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Story/Thema Mai 2007
Mit dem Velo von Beiz zu Beiz
Raus auf’s Rad! Was gibt es im Frühling schöneres, als sich radelnd die laue Luft um die Nase wehen zu lassen und durch lichte Wälder, vorbei an verschwenderisch blühenden Obstbäumen, frisch-grünen Wiesen und glitzernden Seen und Bächen die herrliche Landschaft zu erkunden? Rund um den Bodensee und im Hinterland warten unzählige lohnende Routen auf begeisterungsfähige Radler. Um Sie auf den Geschmack zu bringen, haben wir besonders schöne Touren für Sie ausgesucht. An einem sonnigen Sonn- oder Feiertag muss man ja nicht unbedingt den Bodensee-Radwanderweg abradeln. Und weil die sportliche Betätigung an frischer Luft bekanntlich den Appetit fördert, gibt es gleich noch ein paar Gastro-Tipps dazu. Auf ein fröhliches Radeln und Einkehren!
Schiener Berg und Untersee
Sehr beliebt bei radfahrenden Genießern – der Landschaft und der Gastronomie wegen – ist die Gegend um Untersee und Schiener Berg. Eine schöne und recht wenig bekannte Tour führt von Radolfzell über den Schiener Berg nach Stein am Rhein (23 km). Keine Angst: Der Schiener Berg ist eigentlich kein Berg, sondern ein eher flaches Plateau, das die Ebene der Aach zwischen Radolfzell und Singen von Untersee und Rhein trennt. An seiner Ostseite liegt die Halbinsel Höri, deren Charme schon viele Künstler verfallen sind. Start der Tour ist also in Radolfzell. Auf dem – zunächst noch die Straße begleitenden Radweg – geht es nach Moos. Von dort ins Landesinnere, nach Bohlingen, wo der kurze, aber heftige 250-Meter-Anstieg auf den Schiener Berg beginnt – angenehm im Schatten. Auf der Höhe dann fast eben nach Maria Thann. Am „Waldheim“ vorbei, wartet droben als Belohung eine feine Abfahrt ins tief eingeschnittene Lunkenbachtal, zur Schweizer Landesgrenze. Vom Wanderparkplatz Chalchofen verläuft ein kleines Tälchen wieder etwas bergauf und schließlich zur Burg Hohenklingen hoch über Stein am Rhein. Von hier aus hat man eine phantastische Aussicht auf das darunter liegende Städtchen, den Rhein und – bei guter Wetterlage – die Alpen. In rasanter Abfahrt führt der Weg dann durch Rebberge („Blauburgunderland“) hinunter ins historische Stein am Rhein. Besuchenswert sind hier der Rathausplatz mit seinen bemalten Häusern und etliche empfehlenswerte Lokale mit Gartenwirtschaft. Zurück gelangt man entweder per Fahrrad auf dem Bodensee-Rundweg über die Höri oder – noch angenehmer – per Schiff via Radolfzell – Reichenau.
Adressen
Schiff, Hafenstraße 1, D-78345 Moos, Tel. +49 07732 99080, www.schiff-moos.de; gutbürgerliche Küche, Terrasse am See
Grüner Baum, Radolfzellerstraße 4, D-78345 Moos, www.gruenerbaum-moos.de, Tel. +49 07732 54077; feine Fischgerichte und -menüs
zapa Hotel Restaurant, Bohlinger Dorfstraße 48, D-78224 Singen-Bohlingen, Tel. +49 07731 79 61 61, www.restaurant-zapa.de; regionale Produkte, kreative Küche, schöne Terrasse
In Stein am Rhein lockt eine ganze Anzahl Restaurants für jeden Geschmack. Etwa das Rheinfels in einem historischen Gebäude direkt an der Rheinbrücke, mit großer Freiterrasse, oder der Adler und die Sonne am Rathausplatz. Wem es nach Pasta gelüstet, der ist in der Spaghetteria Wasserfels, ebenfalls mit Rheinterrasse, gut aufgehoben.
Seerücken-Route (einfach 74 km)
Auch auf der Schweizer Seite gibt es einige schöne Alternativen zum oft überlaufenen Seeradweg. Eine davon führt über den Seerücken. Um sie richtig genießen zu können, sollte man einen kompletten Tag dafür einplanen. Die 74 Kilometer lange Route durchmisst fast den ganzen Kanton Thurgau und ist als kantonaler Radwanderweg durchgehend beschildert. Beginnend am Obersee führt sie über den gesamten Seerücken, über die Anhöhen des Seebachtals und wieder hinunter an den Rhein. Das schöne an dieser Tour ist: Fast durchweg können verkehrsarme Nebenstraßen genutzt werden. Große Strecken verlaufen durch ausgedehnte Wälder, andere bieten eine herrliche Aussicht über die umliegenden Täler und die Berge.
Bereits beim Start in Arbon verlässt man das Seeufer und gelangt durch Obstbaumplantagen der Gemeinde Egnach in den Romanshorner Neuwald mit der idyllisch gelegenen Waldschenke. Dann geht’s durch den Güttinger Wald nach Langrickenbach, und am Emmerzer Weiher vorbei gelangt man nach Siegershausen. Für einen Zwischenstop eignen sich die Bommer Weiher. Sie wurden im Mittelalter von einem der Konstanzer Klöster als Fischweiher angelegt und sind heute ein wichtiges Naturschutzgebiet. Bei der Autobahnbrücke nach Schwaderloh zeigt der Findlingsgarten mit seinen großen Gesteinsbrocken, wie weit diese von den eiszeitlichen Gletschern transportiert wurden.
Nach der Durchquerung des Tägerwiler Waldes kommt man nach Wäldi, einem der höchsten Punkte der Radtour. Im bald anschließenden Homburg sollte man sich von der klassizistischen Kirche aus den herrlichen Blick über das Thurtal auf zu den Alpen nicht entgehen lassen. Gündelhart ist dem See wieder ganz nah. Hier gibt es für den kulturbeflissenen Radler das 1570 erbaute Schloss und eine Zwiebelturm-Kirche aus dem Jahre 1683 zu besichtigen. Über Herdern gelangt man ins Seebachtal (Hüttwiler und Nussbaumer See), an dessen Nordhang entlang man nach Stammheim mit seinen schönen Riegelbauten fährt. Dann bleibt’s flach: Durch die Ebene des Geisslibachs wird das Ziel der Route, Diessenhofen, erreicht. Auch hier lohnt die malerische Innenstadt einen kleinen Abstecher, bevor man sich mit dem Zug auf die Rückreise macht.
Entlang der Route gibt es natürlich vielfältige Möglichkeiten zur Einkehr und dem vom Radeln strapazierten Leib Gutes zu tun. Das beginnt in Arbon am See mit feinen (Gourmet-)Restaurants, deren Besuch sich eher bei der Rückkehr anbietet: Mit vollem Magen loszufahren, ist bekanntlich nicht sehr ratsam. Wer es lieber anders hält und zwischendurch eine ausgiebige Mahlzeit einlegen möchte, wird mit Sicherheit fündig. Ob ländliches Restaurant oder Besenbeiz: Der Seerücken hat neben seiner prächtigen Landschaft auch kulinarisch einiges zu bieten.
Adressen
Hotel Metropol, Bahnhofstrasse 49, CH-9320 Arbon, Tel. +41 071 447 82 82, www.metropol-arbon.ch; Terrasse mit herrlichem Seeblick, Gourmetküche
Hotel Seegarten, Seestrasse 66, CH-9320 Arbon, Tel. +41 071 447 57 57, www.hotelseegarten.ch; Landgasthof mit schöner Aussicht und Gartenwirtschaft
Gasthof Landhaus, Amriswilerstrasse 1, CH-8580 Dozwil, Tel. +41 071 411 12 64, www.landhaus-dozwil.ch; rustikale Küche, Gartenwirtschaft
Restaurant Alpenblick, Gunterswilen, CH-8564 Wäldi, Tel. +41 052 763 19 52; Schöne „Buurewirtschaft“ mit gemütlicher Alpenblickterrasse, Selbstgerauchtes, selbstgebackenes Brot, eigener Apfelsaft
Besenbeiz Seehalde, CH-8536 Hüttwilen, Tel. +41 052 747 12 12, www.besenbeiz-seehalde.ch; Wein vom eigenen Rebberg, Most vom Fass, Vesperplättli
Restaurant Schupfen, Steinerstrasse, CH-8253 Diessenhofen, Tel. +41 052 657 10 42, an der Straße nach Stein; feine Fischküche, bezaubernder Gastgarten am Rhein
Seminarhotel Unterhof, Schaffhauserstrasse 8, CH-8253 Diessenhofen, Tel. +41 052 646 38 11, www.unterhof.ch; historisches Anwesen, imposante Lage am Rhein, regionale und internationale Küche
Eine Bäder-Tour (43 Kilometer)
Wer im Oberschwäbischen mit dem Fahrrad unterwegs ist, kommt um Barock nicht herum. Um Bäder eigentlich auch nicht, und deshalb haben wird das auch gar nicht erst versucht. Unsere Route kann man bequem an einem Tag genießen, sozusagen als Drei-Bäder-Tour. Wer noch einen Tag dranhängt, macht eine Fünf-Bäder-Tour daraus. Aber wir wollen es ja nicht gleich übertreiben. Start ist in Altshausen, wo ein barockes Deutschordenschloss (von außen) zu besichtigen ist. Vorbei am Alten Weiher geht es mit der Markierung „Roter Strich (HW 7)“ in Richtung Bad Saulgau. Dort langt man auch recht schnell an – nach fröhlichem Gestrampel durch Wald und Feld, vorbei an idyllischen Weilern. Erst ein kleines Stück bergauf, dann aber weitestgehend bergab führt der Weg zum zweiten Bad, dem Bad Buchau. Wer möchte, kann hier einen Abstecher ins Federseemuseum machen. Das Naturschutzgebiet Federsee ist für naturinteressierte Radler obligatorisch. Außer dem auf Stelzen stehenden Federseemuseum gibt es am Ufer auch ein rekonstruiertes Pfahlbaudorf. Durch das topfebene Ried gelangt man außerdem zum sehenswerten Oggelshausener Skulpturenpark. Weiter geht’s zur angeblich schönsten Dorfkirche der Welt in Steinhausen. Barock, natürlich! Die letzte Perle auf dieser beachtlichen Radtour ist dann Bad Schussenried. Vor dem Einlaufen in den Zielort sollte jedoch unbedingt der Besuch der Schussenquelle stehen. Durch einen tiefen Tobel kann man zu ihr hinabsteigen – die Fahrräder bleiben oben. In Bad Schussenried schließlich wartet eine imposante barocke Klosteranlage auf den bildungshungrigen Radfahrer. Und natürlich die wohlverdiente Einkehr.
Adressen
Schloss-Café Altshausen, Bismarckstraße 4, D-88361 Altshausen, Tel. +49 07584 92 75 44
Zum Hasen, Hochstraße 37, D-88348 Bad Saulgau, Tel. +49 07581 48740
Hofbräuhaus, Schlossplatz 12, D-88422 Bad Buchau, Tel. +49 07582 8227
Landgasthof zur Linde, Ingoldinger Straße 2, D-88427 Bad Schussenried-Steinhausen, Tel. +49 07583 2381 www.zur-linde-steinhausen.de; Eines der ältesten Wirtshäuser in Oberschwaben
Landgasthof Grüner Baum, Sattenbeuren 28, D-88427 Bad Schussenried-Sattenbeuren, Tel. +49 07583 92 73 56
Text und Foto: Claudia Antes-Barisch


