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Story/Thema März 2010
Weinland Italien … mit seinen paradiesischen Genüssen
Wein gehört in Italien zum Leben dazu, ist ein Bestandteil der Alltagskultur, und das Trio „Wein, Oliven und Brot“ ist aus dem Mittelmeerraum nicht wegzudenken. Durch die Ausbreitung des Römischen Reiches wurden auch die Weinreben in den Provinzen angepflanzt, denn die römischen Siedler verlangten nach dem ihnen so vertrauten Getränk. Vielleicht konnten die Römer sich auch deswegen nicht so lange in England behaupten? Jedenfalls gehört Italien heute zu den wichtigsten europäischen Weinproduzenten. Auf einer Fläche von 908 000 Hektar, also 9080 Quadratkilometer (etwa 3 % der Fläche Italiens), wurden im Jahr 2000 über 60 Millionen Liter Wein erzeugt – jede der 20 Regionen hat ihre eigenen Rebflächen.
Geschichte
Weinrebengewächse sind in Italien schon aus prähistorischen Zeiten gefunden worden. Wann aber genau die Kultivierung begann, weiß man nicht so genau. Ein sehr früher Einfluss der mykenischen Kultur auf den Süden Italiens wird angenommen, aber erst ab dem 8. Jahrhundert vor Christus kann man den Weinbau belegen. Zu dieser Zeit pflegten schon die Etrusker ihre Weinberge in der Toskana, und im Süden des Landes fanden die Griechen ideale Bedingungen für den Weinbau vor und nannten diese Region „Oenotria“ (Land des Weins). Während einiger Jahrhunderte genoss der griechische Wein das höchste Ansehen, doch war der landeseigene Wein günstiger. Mit der Zeit entwickelten sich auch in Italien ein Weinbau-Hochkultur und später auch der Export. Beides fand seinen Niedergang im Zusammenbruch des Römischen Reiches, denn als die Langobarden und Goten Italien beherrschten, war der Wein hauptsächlich für den Eigenbedarf bestimmt, und die Quantität rangierte vor der Qualität. Erst nach dem 11. Jahrhundert, als Oberitalien mit Genua und Venedig zu einer machtpolitisch wichtigen Region in Europa wurden, erholte sich auch die Produktion des edlen Weines wieder. Noch heute sind auf der Fläche Italiens ungefähr 1000 Rebsorten registriert, zu den bekanntesten gehören die Barbera, Malvasia, Montepulciano, Nebbiolo, Sangiovese und die Trebbiano. Daneben werden natürlich auch alle international bekannten Rebsorten wie Merlot oder Chardonnay angebaut.
Traumhafte Weingüter
Wolfgang Tafel, Geschäftsführer der Weingalerie Tafel
in Ravensburg, kommt ins Schwärmen, wenn er von der schönen Fattoria Paterno
in der Nähe von Montepulciano in der Toskana schwärmt: „Das Weingut aus dem 14. Jahrhundert ist so liebevoll restauriert, da muss jemand jeden Ziegel einzeln in die Hand genommen haben.“ Dort werden nur zwei Weinsorten erzeugt: der Vino nobile di Monte Pulciano und der gleiche Wein als Riserva, der über drei Jahre im Holzfass gelagert sein muss, um diese Bezeichnung zu erlangen. Ein anderes Weingut, mit dem Wolfgang Tafel schon seit rund 20 Jahren zusammenarbeitet, ist das idyllisch gelegene Weingut Eredi Lodali
im Piemont in der Nähe der Stadt Alba. „Eredi Lodali“ heißt „die Erben des Lodali“, weil 1982 der Winzer starb und dann die Familie den Betrieb weiterführte. Seit vier Jahren betreibt jetzt der Sohn des Winzers das Weingut und baut hauptsächlich die Rebsorten Dolcetto, Barbera und Nebbiolo an. Aus der letzteren werden die beiden berühmten Weine Barolo und Barbareco hergestellt. Wolfgang Tafel kann alle Weine des Betriebes empfehlen. Wer einmal in die Gegend kommt, sollte das Weingut besuchen, an das das Restaurant und Hotel Il Vignetto angeschlossen ist.
Weinreisen
Wieviel Mühe, Arbeit und Liebe in einer Weinflasche stecken, kann man am besten erfahren, wenn man ein Weingut besucht und den Alltag der Winzer miterlebt. Andreas Fritz, Techniker für Weinbau und Kellerwirtschaft bei der Weinhandlung Franz Fritz Niederburg in Konstanz, machte im letzten Jahr eine solche Weinreise mit 30 seiner Kunden nach Rovereto im Trentino. Die Teilnehmer/innen erlebten drei Tage „Dolce Vita“ mit den vielfältigsten kulinarischen Genüssen auf dem Weingut Domini Veneti Amarone. Aber sie sahen auch die Produktionswege des Amarone-Weines: Die Trauben werden nach der Ernte getrocknet und dann erst gepresst. So kann man sich auch den Preis für eine Flasche Wein viel besser erklären und entwickelt einen direkteren Bezug zum Produkt. Oder anders gesagt: Man lernt den Wert des Weines schätzen. Andreas Fritz empfiehlt den sehr gehaltvollen roten Amarone della Valpollicella Classico Domini Veneti 2006 von diesem Weingut. Wer ihn probieren möchte, sollte am 26. April zur Weinprobe im Hof der Weinhandlung Franz Fritz kommen. Dort werden natürlich auch alle anderen italienischen Weine aus dem Sortiment vorgestellt. Eine andere Möglichkeit, mehr über Wein zu lernen, wäre die Teilnahme an einem Weinseminar von Andreas Fritz bei der Volkshochschule.
Italien bei uns
Früher war es die Gewohnheit und die Heimatverbundenheit, die die italienischen Gastarbeiter zum Einkaufen in den Italmarket
führten. Heute sind es auch die deutschen Kunden, die die original italienischen Weine und Lebensmittel im Italmarket schätzen, den es mittlerweile in Scheer, Neu-Ulm und Ravensburg-Torkenweiler gibt. Die Geschäftsführerin Pina di Luccia berichtet, dass viele italienische Restaurants und Pizzarien mit ihren importierten Lebensmitteln beliefert werden. Wenn auf dem kulinarischen Gebiet in Italien eine Neuheit erscheint, so ist diese ziemlich bald auch im Italmarket zu finden: Geschenkkörbchen mit Käse, scharfe Paprikapaste, Grissini mit den verschiedensten Zutaten, Fischpasten, besondere Gewürzmischungen für Bruscetta, Schinken vom Wildschwein oder Hirsch und getrüffelter Käse sind die leckeren aktuellen Neuzugänge. „Wir halten auch immer nach kleinen, ursprünglichen Weingütern Ausschau, um unseren Kunden den echten italienischen Genuss zu bieten“, meint Pina di Luccia und empfiehlt ihren Lieblingswein, einen Martia Rosso von dem kleinen Weingut Cantina Barone in der Provinz Kampanien. Er ist das Produkt aus einer nur dort angebauten Rebsorte mit unverwechselbarem, typischen Geschmack. Damit solch seltene Weine auch einmal von ihren Kunden vor Ort genossen werden können, arbeitet Pina di Luccia eng mit einem Reisebüro zusammen.
Ebenfalls eine große Auswahl an italienischen Weinen findet man bei DIVINO in Winterthur. Der Geschäftsführer Thomas Wettach wirbt auf seiner Homepage für ursprüngliche Terroirweine in einem guten „Preis-Genuss-Verhältnis“. Dort findet man Weine aus den Regionen Veltlin, Veneto, Piemont, Toscana, Abruzzen, Apulien, Sizilien und Sardinien. Ein besonderes Fundstück ist der Moscato d'Asti DOCG Linea Classica 2008, ein Schaumwein aus der Traube Moscato bianco di Canelli aus dem Haus Bava, Cocconato. Nach der Lese werden die Trauben mit einer pneumatischen Presse sanft gepresst. Der leicht gegärte Most wird danach in Stahltanks bis zur Abfüllung sehr kühl gelagert. Als „Wein der Gärten von Eden soll der Moscato d’Asti bezeichnet werden. Strohgelb, mit perlendem Effekt im Auge, zeigt er sich natürlich weich, süss und leicht spritzig mit sanften und blumigen Noten von Akazien und Salbei und fruchtige Aromen von Pfirsich und Ananas. Ein extravaganter und erfrischender Wein! Er ist als Aperitif geeignet, für die leichte Küche, passt zu Desserts, Kuchen und zu diversen Süßigkeiten.
Eine Weinhandlung mit rein italienischem Sortiment ist die Piazza del Gusto in Ravensburg. Gerade ist der Inhaber Fabrizio Velenosi von seiner Geschäftsreise vom Gardasee zurückgekehrt und hat von dort neue Köstlichkeiten mitgebracht. Bei Valeggio sul Mincio liegt die Azienda Gardoni
, wo neben Wein auch Obst angebaut wird. Die Nähe des Sees mit einem ständigen leichten Wind lässt dort Weine mit interessanten Geschmacksnoten reifen. Das Weingut wurde 1980 gebaut und wird nun von Matia Gardoni mit seinen zwei Brüdern und seinem Vater geleitet. Das Herz der Familie schlägt für die traditionellen Weine wie den Custoza und den Bardolino. Von diesem Weingut empfiehlt Fabrizio Velenosi den Bardolino Chiaretto in einem kräftigen, leuchtenden Rosa mit einem intensiv blumigen Bukett, ausgewogener Säure, vollmundig, trocken und frisch im Geschmack. Im Haus der Marken wird Fabrizio Velenosi am 5. März eine weitere Weinhandlung eröffnen.
Wer beim Wein auf Bio-Qualität schwört, dem sei der Vinifera Groppello DOC 2008 Civielle vom Weinimport Peter Riegel in Orsingen (der größte Biowein-Importeur Deutschlands) empfohlen, ein Wein aus der Lombardei. Die Gropello ist eine etwas launische Rebsorte, die im Keller schwierig zu beherrschen ist. Bei Civielle wird sie geliebt und entsprechend sorgfältig verarbeitet und nur von Peter Riegel vertrieben. Der Wein schmeckt fruchtig und frisch, und wenn man gerade denkt „OK, ein netter fruchtiger Wein“, dann zündet er sein langes überraschend komplexes Finale.
Ein Fisch zum Wein
Und was genießt man zum italienischen Wein? Pino Arena, Inhaber des Ristorante Arena in Überlingen am See stellt uns ein leckeres Rezept für Goldbrasse in der Kruste zur Verfügung. Eine Goldbrasse (ca. 400 g) wird in eine Mischung aus 80 g Paniermehl, 50 g Zwiebeln, 1 Knoblauchzehe, 20 g Petersilie, 1 Ei, 25 g Butter, Salbei, Thymian, Basilikum, Salz, Pfeffer und 2 dl Weißwein eingehüllt und bei 190 Grad ungefähr 45 Minuten im Ofen gebacken. Dazu empfiehlt Pino Arena einen Chardonnay Cervaro della Sala 2008 aus Umbrien, vom Weingut Antinori.
Wein-Händler:
Weinhandlung Franz Fritz Niederburg, Inhaber Andreas Fritz, Niederburggasse 7, 78462 Konstanz, Tel. +49 (0)7531 21367, www.weinhandlung-fritz.de
Peter Riegel Weinimport GmbH, Inhaber Peter Riegel, Steinäcker 12, 78359 Orsingen, Tel. +49 (0)7774 9313-0, www.riegel.de
Ristorante Arena Haus Greth, Inhaber Pino Arena, Landungsplatz 14, 88662 Überlingen, Tel. +49 (0)7551 916326, www.arena-ristorante.de
Weingalerie Tafel, Inhaber Eva und Wolfgang Tafel, Herrenstr.36, 88212 Ravensburg, Tel. +49 (0)751 14807, www.weingalerie-tafel.de
Italmarket, Inhaber Raffaele di Luccia GmbH & Co., Mooswiesen 1, 88214 Ravensburg-Torkenweiler, Tel. +49 (0)751 3552802, www.italmarket.de
Piazza del Gusto, Inhaber Fabrizio Velenosi, Jahnstr. 80, 88214 Ravensburg, Tel. +49 (0)751 801-115, www.piazza-del-gusto.de
DIVINO, Inhaber Thomas Wettach, Weinlager Niderfeld, In der Euelwies 34, Industriezonen Niderfeld, CH-8408 Winterthur, Tel. +41 (0)58 433 71 00, www.divino.ch
Text: Susanne Breyer


