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Story/Thema Juli 2008
Heiß wie die Hölle – schwarz wie der Teufel – süß wie die Liebe
So sollte es sein, das Lieblingsgetränk der Deutschen, Schweizer und Österreicher – der Kaffee. Wie kaum ein anderes Konsumprodukt bestimmt der Kaffee den kulturellen Alltag der Bodensee-Anrainerstaaten.
Mit durchschnittlich etwa 1000 Tassen pro Kopf und Jahr, überflügelt unser Kaffeekonsum (d.h. der deutsche) noch den der Italiener (811 Tassen) und den der US-Amerikaner (642 Tassen). Im Jahr 2007 haben wir durchschnittlich 146 Liter Kaffee, jedoch nur 130 Liter Mineralwasser und sogar „nur“ 116 Liter Bier konsumiert. Somit ist Kaffee weiterhin das meist konsumierte Getränk am See. Dabei mauserten sich die Trendprodukte Espresso und Caffè Crema mit einem Zuwachs von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Jahr 2007 betrugen die Importe aus Italien 16.000 Tonnen, während 20.000 Tonnen Espresso und Caffè Crema aus deutscher Produktion konsumiert wurden. Damit wurde erstmals mehr Espresso und Caffè Crema aus deutscher Röstung konsumiert als aus Italien importiert. Damit verbunden wird der Kaffeekonsum zunehmend zur Mode. Der „Lifestyle im Kaffeemarkt boomt. Die Segmente Espresso und Einzelportionen wachsen weiter rasant", so Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes in Hamburg.Besonders der Markt für Kapseln und Pads ist gewachsen. „Die Deutschen haben im vergangenen Jahr noch stärker auf Convenience gesetzt. Pad- und Kapselsysteme konnten im letzten Jahr ein phantastisches Wachstum von 50 Prozent auf 21.000 Tonnen verzeichnen", sagt Preibisch. Grund dafür seien unter anderem die steigende Anzahl an Single-Haushalten und eine immer schnelllebiger werdende Gesellschaft, die zunehmend Kaffee auf Knopfdruck nachfragt. Für alle, die jedoch glauben, jeder deutsche Haushalt sei mittlerweile mit einer vollautomatischen Espressomaschine ausgerüstet, hier die Realität: Auch 100 Jahre nach Erfindung des Melittafilters bleibt Filterkaffee mit einen Marktanteil von rund 80 Prozent (!) der Klassiker in deutschen Haushalten. Während die Schweizer Kaffeetrinker schon seit Jahrzehenten leckeren Schümlikaffee aus druckstarken Kaffeemaschinen italienischer Bauart genießen, gurgelt in acht von zehn deutschen Haushalten also noch eine Aufgusskaffeemaschine oder wird der gute alte Melitta-Keramikfilter „begossen“. Auch löslicher Kaffee ist in Deutschland weiterhin sehr beliebt. Vom puren löslichen Kaffee wurde rund ein Prozent mehr abgesetzt als im Vorjahr. Im ganzen wurden für den deutschen Markt 512.020 Tonnen Rohkaffee zu 394.000 Tonnen Röstkaffee und zu 16.600 Tonnen löslichem Kaffee verarbeitet.
Der Kaffee – nach Rohöl der bedeutendste Welthandelsrohstoff
Trotz deutlich höherer Rohkaffeepreise und gestiegener allgemeiner Kosten, wie zum Beispiel für Energie und Personal, blieb der Durchschnittspreis für 500 Gramm Röstkaffee im Jahr 2007 nahezu unverändert und lag im Mittel bei 3,76 Euro. Insgesamt bewegte sich der Umsatz der deutschen Kaffeebranche trotz eines leichten Anstiegs im Konsum auf Vorjahresniveau bei 4,25 Milliarden Euro. Diesen Massenkonsum organisieren sechs Großröster, die über 80 Prozent des konventionellen Marktes beherrschen. Weil sie ihren Kunden einen gleichbleibenden Geschmack bieten möchten, mischen sie bis zu acht verschiedene Sorten zusammen. Nicht zuletzt deshalb bleiben Herkunftsländer und Produzenten für die meisten Endabnehmer anonym. Den Kaffee-Multis dürfte das recht sein, denn der Handel mit der klassischen Kolonialware ist immer noch von feudalen Besitzverhältnissen, Ausbeutung und Kinderarbeit in den Erzeugerländern sowie Überproduktion und Preisverfall auf dem Weltmarkt geprägt. Ganz zu schweigen von den Umweltschäden, die riesige Monokulturen und chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel anrichten.
Der Kaffee – fair gehandelt und in Bio-Qualität eine Wohltat für alle
Im Gegensatz hierzu hat sich die Naturkost-Branche von Anfang an nicht nur für die kontrolliert ökologische Qualität des importierten Kaffees interessiert, sondern auch für die Arbeits- und Lebensbedingungen der Erzeuger. Der Fair-Trade-Gedanke spielt für viele Abnehmer mittlerweile eine wichtige Rolle, für die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt (gepa) ist er oberstes Gebot. Rund 100 Millionen Menschen in Lateinamerika, Afrika und Asien leben nach Angaben der gepa direkt oder indirekt vom Kaffeeanbau. Die Kleinbauern, mit denen die gepa zusammenarbeitet, erhalten gerechte Abnahmepreise weit über Weltmarktniveau. Die mächtigen Zwischenhändler, die man in Mexiko „coyotes" nennt, werden umgangen. Neben konstant gerechter Bezahlung erhalten die Bauern bei Bedarf Finanzhilfen zum Auf- und Umbau ihrer Anbauflächen. Der Faire Handel garantiert, dass die Produzentengruppen pro englischem Pfund "Washed Arabica" (453,6 g) mindestens 1,25 US-Dollar erhalten. Steigt der Weltmarktpreis über 1,25 US-Dollar pro englischem Pfund, erhalten die Kleinbauerngruppen den Weltmarktpreis plus der Fairtrade-Prämie von 10 US-Cent. Diese ist zweckgebunden für soziale Investitionen und fördert somit den nachhaltigen Aufbau regionaler Infrastruktur. Die Kleinbauern entscheiden selbstständig und demokratisch, welche Gemeinschaftsprojekte sie mit der Prämie verwirklichen wollen. Die Kombination beider Elemente ermöglicht eine nachhaltige Entwicklung von Mensch und Umwelt in der südlichen Hemisphäre. Gemeinschaftliche Produktionsmittel, Schulen und Krankenhäuser fördern den allgemeinen Wohlstand und tragen letztlich auch zur qualitativen Verbesserung der Ernten bei. Dabei kommt auch dem ökologischen Anbau wachsende Bedeutung zu. Inzwischen stammt mehr als die Hälfte des Fairtrade-Kaffees aus biologischer Landwirtschaft. Während konventionelle Großproduzenten seit Jahren an der Züchtung ertragreicherer Kaffee-Sorten arbeiten, ist dies im Bio-Anbau strikt untersagt.
Der Kaffee – Spielball der globalen Saatgut-Mafia??
Gegenwärtig liegt der durchschnittliche Hektar-Ertrag bei 500 kg Rohbohnen, auf Versuchsflächen der Gen-Industrie sind schon bis zu 10.000 kg erzielt worden. Auch an der Schädlingsresistenz wird gebastelt, vor allem mit gentechnischen Verfahren. Um den aufwändigen Entkoffeinierungsvorgang einzusparen, stellen sich manche Forscher für die Zukunft auch eine Kaffeebohne ganz ohne Koffein vor. Die Realisierung solcher Pläne scheint nur eine Frage der Zeit. Bio-Kaffee aus gentechnisch veränderten Bohnen wird es aber auch in Zukunft nicht geben, denn der Einsatz von Gentechnik ist in der Bio-Branche verboten. Nicht zuletzt durch die kritischere Haltung der Konsumenten boomt der Bio-Kaffee-Markt enorm. Der Anreiz sich der Bio-Philosophie zuzuwenden wächst für Produzenten und Händler, was wiederum den Markt belebt. Die Bio-Kaffee-Vielfalt ist mittlerweile beachtlich: Mexikanischer Café Organico, Hochland-Arabica aus Nicaragua, Pidecafé aus Peru oder Aymara, eine ausgewogene Mischung verschiedener Anbauverbände Mittel- und Südamarikas. Während früher in den Weltläden zumeist nur eine Sorte Röstkaffee im Angebot war, gibt es heute eine breite Palette von Bio-Kaffees quer durch alle Sorten und Qualitäten. Maßgeblich verantwortlich dafür ist der großflächige Einstieg von Röstereien und Handelsketten in den Bio-Markt. Aber auch die Preisentwicklung auf dem Weltmarkt trägt dazu bei.Während konventionell gehandelte Kaffees in den letzten fünf Jahren eine enorme Preissteigerung erfahren haben, hat sich die Entwicklung beim fair gehandelten Bio-Kaffee nicht derart krass ausgewirkt, da dieser schon zu Tiefpreiszeiten angemessen „hochpreisig“ gehandelt wurde.
Der Kaffee – Politikum am See
Nun fragt man sich als Konstanzer, Friedrichshafener oder Lindauer, warum der Kaffee in der sonst eher teuren Schweiz billiger als in Deutschland gehandelt wird. Die Antwort ist so simpel wie beim Benzin. Der deutsche Staat mit seinem gewaltigen Finanzbedarf schlägt wieder einmal zu. Neben dem generell höheren Mehrwertsteuersatz (CH: 2,4 % D: 7 %) erhebt Deutschland, als einer der letzten europäischen Staaten, eine zusätzliche Kaffeesteuer. Die Kaffeesteuer beträgt für Röstkaffee 2,19 Euro je Kilogramm und für löslichen Kaffee 4,78 Euro je Kilogramm. Mischungen von Röstkaffee und löslichem Kaffee unterliegen einem Steuersatz entsprechend den in ihnen enthaltenen Kaffeearten. Diese Kaffeesteuer ist, ähnlich der Sektsteuer, ein Relikt aus längst vergangener Zeit. Sie entstand 1780 in Preußen, und irgendjemand muss wohl vergessen haben, sie wieder abzuschaffen. Möglicherweise sind auch die leckeren 1,06 Mrd. Euro jährlichen Steuereinnahmen (2007) ein zu appetitliches Häppchen für den Bund, das er sich nicht entgehen lassen möchte. Und so werden viele deutsche Tanktouristen bis auf weiteres auch ihre Kaffeedose in der Schweiz „auftanken“. Genuss kennt eben keine Grenzen.
Text: Peter Arweiler
Iberico Schweinekotelette mit Creme-fraiche Kartoffeln und Port
(D-Ravensburg) Ein echtes Sommerschmankerl präsentiert im Juli der Lumperhof. Das etwas außerhalb von Ravensburg, Richtung Schlier, gelegene Gasthaus ist bekannt für seine frische, saisonale Küche mit gelegentlichen Ausflügen nach Italien und Asien. akzent-Lesern verrät Küchenchef Jochen Fischer jetzt exclusiv sein Rezept für Iberico Schweinekotelette mit Creme-fraiche Kartoffeln und Portweinfeigen. Das klingt nicht nur gut, sondern schmeckt auch herrlich! Eine Idee für ihre nächste Einladung, ein gemütliches Familienessen, oder um ihren Liebsten mal wieder mit etwas ganz Besonderem zu überraschen. Also nichts wie ran an den Braten!
Zutaten: Ca.1 Kilo Iberico Schweinekotelette, 1 Kilo Kartoffeln, 200 Gramm Creme fraiche, 4-6 Feigen, 100 ml Portwein, 2 Eßlöffel Zucker, evtl.1/4 l Jus
So wird’s gemacht:
Kotelette entweder am Stück oder geschnitten zubereiten. Das Fett tief über Kreuz einschneiden mit (Dijon) Senf, Rosmarin, Flor de Sal (spanisches Meersalz) und Pfeffer aus der Mühle gut einreiben. Anschließend das Kotelette gut 30 Minuten im Ofen bei 200 Grad braten und etwa weitere 10 Minuten bei rund 60 Grad ruhen lassen. Einzel gebratene Koteletts in der Pfanne auf beiden Seiten etwa 4 Minuten rosa braten. Die Kartoffeln mit der Schale kochen, danach pellen und zerdrücken. Mit Salz und Pfeffer würzen und mit gut 2/3 der Creme fraiche grob mischen. Anschließend die Feigen in Spalten schneiden, mit dem Zucker leicht glasig dünsten und mit Portwein ablöschen. Dann die übrige Creme fraiche vorsichtig beimengen. Von den Schweinekoteletts die einzelnen Rippen portionieren bzw. aus Pfanne nehmen. Die Creme fraiche Kartoffeln mittig auf dem Teller anrichten. Das Fleisch auf die Kartoffen legen, mit etwas Jus angiessen und mit Portweinfeigen garnieren. Lassen Sie es sich schmecken!
Aufgepasst: Für ambitionierte Hobbyköche bietet die Familie Decker-Fischer auch Kochkurse an.
Weitere Infos:
Gasthaus Lumperhof
Fam. Decker-Fischer
Lumper 1
88212 Ravensburg
Tel. +49 (0751) 352 50 01
www.lumperhof.de
Text: Sandra Weinmann


