Aktuell
... jeden Monat frisch aus der seezunge-Redaktion des akzent.
Story/Thema Juli 2009
Trip to Asia
Der Auftrag, einen etwa dreiseitigen Beitrag über asiatische Küche zu schreiben, löst je nach Stimmung der Autorin Verzweiflung oder Begeisterung aus. Verzweiflung ob der schieren Größe des Themas und des Kontinents: Asien ist groß, ist der größte aller Kontinente, wie soll man das auf drei Seiten unterbringen? Die Begeisterung dagegen resultiert aus einer vor kurzem beendeten ausgiebigen Reise durch Thailand und den damit verbundenen Gaumenfreuden, und so sei schon vorab um Nachsicht gebeten, weil dieser Beitrag überwiegend die Küche Thailands behandelt und die nicht weniger köstlichen Speisen von Indonesien oder China, Japan oder Korea sträflich vernachlässsigt.
Damit taucht bereits die Frage auf: Welche Küche meinen wir, wenn von „der“ asiatischen Küche die Rede ist? Gehört chinesische Wan-Tan-Suppe ebenso dazu wie japanische Sushi, indische Pakoras wie mongolische Buuz, russische Pelmeni und die thailändische Suppe Tom Yam Gung? Ja und nein. Die Küche des indischen Subkontinents beispielsweise zählen einige Kochbuchautoren zur asiatischen, andere nicht. Und Russland liegt zwar teilweise in Asien, dennoch wird kaum jemand Pelmeni als typisch asiatisches Gericht empfinden. Was ist mit der fleischlastigen Küche der Mongolei? Es gibt so etwas wie die gefühlte asiatische Küche, eine Art Übereinkunft, was man hier in Europa darunter versteht, und das sind die Kochstile der Länder Ostasiens und Südostasiens, also hauptsächlich Japan, Korea, China, Vietnam, Thailand, Indonesien.
Jedes dieser Länder pflegt eigene Küchentraditionen, die sich auch gegenseitig beeinflussen, und doch gibt es einige Gemeinsamkeiten, die man, bei aller Skepsis gegenüber Verallgemeinerung, als typisch für „die“ asiatische Küche bezeichnen kann. Der Hauptbestandteil einer Mahlzeit besteht praktisch immer aus Reis oder Nudeln, zu denen dann Gemüse, Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch gereicht wird . Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen, Erdnüsse, Sojabohnen und der daraus gewonnene Tofu spielen eine wichtige Rolle, während Milchprodukte praktisch fehlen. Die Köche schneiden alle Zutaten in mundgerechte Stücke, was die Garzeit erheblich verkürzt und Vitamine und Mineralstoffe schont, und viel Wert legen sie auf frisches Gemüse der Saison . Mit gutem Grund gilt die asiatische Küche als gesundheitsfördernd. Kittiya Henke , Inhaberin des von mehreren Restaurantführern gelobten Restaurants Royal Thai in Radolfzell: „Thailändisches Essen liegt nicht schwer im Magen, es ist leicht und gesund und nicht so fetthaltig, denn wir kochen mit Kokosmilch anstelle von Sahne.“
Ein weiteres Merkmal: Gewürze und Kräuter in unendlicher Vielfalt machen aus jeder Mahlzeit ein Sinfoniekonzert der Geschmacksknospen – den Paukenschlag beim Biss auf eine Chilischote eingeschlossen. Während in Deutschland Salz- und Pfefferstreuer zum Standardaccessoire des gedeckten Tisches gehören, muss in Thailand oder Indonesien niemand nachwürzen. Doch die Verwendung von Chili und Co. wird von Land zu Land und in einzelnen Regionen sehr unterschiedlich gehandhabt – japanische Köche beispielsweise würzen zurückhaltend, um den Eigengeschmack der Zutaten nicht zu überdecken.
Wer Lust hat auf Asiatisches, aber sich nicht gleich ein Regal voller exotischer Gewürze und Kräuter anschaffen möchte, ist mit folgender Grundausstattung gut ausgerüstet für die kulinarische Expedition nach Fernost:
Die Top Ten der Asiaküche
Kokosmilch, die "Sahne Thailands", ist ein cremiges Püree aus Kokosfruchtfleisch und Wasser. Ideal für Suppen – und nicht zu verwechseln mit Kokoswasser, der klaren, wässrigen Flüssigkeit im Inneren der frischen Kokosnuss.
Chilies: „Ein Essen ohne Chili ist langweilig“, meint Kittiya Henke vom Restaurant Royal Thai in Radolfzell. Ein Essen mit Chili kann dagegen tränenreich werden – also am besten die Schmerzgrenze selbst testen.
Zitronengras, das sind harte schilfartige Stängel, die man in der Suppe oder im Curry mitkocht und vor dem Servieren rausfischt, denn es macht wenig Spaß, darauf herumzukauen. Aber das Aroma ist unentbehrlich!
Koriandergrün sieht fast aus wie zarte glatte Petersilie, aber bitte nicht durch diese ersetzen! Die zarten Blättchen von den Stielen streifen und über das fertige Gericht streuen, nicht mitkochen, denn das würde das feine Aroma zerstören. Zum Mitkochen ist frischer Kochkoriander geeignet.
Galgant ist mit Ingwer verwandt und sieht auch ähnlich aus, ist aber weißlich-roséfarben und wird im Gegensatz zum Ingwer nicht mitgegessen. In Suppen und Currys sorgt die gewaschene, ungeschälte, in Scheiben geschnittene Wurzel für eine frische, würzige, ganz leicht harzige Note.
Limettenblätter verleihen Suppen einen köstlich frisch zitronigen Geschmack. Waschen, zerreißen, mitkochen und eventuell mitservieren, aber vor dem Essen entfernen.
Tamarinde ist die Hülse des Tamarindenbaumes. Im Asialaden bekommt man gepresste Tamarinde, das ist eine zähe klebrige Masse, von der man ein Stück in heißem Wasser löst und dann knetet und siebt. Etwas umständlich in der Handhabung, aber der herrlich süß-säuerliche Geschmack entschädigt für die kleine Mühe.
Sojasauce besteht aus Sojabohnen, Wasser, Getreide und Salz und ist das universelle Würzmittel der asiatischen Küche.
Palmzucker wird aus dem Saft der Zuckerpalme gewonnen und schmeckt leicht nach Karamell.
Thai Basilikum schmeckt wie eine Mischung aus Basilikum und Lakritz. Man lässt die Blätter in der Suppe kurz mitkochen oder streut sie geschnitten über die fertige Speise.
Wer vorhat, öfters asiatisch zu kochen, für den lohnt sich die Anschaffung eines Woks, der asiatischen Universalpfanne. Ob gusseisern oder aus Stahl, antihaftbeschichtet, mit zwei Griffen oder einem Stiel, hängt von den persönlichen Kochgewohnheiten und vom Herd ab. Das Praktische am Wok ist seine Vielseitigkeit, man kann ihn zum Braten, Dünsten, Frittieren, Schmoren, Kochen, Blanchieren und Dämpfen verwenden und zum Pfannenrühren: Die Zutaten, mundgerecht geschnitten, werden unter ständiger Bewegung kurz angebraten und schnell gegart.
Bist du in Eile, mache einen Umweg
… lautet ein Sprichwort aus Japan. Haben Sie es eilig beim Kochen? Dann machen Sie einen Umweg zum Asialaden, kaufen ein paar Zutaten, laden Freunde ein, und nun: Guten Appetit!
Tom Yam Suppe – würzige Zitronengrassuppe aus Thailand
für 4 Personen, ca 30 Minuten Zubereitungszeit
1 l Gemüsebrühe, 200 g Tofu, 200 g kleine Champignons, 8 Kirschtomaten, 3 Stängel Zitronengras, 1 fingerlanges Stück Galgant, 8 Limettenblätter, 2 rote Chilis, 4 EL Fischsauce, 4 EL Limettensaft, Koriandergrün
Tofu würfeln. Pilze putzen und halbieren. Vom Zitronengras die äußeren Blätter entfernen, das untere Drittel in Scheiben schneiden, Galgant waschen und in Scheiben schneiden, Limettenblätter waschen und am Rand mehrfach einreißen. Chilis aufschneiden, entkernen, kleinschneiden. Koriandergrün kleinschneiden. In einem Topf die Gemüsebrühe zum Kochen bringen. Zitronengras, Galgant, Limettenblätter, Chilis dazugeben und 3 min köcheln. Tofu, Champignons, Kirschtomaten und Fischsauce hinzufügen, weitere 3 min köcheln. Zum Schluss den Limettensaft zugeben. Vor dem Servieren mit Koriandergrün bestreuen. Galgant und Limettenblätter werden nicht mitgegessen.
Tom Yam Suppe gibt es in Thailand in vielen Varianten, statt Tofu auch mit Hähnchenbrust, Fisch oder Garnelen.
Nachgefragt:
Welche Ähnlichkeiten und Unterschiede bestehen zwischen der „typisch“ deutschen und der „typisch“ asiatischen Küche? Gasthaus Hirsch Asia, Bad Saulgau: „Nudeln sind asiatischen Ursprungs und sowohl in der deutschen, als auch in der asiatischen Küche gleichermaßen beliebt. Jedoch werden sie in der asiatischen Küche vorwiegend mit frischem Gemüse gegart. Ansonsten ist die asiatische Küche vollkommen anders. Es wird sehr viel schonend mit dem WOK zubereitet. Da lassen sich eigentlich keine Parallelen zur deutschen Küche ziehen.
China-Restaurant “SANG HING, Riedlingen
„Spontan fallen mir keine Verbindungen der deutschen zur asiatischen Küche ein, eher Unterschiede: Zum Beispiel bei den Gewürzen. In der asiatischen Küche wird viel mit Gewürzen wie Ingwer, Koriander, Chili oder Zitronengras für Geschmack gesorgt, die in der deutschen Küche kaum Verwendung finden. Zudem ist die typisch Chinesische Küche aus meiner Sicht leichter und besser verträglich als die typisch deutsche Küche. Alles wird in Pflanzenöl zubereitet und kurz nur gebraten. Die deutsche Küche beruht eher auf längeren Koch- und Garzeiten und verwendet häufig tierisches Fett. Durch das Kurzbraten im Wok haben die Zutaten wie Fleisch oder Gemüse mehr Aroma.“
Xiaohong Li-Keppeler, asiatische Kochkurse und Partyservice, Ravensburg
„Eigentlich verbindet die deutsche und die asiatische Küche relativ wenig. Zunächst muss man sehen, dass Asien ein riesiger Kontinent mit vielen verschieden Esskulturen darstellt. Berührungspunkte sehe ich am ehesten bei einigen verwendeten Gewürzen wie beispielsweise Knoblauch. Als weiteres Beispiel lässt sich eine helle, asiatische Sojasauce anführen, die im Geschmack dem in Deutschland sehr beliebten "Maggi" ähnelt. Beides wird als universelles Würzmittel in der Küche verwendet. Auch Currypulver kommt in beiden Küchen zum Einsatz, allerdings hat das Currypulver in Deutschland einen größeren Anteil Senfkörner, asiatisches Currypulver hingegen enthält mehr Kurkuma.“
China Palast, Sigmaringen
„Zwischen der asiatische und der deutschen Küche bestehen mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. Die asiatische Küche besteht überwiegend aus warme Mahlzeiten. Salate oder Ähnliches gibt es eigentlich nicht. Das Fleisch wird vor der Zubereitung klein geschnitten, zudem sind die Garzeiten deutlich kürzer. Das bleibt der Eigengeschmack der Zutaten besser bestehen und auch der Vitamingehalt ist größer.“
Weitere Infos:
Gasthaus Hirsch Asia
Hauptstraße 74
88348 Bad Saulgau
Tel.: +49 (07581) 75 96
China-Restaurant “SANG HING -
Wochenmarkt 3
88499 Riedlingen,
Tel. +49 (07371) 965 950
Öffnungszeiten: täglich 11.30 – 14.30 und 17.30 – 23.30 Uhr – Montag Ruhetag
Xiaohong Li-Keppeler
asiatische Kochkurse und Partyservice
Zabergäu 13
88214 Ravensburg
Tel.: +49 (0751) 652 79 88
Fax: +49 (0751) 652 732 54
China Palast
In den Burgwiesen 8
72488 Sigmaringen
Tel.: +49 (07571) 24 67
Text: Anja Böhme


