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Weinseelig September 2007
Eldorado der kleinen Fläschchen
(CH – Kreuzlingen) Als ich vor rund zwei Jahren nach Konstanz kam, erschreckte mich eines: die Weinkarte vieler Lokale und auch besserer Restaurants – zu einseitig, zu schlechte Qualität, zu teurer Preis. Wie man sowas richtig macht, zeigt Peter di Gallo
Die italienische Lebenslust ist im Ristorante auch im Keller – im Weinkeller – zu Hause, denn die gute Speisekarte des Restaurants will begleitet sein – vom größten Kleinflaschen-Weinkeller der Schweiz mit Provenienzen aus ganz Europa. So viele Flaschen benötigten eine Weinkellerbewirtschaftung, die mittels eigens angefertigtem Computerprogramm den Gast einen Zugriff auf alle Weinbeschreibungen ermöglicht. Mal sehen, was sich finden lässt – ein paar Stichproben: Champagner Roederer „Cristal“ (bis vor kurzem das Kultgetränk der Rap-Musiker – nun nicht mehr, der Firmenchef äußerte sich herablassend über seine finanzstarke Klientel. Der Rapper Jay-Z hat nun dem Hip-Hop Kultgetränk den Krieg erklärt, aber das nur nebenbei). Aber auch der nicht ganz so bekannte, wunderbare Pol Roger Champagne findet sich in der Reihen der kleinen Fläschchen. Aus Italien sind die Weine einer der besten Genossenschaften überhaupt, Schreckbichl, in den Weinkeller geladen. Auch bei den roten findet sich alles, was das Herz begehrt, ob die schönen Weine um den Hermitage-Felsen an der Côtes-du-Rhône oder Bordeauxweine. Vom Einfachen bis zur Spitze des Bordeaux, alles da! Und das Gute daran: Die kleinen Flaschen sind einfach praktischer, nicht nur wegen Alkohol und Zoll (OK, schlechter Scherz), nein, schließlich will man ja nicht immer eine ganze Flasche Wein bestellen. Wer sich dann doch zum großen Durst entschließt, für den hat Peter di Gallo auch gesorgt: Neben den klassischen 0,75 l-Weinflaschen gibt es im Restaurant ein großes Aquarium mit einer Wassermenge von 3.000 Litern Meerwasser, das tropische Fische und andere Meerestiere ihr Zuhause nennen – vorausgesetzt, niemand trinkt es leer.
AGLIO & OLIO,
Konstanzerstrasse 34, CH-8280 Kreuzlingen
E-Mail: kreuzlingen@aglioeolio.ch
Tel. +41 (0) 71 677 40 41
Fax +41 (0) 71 677 40 49
Öffnungszeiten:
Di. – Fr. 09.00 – 24.00 Uhr, Sa. 14.00 – 24.00 Uhr
Sonntag und Montag Ruhetage
Warme Küc
Text: Rebecca Koellner
Der Dicke und der Spätburgunder
(D – Bodman) Die edle Rebsorte Spärburgunder bauen die Winzer gerne am See an. Der Grund: Die Weine, die aus der Rebsorte entstehen, sind einfach unwiderstehlich!
Das erkannte auch Karl III („der Dicke“, 9. Jahrhundert). Er ließ nämlich Blaue Burgunderreben aus dem Burgund auf die karolingische Kaiserpfalz Bodman am Bodensee kommen und im „Königsweingarten“ anpflanzen. Der Dicke liebte nämlich diesen Ort, der am westlichen Ende des Bodensees, am Überlinger See, liegt und bezeichnete ihn als „seine älteste, wichtigste und meistbesuchte Pfalz“. Und er suchte Genesung dort, und zwar nach einer Kopfoperation (oh je – in dem Jahrhundert!). Ob sie etwas gebracht hat, verschweigen die Annalen, weit jedenfalls ist er nicht mehr gekommen – er liegt auf der Reichenau begraben. Weiter gekommen ist da schon das Grafengeschlecht der Bodmans. Schon seit 1277 sind die Grafen von und zu Bodman die Besitzer dieses Stücks Kaiserpfalz und der Burg Bodman. Und sie produzieren auch Weine. Traditionell, das sagt uns bereits die Geschichte, spielt der Spätburgunder eine wichtige Rolle, und mit Fug und Recht kann man von einer 1100-jährigen Geschichte des Anbaus von Blauburgunder in Bodman sprechen. Doch Graf von und zu Bodman pflanzt auch die hier heimische Rebsorte Müller-Thrugau an, die erst “kürzlich, nämlich im Jahr 1882, von Dr. Müller aus Tägerwilen durch Kreuzung entwickelt wurde. Was die Grafen im Laufe der Jahrhunderte wohl verpasst haben, ist, ihre Weinanbaufläche zu erweitern, die wirklich klein ist: Die Fläche des Weinbergs beträgt "nur" 1,3 Hektar. Entsprechend fallen die Erntemengen gering aus. Nur rund 7.000 Flaschen füllt der Graf ab, aufgeteilt auf Spätburgunder und Müller-Thurgau. Ich hatte bereits das Vergnügen, den Müller-Thurgau zu probieren: In der Nase präsentierten sich zarte Aprikosenaromen und etwas Kokos. Zurückhaltend, jedoch nicht bescheiden, sanft und zart war der Geschmack. Die Säure war angenehm eingebunden. Gerade beim „MT“ vom Bodensee kann sie ganz schön „spitz“ sein. Na ja, das Weinmachen müssen die Grafen schon können, schließlich haben sie’s ja nicht erst gestern gelernt.
Weingut: Wilderich Graf von und zu Bodman
Bodmaner Königsweingarten "Müller-Thurgau"
Bodmaner Königsweingarten "Spätburgunder"
Bodmaner Königsweingarten "Spätburgunder Weißherbst"
Text: Rebecca Koellner
Der Heiner (B)Renn aus Hagnau
(D – Hagnau) Der Preis lässt sich sehen. Ausgezeichnet mit der Goldmedaille als “Bester Badischer Biowein 2007 für ihren Spätburgunder erntet das Weingut Burgunderhof der Familie Renn in Hagnau die Früchte seiner Arbeit.
Der Burgunderhof ist – wie schon der Name verrät – in erster Linie ein Weingut. Heiner Renn stellt nur Weine aus eigener Produktion her, und das in kleinen Mengen. Renn verzichtet auf den Einsatz von Herbiziden, und so viel Einsatz wird belohnt: 2006 wurden alle sechs Weine mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Der engagierte Winzer versteht sich auf die klassischen Rebsorten der Bodenseeregion Müller-Thurgau, Grauburgunder und Spätburgunder – beim Wein und beim Schnaps. Goldmedaillen und Auszeichnungen sind das eine – Erfahrung, Kreativität und Freude an der Arbeit das andere. Diese Faktoren sind der Motor des Erfolgs. Und hier ist Heiner Renn ein Vordenker. Schon als Kind mit zehn Jahren brannte er unter der Anleitung seines Vaters den ersten Schnaps. Kein Wunder sind seine Destillate – das andere Standbein des Heiner Renn – europaweit bekannt und geschätzt. Großbrennerein verwenden auch unreifes, angeschlagenes Obst – das müssen sie, denn der Preis soll ja günstig sein. Bei Heiner Renn läuft es anders: Die kleinen Erntemengen werden sorgfältig überprüft, und nur die goldenen Früchtchen kommen ins Töpfchen. Die besten Restaurants führen die Destillate in der Liste. Port Culinaire, „das wohl beste Gourmet-Magazin der Welt“, wurde so auf das Weingut aufmerksam und widmete dem Winzer aus Hagnau sechs Seiten in der Frühlingsausgabe 2007. Das SWR-Fernsehen folgte im Juni, und Tochter Julica ist Badische Weinprinzessin 2006/2007. Kurz: Fürstliche Zeiten für den Burgunderhof!
Burgunderhof Verkauf:
Am Sonnenbühl 70
D-88709 Hagnau
Fon: 0049-(0)7532 – 80 76 80
Fax: 0049-(0)7532 – 80 76 855
burgunderhof@t-online.de
Goumet-Magazin: Port-Culinaire.de
Text: Rebecca Koellner
Schafuuser Wiiprob:150 Spitzenweine sympathisch präsentiert
Vom 31. August bis 2. September findet die traditionelle "SchafuuserWiiprob" im Kreuzgang des Museums zu Allerheiligen statt.
23 Weinbaubetriebe aus dem Schaffhauser Blauburgunderland präsentieren ihre besten Tropfen. Darunter sind sechs Gold- und 20 Silberdiplome der Internationalen Weinprämierung Expovina 2007. Damit bestätigt Schaffhausen seine Stellung als erfolgreichster Weinbaukanton der Deutschschweiz! Selbstverständlich können alle prämierten Weine an der Wiiprob degustiert werden Dazu kommen 150 weitere hervorragende Weine, darunter viele Spezialitäten.
Öffnungszeiten der Wiiprob: Freitag, 31. August von 18.30 bis 22.30 Uhr, Samstag, 1. September von 16.00 bis 22.30 Uhr und Sonntag, 2. September von 12.00 bis 18.00 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Franken.
Text: Maria Peschers


