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Weinseelig Oktober 2008

Hoffentlich süße Früchtchen

Hoffentlich süße Früchtchen

(D-Bermatingen) „Trink, trink, Brüderlein trink, lasse die Sorgen zu Haus! Das Lieben, das Trinken, das Singen schafft Freude und fröhlichen Mut. Denn wenn man beim schönsten Trunk ist, bekommt man sehr leicht eine Frau.“

Dieses, naja, lyrisch etwas hingebogene Volkslied, klingt aus so manchem Weinkeller. Doch wer singt, sind meistens nicht die Winzer, die haben nämlich rund um das Jahr jede Menge zu tun, damit andere singen können. So geht es auch Mathias Dilger aus Bermatingen. Kurz vor der Weinlese stehen auch bei ihm im Weinberg verschiedene Arbeiten an, die sehr wichtig für die Qualität des späteren Weines sind. Wir haben den sympathischen Winzer besucht und uns ein Bild gemacht über den Stand der Dinge im Weinberg. Der Tag beginnt früh für den Winzer: Nicht nur verlangt sein neu geborenes Baby Aufmerksamkeit, auch die Rebstöcke wollen umsorgt sein. Zur Zeit hat Dilger ein genaues Auge auf den Reifegrad und, ganz wichtig, die Gesundheit seiner Trauben. Jetzt ist die Zeit, in der die Kraft der Sonne genutzt werden muss, insbesondere im kühleren Klima, wie hier, damit die Trauben voll ausreifen können. Dies geschieht, indem der Winzer die Blätter rund um die Beeren abschneidet, damit möglichst viel Sonne auf die Früchte scheinen kann. Außerdem emtfernen die WinzerInnen die sogenannten Wasserschosse (Triebe), denn der Rebstock produziert neben den Beeren auch jede Menge Triebe und Blätter, die der Pflanze viel Energie nehmen. Energie, die der Winzer gerne in den Beeren sehen möchte und nicht im Blattwerk.

Gefahren für den Wein in den letzten Wochen

Die Beeren, auch die roten, bleiben bis in den Hochsommer hinein grün und hart. Erst in den letzten zwei Monaten vor der Lese färben sie sich und werden weicher. Das interessiert natürlich auch die Vögel, den sie lieben die süße und nährende Frucht, wie wir Menschen eben auch. In manchen Gebieten müssen die Winzer Netze über den Weinberg spannen, damit die Vögel nicht auf ihre Art den Ertrag reduzieren. Neben den Vögeln gibt es noch die verschiedenen Krankheiten, insbesondere Pilzerkrankungen, die Probleme bereiten können: falscher und echter Mehltau, die Schwarzfleckenkrankheit und weitere sind Feinde der WinzerInnen. Pilze fühlen sich ja dann wohl, wenn Feuchtigkeit und Wärme aufeinander treffen (siehe Fußpilz!). Schneidet der Winzer die Blätter weg, kommt genug Luft und Wind an die Beeren und somit kann es gelingen, einen solchen Pilzbefall zu verhindern.

Masse oder Qualität?

Doch neben allen Laubarbeiten, mit denen sich Mathias Dilger und seine Kollegen beschäftigen, hat er als qualitätsbewusster Winzer auch im Sinn, einen guten Wein auf den Tisch zu bringen. Das Zauberwort heisst Ertragsreduzierung. Er kann sich zwischen Masse und Qualität entscheiden, beides geht nicht. Dilger entscheidet sich zurecht für Qualität – Masse gibt es ja genug! Das heißt, er schneidet ganze Beerenbündel ab und lässt sie, quasi als Dünger, im Weinberg liegen. Der Rebstock steckt nun seine Energie, die zur Ausreifung der Beeren notwendig ist, in wenige Trauben. Diese werden dafür um so intensiver im Geschmack. Gerade in unserer kühleren Region, im Vergleich zu Italien beispielsweise, legen gute Winzer Wert darauf, einen ausgewogenen Wein zu produzieren. Es ist das alte Lied: Zuviel Säure lässt den Wein aggressiv schmecken, und es mangelt an Eleganz. Dieses „Roulettespiel“ mit den Einflüssen der Natur, insbesondere der Sonneneinstrahlung, ist eine große Herausforderung für die Rebleute. Sie wissen schließlich auch nicht, wie das Wetter in vier Wochen sein wird. Erfahrung mit der Wärmespeicherkapazität im eigenen Weinberg spielt daher eine große Rolle. Doch eines ist so gut wie sicher: Auch dieses Mal wird es Mathias Dilger gelingen, das Beste aus seinen Trauben herauszuholen, denn er ist Winzer aus Leidenschaft.

Weingut Dilger
Buchbergstraße 1A
D-88697 Bermatingen
Tel. 0049 (0)7544-80 94
Fax 0049 (0)7544-74 09 05
www.weingut-dilger.de

Text: Rebecca Koellner

Thurgauer Winzer verlieren geschätzten Kollegen

Thurgauer Winzer verlieren geschätzten Kollegen

(CH-Weinfelden) Hans Ulrich Kesselring, Winzer des Weingutes Schloss Bachtobel am Ottenberg, ist tot.

Er starb am ersten September-Wochenende, im Alter von nur 61 Jahren. Kesselring galt durch die Qualität seiner Weine wie auch durch seine Veröffentlichungen zum Thema Wein als einer der profiliertesten Winzer der Schweiz und zeigte, was in den Weinen aus dem Thurgau steckt. Seine Weine waren geschätzt und begehrt, von KollegInnen und Weinfreunden gleichermaßen. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen.

Schlossgut Bachtobel
CH-8561 Post Ottoberg
Tel. 0041 (0)71 622 54 07
Fax 0041 (0)71 622 76 07
www.bachtobel.ch

Text: Rebecca Koellner