millimeter Regen jährlich. Dazu kommt Sonne in den wichtigen Wachstumsphasen der Früchte und ein Boden, den der Rhein zu Urzeiten mitgestaltete. Für das Klettgauer Rheinerbe bedankt sich die Blauburgunderrebe mit vollmundigen, samtig-weichen Weinen. Spritziger reagiert die Traube auf die leichteren, sandig-kiesigen Böden in Stein am Rhein, Schaffhausen und Buchberg.

Erstklassige Weine

Weine aus dem Schaffhauser Blauburgunderland finden nicht nur bei Kennern und Genießern immer mehr Anklang, sondern stoßen auch in der Fachwelt zunehmend auf Anerkennung. Den Schaffhausern ist die Gratwanderung zwischen Konsumentengeschmack (runde, weiche Weine) und Sortentypizität gelungen. Und auch in Zukunft werden beide Ansprüche im Schaffen der Schaffhauser Weinproduzenten zur Geltung kommen. Die Erfolge der letzten Jahre nehmen die Schaffhauser Weinproduzenten und das Schaffhauser Blauburgunderland aber nicht als Anlass, die Hände in den Schoss zu legen. Ganz im Gegenteil: Sie setzen alles daran, die Qualität ihrer Weine konsequent zu fördern und die Erfolgsmarke Blauburgunderland weiter zu stärken. Im Kreuzgang des Museum zu Allerheiligen – hier, wo schon vor 1000 Jahren die Mönche ihren Wein genossen – findet jedes Jahr anfangs September die «Wiiprob» statt. Über 20 Produzenten präsentieren die Köstlichkeiten des neuen Jahrganges.

Weitere Infos: Branchenverband Schaffhauser Wein, Herrenacker 15, CH-8200 Schaffhausen, Tel. +41 (0)52 620 40 82, www.blauburgunderland.ch

(D-Ehingen) Vom 15. bis 16. November 2008 wird das schwäbische Ehingen wieder zum beliebten Treffpunkt von Weinliebhabern. Bereits zum neunten Mal soll es eine Ideenbörse und Plattform für feine Weine, Sekte und Spirituosen werden. Degustieren, neue Produkte kennen lernen, interessante Leute treffen.

„Über Wein sprechen viele – mit ihm nur wenige!“, so Ralf Denkinger vom gleichnamigen Weinhaus aus Ehingen. Gemeinsam mit seinen Winzern möchte er den Besuchern der Ehinger Weintage das Thema Wein näher bringen. Denn die Schere zwischen Qualität und Quantität geht bei Weinen immer weiter auf. Die Veranstaltung bietet den Teilnehmern daher die Möglichkeit, gemeinsam mit Fachpersonen Weinwissen zu erforschen und zu vertiefen, sowie Weine zu degustieren, mit der Nase die geheimnisvollen Düfte auf sich wirken zu lassen, am Gaumen in all seinen Facetten wahrzunehmen und dabei die Besonderheiten der Weine erklären zu lassen. Wer Freude an Wein hat, wer im wunderbaren Ambiente der Aula des Johann-Vanotti-Gymnasium mit Lust und Muße probieren und mit Gleichgesinnten plaudern möchte, oder wer einfach nur den Genuss verspüren will, von über 200 offenen Weinen, Sekten und Spirituosen die besten herauszufinden, ist hier herzlich willkommen. Die besondere Atmosphäre, der hervorragende Service und der außergewöhnliche Rahmen machen die Ehinger Weintage zu einem besonders angenehmen Treffpunkt für alle Genießer. Die angebotene Palette an feinen Weinen reicht von Frankreich über Spanien und Italien bis nach Australien. Auch von Südamerika und sogar Weine aus Osteuropa stehen zur Verkostung bereit – lassen Sie sich überraschen. Weitere Schwerpunkte sind auch die heimischen Tropfen, welche in Deutschland eine sehr große Bedeutung haben. Wenn Sie mit öffentlichem Verkehrsmittel anreisen, wird der Fahrpreis mit dem Eintrittspreis verrechnet („Don´t drink an drive!“) Die Ehinger Weintage sind eine gute Gelegenheit, sich umfassend zu informieren, die Köstlichkeiten zu probieren und sich die ausgewählten Weinen von den Winzern persönlich fachkundig kommentieren zu lassen. Gehen Sie auf Wein-Entdeckungstour! „Begeisterung teilen – Freunde gewinnen!“ Ihr Besuch wird sicher in unvergessliches Erlebnis sein – es lohnt sich.

Die Ehinger Weintage sind am Samstag von 15.00 Uhr bis 21.00 Uhr und am Sonntag von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt in die wunderbare Welt der Weine beträgt lediglich 5 € (2-tages Karte 8 €) inkl. freier Verkostung aller präsentierten Weine, Sekte und Spirituosen und Katalog der angebotenen Erzeugnisse. Für weitere Informationen steht Ihnen die Firma Denkinger Weine & Getränke in Ehingen zur Verfügung. Telefon: +49 (07391) 6265 oder Email:

Ein Freund des Lebens

Ein Freund des Lebens

(Bodensee) Nomen est Omen: Die Rebsorte Spätburgunder ist eine spätreifende Rebsorte. Doch neben dieser, für den Verbraucher relativ uninteressanten Tatsache, ist sie noch viel mehr: ein wunderbarer Wein, wenn dem Winzer ein Meisterstück gelingt.

Schon so manchem Winzer hat diese Rebsorte schlaflose Nächte bescherrt. Sie ist kapriziös, divenhaft und kompliziert. Sie belohnt Winzer und Weinfan mit ihrer seidigen und präsenten Kraft im Ausdruck, sie verzeiht jedoch auch keine Schwäche. Spielt das Wetter einfach nicht mit, sodass die Beeren nicht durchreifen, was in kühleren Gegenden schon einmal passieren kann, und man schmeckt es sofort unangenehm im Glas: Säure und Süße sind außer Balance geraten. Dazu kommt, dass gerade für Rotweine eine gute Tanninstruktur sehr wichtig ist, damit der Rotwein auch schmeckt. (Tannine sind Gerbstoffe, und am deutlichsten kann man sie bei einem zu lange gezogenen Schwarztee erschmecken.) Auch eine zu heiße Gegend ist nicht der Freund des Spätburgunders: Diese international beliebte Rebsorte kann in diesen Anbaugebieten „marmeladig“ schmecken. Da fehlt dann meistens die Säure. Und das macht keine Freude.

Mehr fürs Lockerbeerige zu haben

Ambitionierte Winzer lassen sich von dieser schönen Rebsorte herausfordern und bauen sie an, wenn es das Anbaugebiet zulässt. Aber sie hat noch weitere Herausforderungen zu bieten: Die Erträge sind vergleichsweise gering. Die Traubendichte ist jedoch sehr hoch. Das heißt, an einem „Bündel“ Trauben sind die Beeren besonders eng aneinanderliegend – ideal für den Angriff von Pilzen, zum Beispiel für die „Graufäule“, den aber die WinzerInnen gar nicht schätzen. Daher bevorzugen mehr und mehr Weinbauern sogenannte lockerbeerige Klone, die in den Versuchsanstalten gekreuzt werden. Klone, das klingt irgendwie ungut, bei einem so romantischen Getränk wie Wein. Tatsache ist, dass es unzählige Klone für die vielen Rebsorten gibt. Sie heißen allerdings völlig unromantisch, zum Beispiel: We M 242. Dieser Klon zeichnet sich durch eine geringere Mostsäure aus.

Ein Liebestrank namens WE M 242

Doch zurück zur Romantik: Spätburgunder hat viele Namen. In Deutschland wird er ebenso bezeichnet, aber schon in der Schweiz nennt man in Blauburgunder, Clevner oder Cortaillod. In Frankreich und den angelsächsischen Ländern, wie USA, Australien und Südafrika, heißt er Pinot Noir und in Italien Pinot Nero. Besonders schöne Spätburgunder wachsen auf den Kalkböden des Burgunds in Frankreich, am Kaiserstuhl und an der Ahr. Das Burgund ist die Wiege des Spätburgunders, und hier gedeihen auch die ganz großen Gewächse. Doch allerdings sind sie mittlerweile so teuer geworden, dass man schon – bei manchen Weinen zumindest – zu Recht von einer Überbewertung sprechen kann. Doch ein reifer Pinot Noir aus dem Burgund kann schon eine wunderbare Offenbarung sein. Schöne Pinor Noirs gedeihen auch in Nordkalifornien und Oregon. Doch auch die Bodenseeregion kann einige sehr schöne Spätburgunder präsentieren. Die Weingüter Aufricht in Meersburg und Staatsweingut Meersburg, die Spitalkellerei Konstanz, Burkhart im Thurgau, WeinSTAMM und aagne vom schopf im Schaffhauser Anbaugebiet, sind nur wenige genannte, die jedes Jahr aus ihren Reben schöne Spätburgunder herauskitzeln. Viele Winzer im Bodenseeraum bauen die Rebsorte mit Begeisterung an. Kein Wunder, der Spätburgunder, Blauburgunder, Pinot Noir oder Pinot Nero, wie man ihn auch immer nennen mag, macht meistens einfach Freude und ist eine herzerwärmende Herausforderung. Spätburgunder, das ist auch ein „love potion“, ein Liebestrank. Es ist der ideale Wein zum Verführen und auf keinen Fall langweilig. Denn wer will sich schon langweilen?

Weingut Aufricht
Telefon +49 (0)7532 24 27
www.aufricht.de

Staatsweingut Meersburg
Telefon +49 (0)7532 4467 44
www.staatsweingut-meersburg.de

Spitalkellerei Konstanz
Telefon +49 (0)7531 128 76-0
www.spitalkellerei-konstanz.de

Weingut Burkhart
Telefon +41 (0)71 622 47 79
www.weingut-burkhart.ch

WeinSTAMM
Stamm's Oenothek
Telefon +41 (0)52 620 18 85
www.weinstamm.ch

aagne vom schopf
Telefon +41 (0)52 681 38 10
www.aagne.ch

Text: Rebecca Koellner