Messer und Gabel

ein akzent-Produkt Impressum

Jetzt bestellen:

seezunge
seezunge 2012


Weitere Highlights aus dem akzent-Verlag:

akzent-Magazin
www.akzent-magazin.com

sinnior
www.sinnior.de

Aktuell

... jeden Monat frisch aus der seezunge-Redaktion des akzent.

Story/Thema September 2008

Frauenpower-Powerfrauen

Sie wissen, was sie wollen. Manche von ihnen arbeiten rund um die Uhr, schaffen den Balanceakt zwischen Mann, Kindern und Job. Selbständige Frauen in der Gastronomie und in Lebensmittel herstellenden Berufen sind noch immer in der Minderheit, aber hier deswegen von Quotenfrauen zu sprechen, wäre völlig fehl am Platz. Diese Frauen erobern sich das Terrain der Männerberufe ganz subtil – und ganz selbstverständlich. Das sind keine „Emanzen“ im Sinne des immer noch gern bemühten Klischees, sondern pragmatische Idealistinnen, die selbstreflektiert leben und handeln.


„Seinen Mann stehen“

„Im Leben hat man immer Wahlfreiheit“, sagt Sabine Bornberg. Sie hat gewählt und im Juli in Überlingen eine weitere Filiale der Cafékette Aran eröffnet. Nicht ihr erstes Unternehmen. Neben dem Aran leitet die gelernte Textilkauffrau noch zwei Marco Polo Filialen, ebenfalls als Franchisenehmerin. „Ich bin ein Franchise-Fan“, bekennt Sabine Bornberg gerne. Sie fühle sich durch die Franchise-Zentralen immer sehr gut betreut: Sie sind ihr, auch anhand von Seminaren und Lehrgängen, dabei behilflich, ihre berufliche Unabhängigkeit mit gutem Gewissen und mit dem nötigen fachlichen Background auszuleben. Ihren neuen Franchisegeber Jürgen Baur kennt die Unternehmerin ohnehin schon lange: Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich zu dem Schritt in die Gastronomie entschloss. Viele hätten sich gefragt: „Was will die aus der Textilbranche im Gastrobereich?“ Sabine Bornberg hat sich das gut überlegt. Immerhin handele es sich dabei um eine Entscheidung für die nächsten 10 bis 15 Jahre, in denen sie „mit Fleiß und Herzblut“ bei der Sache sein will. Ohne das, ist sie überzeugt, gehe es nämlich nicht und auch nicht ohne eine gute Partnerschaft. „Ich habe einen sehr netten Mann, der mich immer und bei allem unterstützt.“ In einer Männerdomäne wie der Gastronomie gibt es wenige Frauen in Führungspositionen. Sie hat sich trotzdem getraut. Ihre Überzeugung: „Man muss schon seinen Mann stehen, um sich dort zu behaupten.“ Aran, Münsterstraße 15-17, 886632 Überlingen

Der Natur nahe sein

Liselotte Füllemann ist Winzerin in Berlingen. Als sie den auf klassische Landwirtschaft ausgelegten elterlichen Betrieb übernahm, habe sie gleich auf eine Mischung zwischen Rebbau- und Ackerbau gesetzt. Zuvor hatte sie eine Winzerlehre und die Betriebsleiterschule abgeschlossen. Auf etwa zwei Hektar Rebfläche pflanzt die 37-Jährige heute vor allem Müller-Thurgau, Pinot Noir, Zweigelt und die Sorte Gamay x Reichensteiner an. Die Reben werden zu verschiedenen Weintypen gekeltert, darunter auch süße und Aperitifweine. In ihrem Hofverkauf bietet Liselotte Füllemann zusätzlich selbstgebrannte Obstbrände an. Sie schätzt ihren Beruf. „Man hat eine Menge Einflussmöglichkeiten auf die Qualität des Weines. Wegen der klimatischen Herausforderungen ist man zudem bei der Sortenwahl gefordert und vor allem ist der Wein ein schönes Produkt.“ Dass es nur so wenige Winzerinnen gibt, könne nicht an harten körperlichen Herausforderungen liegen, findet Frau Füllemann: Heutzutage sei man im Weinbau maschinell so gut eingerichtet, dass es wenig anstrengende Arbeit gebe. Ihr Mann ist ebenfalls Winzer, hat aber Weinbautechnik studiert und lehrt an der landwirtschaftlichen Schule in Arenenberg. Liselotte Füllemann managt also Hof und Familie weitgehend alleine. Sie ist zufrieden mit ihrer abwechslungsreichen Tätigkeit: Durch den Weinverkauf ab Hof habe sie wertvollen Kundenkontakt und die Arbeit in der Natur bereite ihr viel Freude. Liselotte Füllemann, Bergstraße 8, CH-8267 Berlingen

Von Kindern lernen

Gabriela Manser leitet die Mineralquelle Gontenbad im Appenzeller Land. Das geschah nicht einfach so – die Geschichte ihrer beruflichen Laufbahn ist voller Windungen und Überraschungen. Zwar hatte sie in dem vom Großvater gegründeten Familienbetrieb zunächst eine kaufmännische Lehre abgeschlossen, doch bald merkte sie: Das ist es nicht. Gabriela Manser wurde Kindergärtnerin, blieb dies auch 17 Jahre lang, machte dabei Karriere und stand schließlich vor der Entscheidung, die Leitung einer Schule zu übernehmen. An diesem Punkt, so Gabriela Manser, habe sie sich gefragt: Wenn schon Führungsfunktion, warum dann nicht im väterlichen Unternehmen? Schließlich hatte der Vater zwischenzeitlich lange nach einer Nachfolge gesucht. „Eigentlich war es ein Sinneswandel, der sich im Laufe der Jahre entwickelt hatte,“ erzählt Gabriela Manser. Weg von der Pädagogik, hin zur Betriebsleitung der Mineralquelle. Sie belegte an der Uni St.Gallen Seminare in Management, schaffte die berufliche Kehrtwendung und ist heute, nach fast zehn Jahren, voll in ihrem Element. „Ich finde, ich bin sehr privilegiert, dass ich diese Chance packen konnte. Es ist wunderbar, von Grund auf etwas durchzudenken und dann auch umzusetzen.“ Bei ihrer jetzigen Aufgabe komme ihr die Zeit mit den Kindern sehr zugute, ist die 46-jährige Unternehmerin überzeugt: „Vieles ist tatsächlich übertragbar. Wenn man es beispielsweise schafft, 20 Kinder im Alter von vier und fünf Jahren 20 Minuten lang auf den Stühlen zu halten, kann man auch verkaufen. Verkaufen ist schließlich in erster Linie Beziehungsarbeit.“ Die Kreativität, die Neugierde auf die Welt: All dies hätte sie auch der Arbeit mit den Kindern zu verdanken. Ganz klar: Die Unternehmenskultur der Mineralquelle ist heute geprägt von einer außergewöhnlichen Frau. 2005 wurde sie mit dem Prix Veuve Clicquot zur Unternehmerin des Jahres ausgezeichnet. www.mineralquelle.ch

Auf gute Mitarbeiter setzen

Bier ist Männersache? Claudia Sieben leitet seit sieben Jahren die Brauerei Zoller-Hof in Sigmaringen. Eine Frau, Mutter zweier Kinder. Die Tochter des Brauereibesitzers hatte ursprünglich nicht die Absicht, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. „Ich studierte Germanistik, Politikwissenschaften und Volkswirtschaft mit dem Abschluss Magister und trug mich mit dem Gedanken, zu promovieren. Doch es kam anderes. Meine erste Stelle war im Personalwesen bei einem großen Münchner Unternehmen, und nach der Geburt meiner Tochter arbeitete ich dort stundenweise weiter und später freiberuflich bei einer Unternehmensberatung.“ Und wie kam es, dass sie dann doch zu hause in Sigmaringen das „Familienerbe“ antrat? Claudia Sieben erzählt: „Die schwierige Gesellschaftersituation und die damit verbundenen Nachfolgeregelung bewog meinen Vater dazu, mit 67 Jahren – obwohl er Hauptanteilseigner des Unternehmens war – über einen Verkauf seiner Anteile nachzudenken. Wir führten zahlreiche intensive Gespräche, wie wir den Fortbestand des Familienunternehmens in der sechsten Generation bewahren könnten. Ich erklärte mich bereit, das unternehmerische Risiko einzugehen, die Führung des Unternehmens zu übernehmen und alle anderen Gesellschafter auszubezahlen. Mein Vater unterstützte mich die ersten Jahre und dank eines erfahrenen Mitarbeiterstammes und neuen kompetenten und engagierten Mitarbeitern ist es gelungen, die Brauerei sicher und gut aufzustellen.“ Ganz pragmatisch also. Natürlich ernte man als weibliche Brauereibesitzerin verwunderte Blicke, sagt die 45-Jährige. Doch „Gott sei Dank“ sei man auch als Frau in diesem Geschäft heutzutage kein „Exote“ mehr. „Viele Unternehmen, auch Brauereien, werden zwischenzeitlich von Frauen geleitet, und ich finde es gut, dass die alte Denke ‚so etwas ist Männersache’ nicht mehr vorherrscht. Job ist Job und entscheidend sind gute Mitarbeiter und innovative Ideen – nicht das Geschlecht.“ Ganz klar. www.zoller-hof.de

Dem Betrieb seinen Stempel aufdrücken

Nein, Metzgerin ist sie nicht. Aber sie leitet eine Metzgerei in Frauenfeld. Catherine Stäheli (39) hatte ursprünglich einen ganz anderen Beruf erlernt: Floristin. Aber wie es eben oft so ist, wenn man in einem Familienunternehmen groß wird, stand sie eines Tages vor der Frage, den in der dritten Generation existierenden Metzgereibetrieb zu übernehmen. „Ich habe es getan und gemerkt, dass ich den Betrieb alleine führen kann.“ Ihr zur Seite steht ein Chefmetzger, der den gesamten Fleischbereich abdeckt und auch die Fleischeinkäufe tätigt. Die Metzgerei Stäheli ist in der Ostschweiz für ihre ausgezeichnete Wurst bekannt. Insbesondere die Frauenfelder „Salzisse“, eine in alter Tradition gefertigte Wurst, wird weithin gerühmt. Catherine Stäheli kümmert sich mit Hingabe um die Charcuterie und hat die Metzgerei zu einem Mekka für Feinschmecker gemacht. Das ist ihr Ding, das liegt ihr. Sie weiß: „Ich bin mit den Jahren immer stärker geworden.“ Und: „Sicher ist das Metier sehr männerbezogen, aber man kann als Frau gut mithalten. Ich habe inzwischen das Gefühl, dass ich akzeptiert werde. Man muss sich den Männern stellen.“ Ihr Partner ist übrigens in einem völlig anderen Beruf tätig. Metzgerei Stäheli, Zürcherstraße 189, CH-8500 Frauenfeld

Mit Leidenschaft dabei sein

„Du und ich, mir gäbet a gude Wurscht!“ sagt Georg Moser, Landwirt aus Leidenschaft und Mann von Regina Moser. Was er damit meint, ist einfach erklärt: Sowohl Georg als auch Regina Moser haben ihren eigenen geschäftlichen Bereich auf dem Moserhof bei Ahausen (zwischen Markdorf und Salem) und damit ergänzen sie sich wunderbar. Regina Moser ist eigentlich gelernte Arzthelferin. Wie sie zum Käse kam, ist eine nette Anekdote: Sie war Begleitperson auf einem Klassenausflug ihres ältesten Sohnes und probierte dort zum ersten Mal Ziegenkäse, der ihr auf Anhieb unglaublich gut schmeckte. Als ein Bekannter sagte: „Warum machst du denn keinen Käse? Ihr habt doch Ziegen!“ entstand bei Regina Moser die Idee, Ziegenfrischkäse herzustellen, die sie dann auch in die Tat umsetzte. Zum Glück, denn heute kann die 43-Jährige auf ihr ganz persönliches kleines Imperium blicken: Ein Schaubauernhof, eine Schaukäserei und ein Hofcafé. Sie hat mit ihrem Ziegenfrischkäse, den sie mittlerweile in allen erdenklichen Variationen produziert, damals eine Marktlücke getroffen, was den Erfolg erklärt. Mittlerweile steht sie schon seit über zehn Jahren im Bauernmarkt und sagt voller Überzeugung: „Ich bin eine Marktfrau mit Leib und Seele, ein Leben ohne geht nicht mehr.“ Ihren Vorteil als GeschäftsFRAU sieht sie klar darin, dass Frauen einfach etwas belastbarer sind und mehrere Dinge gleichzeitig tun können. Regina Moser ist dafür ein exzellentes Beispiel: Sie ist Mutter, Ehefrau, Käsefabrikantin, Leiterin des Überlinger Bauernmarktes, Ortschaftsrätin der Gemeinde Bermatingen, aktives Mitglied bei slowfood Bodensee und bei Soroptimist international (eine Organisation von Frauen für Frauen). Und das Beste an der Sache ist: Regina Moser ist mit sich vollkommen zufrieden! www.hofkaeserei-moser.de

Locker bleiben und taff sein können

Bei Linda Leonie Prager liegt die Frauenpower sozusagen in den Genen: Ihre Mutter Verena Prager ist Inhaberin der Schaffhauser Sommerlust und des neuen Güterhofs. Obwohl familienbedingt mit der Gastronomie bestens vertraut, machte auch sie einen kleinen beruflichen Umweg, bis sie dort landete, wo sie nun steht: Geschäftsführerin des Güterhofs. Linda Prager wurde zunächst Betriebsökonomin in Facility Management, arbeitete für eine Zürcher Consulting Firma und an Projekten für Kantone, das Schweizer Militär und Baudirektionen. Interessant, aber trocken. „Die Entscheidung kam, als ich merkte, dass ich mich mit dem Produkt mehr identifizieren möchte. Ich wollte in einen lebendigeren Betrieb.“ Gastgeber sein, es den Gästen „schön machen“, Feste organisieren: All das konnte sie vertretungsweise in der „Sommerlust“. Bis zur Entscheidung, die Leitung des Güterhofs nach dessen Fertigstellung zu übernehmen, war es dann nur noch ein kleiner Schritt. Nach Schaffhausen – wo sie bei der Erschließung der „emerging markets“ dabei sein könnte: Dubai, China, Indien usw.? „Für mich ist zum jetzigen Zeitpunkt, mit 28 Jahren, wichtig, ein paar Jahre im operativen Geschäft tätig zu sein. Nur so begreife ich die Abläufe, sehe das junge Start up-Unternehmen Güterhof wachsen und kann jeden Tag dazu lernen. Nach San Diego und Lausanne freue ich mich auf die Provinz, auch wenn ich von Zeit zu Zeit sicherlich in die Welt hinaus muss …“ Ihre Zukunft sieht Linda Prager mit Familie. „Ich bin davon überzeugt, dass mit Planung und einer gewissen Lockerheit Familie und Karriere gehen.“ Sie lacht: „Meine Kinder müssen sicher ab und zu im Restaurant Mittag essen.“ In ihrer Position fühlt sich die junge Frau „grundsätzlich gut“. Die Branche sei zwar immer noch „männergewichtig“, aber das mache ihr nichts aus. „Ich versuche, das Thema relativ locker zu nehmen und möchte dabei Frau bleiben. Das ist mir wichtig. Ich kann gleichzeitig häuslich sein und taff mein Ding durchziehen. Für mich lässt sich das kombinieren.“ www.gueterhof.ch

Patissière – aus Leidenschaft

Eigentlich fällt Alexandra Lang zwischen all den selbständigen „Powerfrauen“ ein wenig aus der Reihe: Sie ist erst 23 Jahre alt und arbeitet derzeit im elterlichen Hotel, der „Residenz“ in Meersburg. Dass wir sie hier trotzdem erwähnen, liegt an ihrem Beruf: Sie ist frischgebackene Patisseurin – oder Patissière – aus Leidenschaft. Ein Beruf, in dem sich die Männer tummeln. Alexandra Langs Berufswunsch reicht bis in ihre Kindheit zurück: Sie backte schon immer liebend gerne Kuchen, und etwas anderes, als Konditorin zu lernen, kam für sie nicht in Frage. Den Patissier hängte sie in viel Eigenarbeit und in hoch gerühmten Küchen (beispielsweise in der Baiersbronner Traube) noch hinten an – als Ausbildungsberuf gibt es ihn bei uns noch nicht. Dennoch sind Patissiers insbesondere in der gehobenen Gastronomie sehr gefragt. Alexandra Lang liebt ihre Arbeit: „Mir geht es trotz der strengen Arbeitszeiten – unter 10 bis 12 Stunden am Tag geht gar nichts – in meinem Beruf super. Ich darf sehr kreativ sein und immer etwas Neues ausprobieren. Ich sehe das Dessert als krönenden Abschluss eines Menüs: Das, was im Kopf des Gastes verbleibt.“ Weitere Pläne? Eventuell den Betriebswirt oder Meister machen. Und irgendwann Familie. www.hotel-residenz-meersburg.com

Text: Claudia Antes-Barisch

Frauenpower-Powerfrauen

Sie wissen, was sie wollen. Manche von ihnen arbeiten rund um die Uhr, schaffen den Balanceakt zwischen Mann, Kindern und Job. Selbständige Frauen in der Gastronomie und in Lebensmittel herstellenden Berufen sind noch immer in der Minderheit, aber hier deswegen von Quotenfrauen zu sprechen, wäre völlig fehl am Platz. Diese Frauen erobern sich das Terrain der Männerberufe ganz subtil – und ganz selbstverständlich. Das sind keine „Emanzen“ im Sinne des immer noch gern bemühten Klischees, sondern pragmatische Idealistinnen, die selbstreflektiert leben und handeln.

+++„Seinen Mann stehen“ +++„Im Leben hat man immer Wahlfreiheit“, sagt Sabine Bornberg. Sie hat gewählt und im Juli in Überlingen eine weitere Filiale der Cafékette Aran eröffnet. Nicht ihr erstes Unternehmen. Neben dem Aran leitet die gelernte Textilkauffrau noch zwei Marco Polo Filialen, ebenfalls als Franchisenehmerin. „Ich bin ein Franchise-Fan“, bekennt Sabine Bornberg gerne. Sie fühle sich durch die Franchise-Zentralen immer sehr gut betreut: Sie sind ihr, auch anhand von Seminaren und Lehrgängen, dabei behilflich, ihre berufliche Unabhängigkeit mit gutem Gewissen und mit dem nötigen fachlichen Background auszuleben. Ihren neuen Franchisegeber Jürgen Baur kennt die Unternehmerin ohnehin schon lange: Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich zu dem Schritt in die Gastronomie entschloss. Viele hätten sich gefragt: „Was will die aus der Textilbranche im Gastrobereich?“ Sabine Bornberg hat sich das gut überlegt. Immerhin handele es sich dabei um eine Entscheidung für die nächsten 10 bis 15 Jahre, in denen sie „mit Fleiß und Herzblut“ bei der Sache sein will. Ohne das, ist sie überzeugt, gehe es nämlich nicht und auch nicht ohne eine gute Partnerschaft. „Ich habe einen sehr netten Mann, der mich immer und bei allem unterstützt.“ In einer Männerdomäne wie der Gastronomie gibt es wenige Frauen in Führungspositionen. Sie hat sich trotzdem getraut. Ihre Überzeugung: „Man muss schon seinen Mann stehen, um sich dort zu behaupten.“ Aran, Münsterstraße 15-17, 886632 Überlingen

Der Natur nahe sein

Liselotte Füllemann ist Winzerin in Berlingen. Als sie den auf klassische Landwirtschaft ausgelegten elterlichen Betrieb übernahm, habe sie gleich auf eine Mischung zwischen Rebbau- und Ackerbau gesetzt. Zuvor hatte sie eine Winzerlehre und die Betriebsleiterschule abgeschlossen. Auf etwa zwei Hektar Rebfläche pflanzt die 37-Jährige heute vor allem Müller-Thurgau, Pinot Noir, Zweigelt und die Sorte Gamay x Reichensteiner an. Die Reben werden zu verschiedenen Weintypen gekeltert, darunter auch süße und Aperitifweine. In ihrem Hofverkauf bietet Liselotte Füllemann zusätzlich selbstgebrannte Obstbrände an. Sie schätzt ihren Beruf. „Man hat eine Menge Einflussmöglichkeiten auf die Qualität des Weines. Wegen der klimatischen Herausforderungen ist man zudem bei der Sortenwahl gefordert und vor allem ist der Wein ein schönes Produkt.“ Dass es nur so wenige Winzerinnen gibt, könne nicht an harten körperlichen Herausforderungen liegen, findet Frau Füllemann: Heutzutage sei man im Weinbau maschinell so gut eingerichtet, dass es wenig anstrengende Arbeit gebe. Ihr Mann ist ebenfalls Winzer, hat aber Weinbautechnik studiert und lehrt an der landwirtschaftlichen Schule in Arenenberg. Liselotte Füllemann managt also Hof und Familie weitgehend alleine. Sie ist zufrieden mit ihrer abwechslungsreichen Tätigkeit: Durch den Weinverkauf ab Hof habe sie wertvollen Kundenkontakt und die Arbeit in der Natur bereite ihr viel Freude. Liselotte Füllemann, Bergstraße 8, CH-8267 Berlingen

Auf gute Mitarbeiter setzen

Bier ist Männersache? Claudia Sieben leitet seit sieben Jahren die Brauerei Zoller-Hof in Sigmaringen. Eine Frau, Mutter zweier Kinder. Die Tochter des Brauereibesitzers hatte ursprünglich nicht die Absicht, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. „Ich studierte Germanistik, Politikwissenschaften und Volkswirtschaft mit dem Abschluss Magister und trug mich mit dem Gedanken, zu promovieren. Doch es kam anderes. Meine erste Stelle war im Personalwesen bei einem großen Münchner Unternehmen, und nach der Geburt meiner Tochter arbeitete ich dort stundenweise weiter und später freiberuflich bei einer Unternehmensberatung.“ Und wie kam es, dass sie dann doch zu hause in Sigmaringen das „Familienerbe“ antrat? Claudia Sieben erzählt: „Die schwierige Gesellschaftersituation und die damit verbundenen Nachfolgeregelung bewog meinen Vater dazu, mit 67 Jahren – obwohl er Hauptanteilseigner des Unternehmens war – über einen Verkauf seiner Anteile nachzudenken. Wir führten zahlreiche intensive Gespräche, wie wir den Fortbestand des Familienunternehmens in der sechsten Generation bewahren könnten. Ich erklärte mich bereit, das unternehmerische Risiko einzugehen, die Führung des Unternehmens zu übernehmen und alle anderen Gesellschafter auszubezahlen. Mein Vater unterstützte mich die ersten Jahre und dank eines erfahrenen Mitarbeiterstammes und neuen kompetenten und engagierten Mitarbeitern ist es gelungen, die Brauerei sicher und gut aufzustellen.“ Ganz pragmatisch also. Natürlich ernte man als weibliche Brauereibesitzerin verwunderte Blicke, sagt die 45-Jährige. Doch „Gott sei Dank“ sei man auch als Frau in diesem Geschäft heutzutage kein „Exote“ mehr. „Viele Unternehmen, auch Brauereien, werden zwischenzeitlich von Frauen geleitet, und ich finde es gut, dass die alte Denke ‚so etwas ist Männersache’ nicht mehr vorherrscht. Job ist Job und entscheidend sind gute Mitarbeiter und innovative Ideen – nicht das Geschlecht.“ Ganz klar. www.zoller-hof.de

Mit Leidenschaft dabei sein

Du und ich, mir gäbet a gude Wurscht!“ sagt Georg Moser, Landwirt aus Leidenschaft und Mann von Regina Moser. Was er damit meint, ist einfach erklärt: Sowohl Georg als auch Regina Moser haben ihren eigenen geschäftlichen Bereich auf dem Moserhof bei Ahausen (zwischen Markdorf und Salem) und damit ergänzen sie sich wunderbar. Regina Moser ist eigentlich gelernte Arzthelferin. Wie sie zum Käse kam, ist eine nette Anekdote: Sie war Begleitperson auf einem Klassenausflug ihres ältesten Sohnes und probierte dort zum ersten Mal Ziegenkäse, der ihr auf Anhieb unglaublich gut schmeckte. Als ein Bekannter sagte: „Warum machst du denn keinen Käse? Ihr habt doch Ziegen!“ entstand bei Regina Moser die Idee, Ziegenfrischkäse herzustellen, die sie dann auch in die Tat umsetzte. Zum Glück, denn heute kann die 43-Jährige auf ihr ganz persönliches kleines Imperium blicken: Ein Schaubauernhof, eine Schaukäserei und ein Hofcafé. Sie hat mit ihrem Ziegenfrischkäse, den sie mittlerweile in allen erdenklichen Variationen produziert, damals eine Marktlücke getroffen, was den Erfolg erklärt. Mittlerweile steht sie schon seit über zehn Jahren im Bauernmarkt und sagt voller Überzeugung: „Ich bin eine Marktfrau mit Leib und Seele, ein Leben ohne geht nicht mehr.“ Ihren Vorteil als GeschäftsFRAU sieht sie klar darin, dass Frauen einfach etwas belastbarer sind und mehrere Dinge gleichzeitig tun können. Regina Moser ist dafür ein exzellentes Beispiel: Sie ist Mutter, Ehefrau, Käsefabrikantin, Leiterin des Überlinger Bauernmarktes, Ortschaftsrätin der Gemeinde Bermatingen, aktives Mitglied bei slowfood Bodensee und bei Soroptimist international (eine Organisation von Frauen für Frauen). Und das Beste an der Sache ist: Regina Moser ist mit sich vollkommen zufrieden! www.hofkaeserei-moser.de

Flexibel sein

Xiaohong Li-Keppeler kennt sich aus in Männerberufen. Schließlich hat sie an der Universität Shanghai mit dem Bachelor für Ingenieurswesen, Fachrichtung Instrumente und Messgeräte, abgeschlossen. In Deutschland wird dieser Abschluss nicht anerkannt, und so hat sich die rührige Chinesin, die seit 1996 mit ihrem deutschen Mann und zwei Kindern in Ravensburg lebt, etwas anderes einfallen lassen. Sie gab Chinesisch-Koch- und Sprachkurse an der VHS und bereitete damit den Boden für einen ganz besonderen Partyservice: Xiaohong Li-Keppeler kocht bei allen möglichen Gelegenheiten, seien es private Gesellschaften oder Betriebsfeiern. Und immer vor Ort. „Ich stelle mich auf die individuellen Wünsche der Kunden ein. Die Basis meines Kochens ist zwar asiatisch, aber ich bereite ebenso europäische Gerichte zu“, erklärt die inzwischen sehr gut deutsch sprechende Chinesin. Sie kauft ein, bringt ihren Gasherd mit und los geht’s. Lediglich einen Tag vorher muss sie über die Anzahl der Gäste in Kenntnis gesetzt werden. „Das können vier sein, aber auch über 100.“ Wenn sie für viele Gäste kocht, bringt sie neben ihrem Gasherd noch eine Aushilfe mit. Von der Ingenieurin zum Partyservice. Eine Flexibilität, die typisch ist für die „neuen Frauen“. li-keppeler@online.de

Locker bleiben und taff sein können

Bei Linda Leonie Prager liegt die Frauenpower sozusagen in den Genen: Ihre Mutter Verena Prager ist Inhaberin der Schaffhauser Sommerlust und des neuen Güterhofs. Obwohl familienbedingt mit der Gastronomie bestens vertraut, machte auch sie einen kleinen beruflichen Umweg, bis sie dort landete, wo sie nun steht: Geschäftsführerin des Güterhofs. Linda Prager wurde zunächst Betriebsökonomin in Facility Management, arbeitete für eine Zürcher Consulting Firma und an Projekten für Kantone, das Schweizer Militär und Baudirektionen. Interessant, aber trocken. „Die Entscheidung kam, als ich merkte, dass ich mich mit dem Produkt mehr identifizieren möchte. Ich wollte in einen lebendigeren Betrieb.“ Gastgeber sein, es den Gästen „schön machen“, Feste organisieren: All das konnte sie vertretungsweise in der „Sommerlust“. Bis zur Entscheidung, die Leitung des Güterhofs nach dessen Fertigstellung zu übernehmen, war es dann nur noch ein kleiner Schritt. Nach Schaffhausen – wo sie bei der Erschließung der „emerging markets“ dabei sein könnte: Dubai, China, Indien usw.? „Für mich ist zum jetzigen Zeitpunkt, mit 28 Jahren, wichtig, ein paar Jahre im operativen Geschäft tätig zu sein. Nur so begreife ich die Abläufe, sehe das junge Start up-Unternehmen Güterhof wachsen und kann jeden Tag dazu lernen. Nach San Diego und Lausanne freue ich mich auf die Provinz, auch wenn ich von Zeit zu Zeit sicherlich in die Welt hinaus muss …“ Ihre Zukunft sieht Linda Prager mit Familie. „Ich bin davon überzeugt, dass mit Planung und einer gewissen Lockerheit Familie und Karriere gehen.“ Sie lacht: „Meine Kinder müssen sicher ab und zu im Restaurant Mittag essen.“ In ihrer Position fühlt sich die junge Frau „grundsätzlich gut“. Die Branche sei zwar immer noch „männergewichtig“, aber das mache ihr nichts aus. „Ich versuche, das Thema relativ locker zu nehmen und möchte dabei Frau bleiben. Das ist mir wichtig. Ich kann gleichzeitig häuslich sein und taff mein Ding durchziehen. Für mich lässt sich das kombinieren.“ www.gueterhof.ch

Patissière – aus Leidenschaft

Eigentlich fällt Alexandra Lang zwischen all den selbständigen „Powerfrauen“ ein wenig aus der Reihe: Sie ist erst 23 Jahre alt und arbeitet derzeit im elterlichen Hotel, der „Residenz“ in Meersburg. Dass wir sie hier trotzdem erwähnen, liegt an ihrem Beruf: Sie ist frischgebackene Patisseurin – oder Patissière – aus Leidenschaft. Ein Beruf, in dem sich die Männer tummeln. Alexandra Langs Berufswunsch reicht bis in ihre Kindheit zurück: Sie backte schon immer liebend gerne Kuchen, und etwas anderes, als Konditorin zu lernen, kam für sie nicht in Frage. Den Patissier hängte sie in viel Eigenarbeit und in hoch gerühmten Küchen (beispielsweise in der Baiersbronner Traube) noch hinten an – als Ausbildungsberuf gibt es ihn bei uns noch nicht. Dennoch sind Patissiers insbesondere in der gehobenen Gastronomie sehr gefragt. Alexandra Lang liebt ihre Arbeit: „Mir geht es trotz der strengen Arbeitszeiten – unter 10 bis 12 Stunden am Tag geht gar nichts – in meinem Beruf super. Ich darf sehr kreativ sein und immer etwas Neues ausprobieren. Ich sehe das Dessert als krönenden Abschluss eines Menüs: Das, was im Kopf des Gastes verbleibt.“ Weitere Pläne? Eventuell den Betriebswirt oder Meister machen. Und irgendwann Familie. www.hotel-residenz-meersburg.com

Text: Claudia Antes-Barisch

Frauenpower-Powerfrauen

Sie wissen, was sie wollen. Manche von ihnen arbeiten rund um die Uhr, schaffen den Balanceakt zwischen Mann, Kindern und Job. Selbständige Frauen in der Gastronomie und in Lebensmittel herstellenden Berufen sind noch immer in der Minderheit, aber hier deswegen von Quotenfrauen zu sprechen, wäre völlig fehl am Platz. Diese Frauen erobern sich das Terrain der Männerberufe ganz subtil – und ganz selbstverständlich. Das sind keine „Emanzen“ im Sinne des immer noch gern bemühten Klischees, sondern pragmatische Idealistinnen, die selbstreflektiert leben und handeln.

+++„Seinen Mann stehen“ +++„Im Leben hat man immer Wahlfreiheit“, sagt Sabine Bornberg. Sie hat gewählt und im Juli in Überlingen eine weitere Filiale der Cafékette Aran eröffnet. Nicht ihr erstes Unternehmen. Neben dem Aran leitet die gelernte Textilkauffrau noch zwei Marco Polo Filialen, ebenfalls als Franchisenehmerin. „Ich bin ein Franchise-Fan“, bekennt Sabine Bornberg gerne. Sie fühle sich durch die Franchise-Zentralen immer sehr gut betreut: Sie sind ihr, auch anhand von Seminaren und Lehrgängen, dabei behilflich, ihre berufliche Unabhängigkeit mit gutem Gewissen und mit dem nötigen fachlichen Background auszuleben. Ihren neuen Franchisegeber Jürgen Baur kennt die Unternehmerin ohnehin schon lange: Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich zu dem Schritt in die Gastronomie entschloss. Viele hätten sich gefragt: „Was will die aus der Textilbranche im Gastrobereich?“ Sabine Bornberg hat sich das gut überlegt. Immerhin handele es sich dabei um eine Entscheidung für die nächsten 10 bis 15 Jahre, in denen sie „mit Fleiß und Herzblut“ bei der Sache sein will. Ohne das, ist sie überzeugt, gehe es nämlich nicht und auch nicht ohne eine gute Partnerschaft. „Ich habe einen sehr netten Mann, der mich immer und bei allem unterstützt.“ In einer Männerdomäne wie der Gastronomie gibt es wenige Frauen in Führungspositionen. Sie hat sich trotzdem getraut. Ihre Überzeugung: „Man muss schon seinen Mann stehen, um sich dort zu behaupten.“ Aran, Münsterstraße 15-17, 886632 Überlingen

Auf gute Mitarbeiter setzen

Bier ist Männersache? Claudia Sieben leitet seit sieben Jahren die Brauerei Zoller-Hof in Sigmaringen. Eine Frau, Mutter zweier Kinder. Die Tochter des Brauereibesitzers hatte ursprünglich nicht die Absicht, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. „Ich studierte Germanistik, Politikwissenschaften und Volkswirtschaft mit dem Abschluss Magister und trug mich mit dem Gedanken, zu promovieren. Doch es kam anderes. Meine erste Stelle war im Personalwesen bei einem großen Münchner Unternehmen, und nach der Geburt meiner Tochter arbeitete ich dort stundenweise weiter und später freiberuflich bei einer Unternehmensberatung.“ Und wie kam es, dass sie dann doch zu hause in Sigmaringen das „Familienerbe“ antrat? Claudia Sieben erzählt: „Die schwierige Gesellschaftersituation und die damit verbundenen Nachfolgeregelung bewog meinen Vater dazu, mit 67 Jahren – obwohl er Hauptanteilseigner des Unternehmens war – über einen Verkauf seiner Anteile nachzudenken. Wir führten zahlreiche intensive Gespräche, wie wir den Fortbestand des Familienunternehmens in der sechsten Generation bewahren könnten. Ich erklärte mich bereit, das unternehmerische Risiko einzugehen, die Führung des Unternehmens zu übernehmen und alle anderen Gesellschafter auszubezahlen. Mein Vater unterstützte mich die ersten Jahre und dank eines erfahrenen Mitarbeiterstammes und neuen kompetenten und engagierten Mitarbeitern ist es gelungen, die Brauerei sicher und gut aufzustellen.“ Ganz pragmatisch also. Natürlich ernte man als weibliche Brauereibesitzerin verwunderte Blicke, sagt die 45-Jährige. Doch „Gott sei Dank“ sei man auch als Frau in diesem Geschäft heutzutage kein „Exote“ mehr. „Viele Unternehmen, auch Brauereien, werden zwischenzeitlich von Frauen geleitet, und ich finde es gut, dass die alte Denke ‚so etwas ist Männersache’ nicht mehr vorherrscht. Job ist Job und entscheidend sind gute Mitarbeiter und innovative Ideen – nicht das Geschlecht.“ Ganz klar. www.zoller-hof.de

Mit Leidenschaft dabei sein

„Du und ich, mir gäbet a gude Wurscht!“ sagt Georg Moser, Landwirt aus Leidenschaft und Mann von Regina Moser. Was er damit meint, ist einfach erklärt: Sowohl Georg als auch Regina Moser haben ihren eigenen geschäftlichen Bereich auf dem Moserhof bei Ahausen (zwischen Markdorf und Salem) und damit ergänzen sie sich wunderbar. Regina Moser ist eigentlich gelernte Arzthelferin. Wie sie zum Käse kam, ist eine nette Anekdote: Sie war Begleitperson auf einem Klassenausflug ihres ältesten Sohnes und probierte dort zum ersten Mal Ziegenkäse, der ihr auf Anhieb unglaublich gut schmeckte. Als ein Bekannter sagte: „Warum machst du denn keinen Käse? Ihr habt doch Ziegen!“ entstand bei Regina Moser die Idee, Ziegenfrischkäse herzustellen, die sie dann auch in die Tat umsetzte. Zum Glück, denn heute kann die 43-Jährige auf ihr ganz persönliches kleines Imperium blicken: Ein Schaubauernhof, eine Schaukäserei und ein Hofcafé. Sie hat mit ihrem Ziegenfrischkäse, den sie mittlerweile in allen erdenklichen Variationen produziert, damals eine Marktlücke getroffen, was den Erfolg erklärt. Mittlerweile steht sie schon seit über zehn Jahren im Bauernmarkt und sagt voller Überzeugung: „Ich bin eine Marktfrau mit Leib und Seele, ein Leben ohne geht nicht mehr.“ Ihren Vorteil als GeschäftsFRAU sieht sie klar darin, dass Frauen einfach etwas belastbarer sind und mehrere Dinge gleichzeitig tun können. Regina Moser ist dafür ein exzellentes Beispiel: Sie ist Mutter, Ehefrau, Käsefabrikantin, Leiterin des Überlinger Bauernmarktes, Ortschaftsrätin der Gemeinde Bermatingen, aktives Mitglied bei slowfood Bodensee und bei Soroptimist international (eine Organisation von Frauen für Frauen). Und das Beste an der Sache ist: Regina Moser ist mit sich vollkommen zufrieden! www.hofkaeserei-moser.de

Flexibel sein

Xiaohong Li-Keppeler kennt sich aus in Männerberufen. Schließlich hat sie an der Universität Shanghai mit dem Bachelor für Ingenieurswesen, Fachrichtung Instrumente und Messgeräte, abgeschlossen. In Deutschland wird dieser Abschluss nicht anerkannt, und so hat sich die rührige Chinesin, die seit 1996 mit ihrem deutschen Mann und zwei Kindern in Ravensburg lebt, etwas anderes einfallen lassen. Sie gab Chinesisch-Koch- und Sprachkurse an der VHS und bereitete damit den Boden für einen ganz besonderen Partyservice: Xiaohong Li-Keppeler kocht bei allen möglichen Gelegenheiten, seien es private Gesellschaften oder Betriebsfeiern. Und immer vor Ort. „Ich stelle mich auf die individuellen Wünsche der Kunden ein. Die Basis meines Kochens ist zwar asiatisch, aber ich bereite ebenso europäische Gerichte zu“, erklärt die inzwischen sehr gut deutsch sprechende Chinesin. Sie kauft ein, bringt ihren Gasherd mit und los geht’s. Lediglich einen Tag vorher muss sie über die Anzahl der Gäste in Kenntnis gesetzt werden. „Das können vier sein, aber auch über 100.“ Wenn sie für viele Gäste kocht, bringt sie neben ihrem Gasherd noch eine Aushilfe mit. Von der Ingenieurin zum Partyservice. Eine Flexibilität, die typisch ist für die „neuen Frauen“. li-keppeler@online.de

Kreativ sein können

Eigentlich fällt Alexandra Lang zwischen all den selbständigen „Powerfrauen“ ein wenig aus der Reihe: Sie ist erst 23 Jahre alt und arbeitet derzeit im elterlichen Hotel, der „Residenz“ in Meersburg. Dass wir sie hier trotzdem erwähnen, liegt an ihrem Beruf: Sie ist frischgebackene Patisseurin – oder Patissière – aus Leidenschaft. Ein Beruf, in dem sich die Männer tummeln. Alexandra Langs Berufswunsch reicht bis in ihre Kindheit zurück: Sie backte schon immer liebend gerne Kuchen, und etwas anderes, als Konditorin zu lernen, kam für sie nicht in Frage. Den Patissier hängte sie in viel Eigenarbeit und in hoch gerühmten Küchen (beispielsweise in der Baiersbronner Traube) noch hinten an – als Ausbildungsberuf gibt es ihn bei uns noch nicht. Dennoch sind Patissiers insbesondere in der gehobenen Gastronomie sehr gefragt. Alexandra Lang liebt ihre Arbeit: „Mir geht es trotz der strengen Arbeitszeiten – unter 10 bis 12 Stunden am Tag geht gar nichts – in meinem Beruf super. Ich darf sehr kreativ sein und immer etwas Neues ausprobieren. Ich sehe das Dessert als krönenden Abschluss eines Menüs: Das, was im Kopf des Gastes verbleibt.“ Weitere Pläne? Eventuell den Betriebswirt oder Meister machen. Und irgendwann Familie. www.hotel-residenz-meersburg.com

Spaß machen muss es

Hilde Weiß ist so etwas wie der Urbegriff der Powerfrau, die man sich ja gerne mit aufgekrempelten Ärmeln und anpackend vorstellt. Sie ist die Seele des Oberamerhofs in Bad Saulgau-Bondorf und gleichzeitig dessen Schöpferin. Vor zwölf Jahren nämlich hat die vom Bodensee stammende Hauswirtschaftsmeisterin angefangen, den alten Hof der verstorbenen Tante, „auf dem nie etwas verändert wurde“, in ein wunderhübsches Anwesen zu verwandeln, auf dem sich Feriengäste wie Einheimische gleichermaßen wohl fühlen. Am Anfang, so Hilde Weiß, habe die Idee gestanden, Ferienwohnungen in dem alten Ständerbau einzurichten. Ihr Mann, der nebenan die Landwirtschaft hat, hielt sich heraus aus den Plänen seiner Frau. Mit dem Bau der Ferienwohnungen war notwendiger Weise die Einrichtung eines Frühstücksraumes verbunden. Nicht lange, und eine Vesperstube mit einer kleinen Küche kamen dazu. „Ich hab mich sehr ins Zeug gelegt damals, weil ich dachte: Das muss werden!“, erinnert sich Hilde Weiß. Bald waren im Oberamerhof aber auch warme Gerichte gefragt. Die Folge: Eine größere Küche. Im Lauf der Zeit gesellten sich zu den Ferienwohnungen dann noch Doppelzimmer. Und heute, sagt Hilde Weiß lachend, bietet sie Ayurveda an und Naturkosmetik. „Ich habe das alles für mich gemacht und es macht mir großen Spaß. Ob die Kinder den Oberamerhof übernehmen – wer weiß es.“ Allerdings könne sie nicht verstehen, warum man sie immer für eine Powerfrau halte, sagt die 61jährige…. www.oberamerhof.de

Mit einem Lächeln kommt man immer weiter

Claudia Gebhardt kann man getrost als „Selfmadefrau“ bezeichnen. Die Inhaberin der „Ente“ in Biberach hat in relativ kurzer Zeit viel erreicht. Und dabei ganz vorne angefangen: Mit einer Lehre im Hotelfach. „Ich dachte damals, das ist ein krisenfester Beruf. Natürlich hat mich auch gereizt, dass er so facettenreich ist.“ In Garmisch lernte sie das Metier, danach ging’s – unter anderem auf dem Schiff – für einige Jahre in die große Welt. Auslandserfahrung sammeln, perfekt englisch lernen. Als die Überlegung anstand, ins Management zu gehen oder die Selbständigkeit zu wählen, wurde in Claudia Gebhardt’s Heimatort Biberach ein Haus frei: Die „Ente“. Sie übernahm, war zehn Jahre lang Pächterin. Inzwischen gehört das Haus ihr und sie hat es ganz nach ihren Vorstellungen gestaltet. „Es ist sehr viel Arbeit, aber dennoch schön, weil man auch sehr flexibel ist. Beispielsweise kann man sich den Luxus erlauben, sich auch mal frei zu nehmen, wenn es gut läuft.“ Es lief immer gut – der Erfolg blieb stets an ihrer Seite. Die Gründe dafür nennt Claudia Gebhardt: „Wichtig sind ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und Qualität. Wichtig ist auch, Ideen zu haben und immer auf sich aufmerksam zu machen.“ Die 41jährige Mutter eines Sohnes ist heute bereits dort, wo viele gerne hin möchten. Als Unternehmerin, meint sie, müsse man immer Ziele haben und in der Lage sein, sich selbst zu motivieren. Und: „Mit einem Lächeln kommt man immer weiter.“ www.zur-goldenen-ente.de

Text: Claudia Antes-Barisch

Chinesische Nudeln mit Fischragout

Chinesische Nudeln mit Fischragout

(D-Bodensee-Oberschwaben) Chinesische Nudeln mit Fischragout – klingt nicht nur lecker, sondern ist es auch! Ein echtes Herbst und Winter Gericht, das man sich auch zuhause ganz einfach zubereiten kann. Wie? Das verrät uns Xiaohong Li-Keppeler – eine Meisterin der asiatischen Küche. Sie weiß: Mit edlem Seeteufelfilet kombiniert, können sich Nudeln auch in Gourmetkreisen durchaus sehen lassen. Köstlich!

Zutaten: (für 6 Personen) Ca. 600 g chinesische Nudeln, 1,5 kg Fischfilet (z.B. Pangasiusfilet, Seeteufelfilet), 6 Stück Shitake-Pilze (getrocknet), 3 Zwiebel, 2 Knoblauchzehen und 5g Ingwer (fein gehackt), 4 EL Öl, 1 TL Salz, weißer Pfeffer, 2 EL „Shao Xing“ Reiswein, 2 EL Currypaste, Fischsauce, 1 TL brauner Zucker, 1l Fischfond (aus dem Glas), zum servieren: frischer Koriander, 2 rote Chilischote (in feine Ringe schneiden)

Wissenswert:

Currypasten gibt es in mehreren Varianten. Am schärfsten ist die rote Currypaste, deren Hauptbestandteil rote Chilischoten sind. In der grünen sind außer Chilis noch Kräuter, die gelbe enthält Kurkuma.

So wird’s gemacht:

Zunächst das Fischfilet in mundgerechte Stücke schneiden und mit Salz, weißem Pfeffer und Reiswein marinieren. Die Shitake – Pilze in heißem Wasser einweichen. Danach die chinesischen Nudeln in kochendem Wasser nach Packungsanweisung garen, in ein Sieb abgießen und abtropfen lassen. Knoblauch und Ingwer schälen und fein hacken. Die Chilischote vorsichtig in feine Ringe schneiden. Anschließend die Zwiebel schälen und länglich schneiden. Die Shitake – Pilze waschen und abtropfen lassen, die Stiele entfernen und in Scheiben schneiden. 2 EL Öl im Wok mit voller Leistung erhitzen, die Fischfiletstücke darin kurz andünsten und wieder aus dem Wok nehmen. Das restliche Öl erhitzen und die Zwiebel, Knoblauch und Ingwer darin andünsten. Nun die Currypaste in etwas Fischfond auflösen und zusammen mit dem restlichen Fischfond aufkochen lassen. Die Nudeln und Pilze hinein geben und etwa 2 bis 3 Minuten kochen lassen. Die Hitze reduzieren, mit dem Fisch, Fischsauce und braunem Zucker aufkochen und abschmecken. Zu guter Letzt die Nudelsuppe auf vorgewärmte Schalen verteilen und mit Chiliringe und Korianderblättchen bestreut servieren. Guten Appetit!

Weitere Infos:

Sie trauen sich die Zubereitung des Gerichts selbst nicht zu, möchten eine größere Gesellschaft kulinarisch verwöhnen oder noch mehr über asiatische Kochkunst lernen? Kein Problem: Xiaohong Li-Keppeler bietet sowohl einen asiatischen Partyservice als auch Kochkurse an!

Xiaohong Li-Keppeler, Zabergäu 13, 88214 Ravensburg
Tel.: +49 (0751) 652 79 88, Fax: +49 (0751) 652 732 54