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Gastro-Test August 2010

Bonanza „Steaks & More“

Bonanza „Steaks & More“

(D – Konstanz) Manch einer erinnert sich noch an das spanische Restaurant Bonanza an der Spanierstraße, das unter Einheimischen eine Art Kultstatus wegen den beliebten Skatrunden und der herzhaften spanischen Küche genoss. Heute wird das Lokal als Steakhaus betrieben, und die „Alt-Konstanzer“ meinen, Bonanza wäre wieder ein Muss. Und wir wollen wissen: Warum?

Ganz schnell stellen wir fest: Sowohl der Speiseraum als auch der Raucherraum sind voll, die Bedienungen sind sehr freundlich, und es geht ruck-zuck. Kaum haben wir Platz genommen, stehen bereits die Getränke auf dem Tisch, sowie einige Dips, die gratis zum herzhaftem Brot gereicht werden. Ein Dip ist süß-sauer-scharf nach asiatischer Art, die anderen sind mit Crème frâiche und frischen Kräutern verrührt und geben einen guten Vorgeschmack auf die Saucen ab, die wir zum Fleisch bestellen: eine kräftige Pfeffersauce, eine gehaltvolle „Café de Paris“ und eine rassige Merlotjus-Sauce, die ihren Namen wirklich verdient und unser Favorit wird. Was die Preise betrifft, ist das Bonanza alles andere als teuer. Ein Schweinerückensteak kostet 8,90 Euro, ein Rumpsteak 12 Euro, ein Straußensteak und ein Rinderfilet je 15,50 Euro. Wir schauen heute aber in erster Linie auf die Qualität, nicht auf den günstigen Preis, den man oft genug vielerorts für eher diskutable Fleischqualität bezahlt, und sind positiv überrascht. Das Straußensteak ist mürbe, mit dem typischen intensiven Geschmack des dunklen Straußenfleischs, der von der hausgemachten Kräuterbutter abgemildert wird, das argentinische Rinderfilet ist mehr als zart und schmeckt ebenso ausgezeichnet. Die Garpunkte sind, wie auf der Karte versprochen, wirklich perfekt und auch mit dem „Drumherum“ sind wir sehr zufrieden. Wir bestellen in der Größe „M“ (also 250 g), was mengenmäßig vollkommen ausreichend ist, wenn man die eine oder andere Beilage dazu genießt. Die schmackhaften Potato Wedges sind herzhaft gewürzt und zergehen auf der Zunge, da sie überhaupt nicht (wie leider so oft) fettdurchsogen sind, die riesigen Folienkartoffeln sind von ihrem guten Eigengeschmack geprägt. Auch die Beilagen sind im 2,50-Euro-Rahmen pro Portion alles andere als unbezahlbar. Die garantiert hausgemachten Spätzle heben wir uns für unseren nächsten Besuch auf. Stattdessen entscheiden wir uns für einen gemischten Salat, der aber verwässert und zu süß angemacht ist – daran muss die Küchencrew wirklich noch arbeiten. Er ist jedoch an diesem Abend der einzige Kritikpunkt. Mit dem offenen Nero d’Avola für 3,10 Euro pro Glas sind wir recht glücklich. Gute Flaschenweine gäbe es natürlich auch, und ansonsten trinkt man hier sowieso gerne ein Ruppaner. Die Desserts bleiben heute auf der Strecke, da wir mehr als satt sind. Allerdings gibt es Steaks in den Größen S bis XL, also von 130 bis 500 g, so dass Leckermäuler auch ein kleineres Stück Fleisch bestellen könnten, um in Genuss des hausgemachten Tiramisu zu kommen.
Fazit: Das volle Haus verdankt man keineswegs nostalgischen Erinnerungen an das alte Bonanza oder an die gleichnamige Fernsehserie der 60er Jahre. Die Neuen, Esther Schiess und Michael Stegmaier, machen zusammen mit ihrer Küchen- und Servicebrigade einen wirklich guten Job.

Bonanza „Steaks & More“
Spanierstraße 16
D-78467 Konstanz
Tel. 0049 (0) 7531 361 68 66
; www.bonanza-konstanz.de
geöffnet täglich 16-24 Uhr, sonn- und feiertags 12-22 Uhr
Hauptgerichte: 8-29 Euro

Text: Gert Höcherl

Zum Landwirt

Zum Landwirt

(D – Tettnang-Laimnau) Der Name lässt es vermuten – der „Landwirt“, der sich in der Ortsmitte von Laimnau befindet, ist in einem mit viel Liebe zum Detail ausgebauten ehemaligen Stall untergebracht. Schon das über dem einladenden Eingang prangende Holzschild mit der Aufschrift „Wirtschäftle“ zeigt, dass die Wirtsleute Wert auf schwäbische Tradition legen.

Außen fällt uns der gepflegte Biergarten auf, der an warmen Tagen und Abenden sicher einen Besuch wert ist. Das Innere der gut besuchten Dorfwirtschaft, die seit 25 Jahren erfolgreich von Familie Heimpel betrieben wird, wirkt mit den Holzmöbeln und der einfachen Tischdekoration urig und gemütlich. Zahlreiche Gegenstände erinnern an das frühere bäuerliche Leben. Die Lampenschirme aus Objekten wie einer Kutschendeichsel oder Obstkisten sind zweifellos Unikate. Ein weiterer „Hingucker“ ist die „Ofekuche“, in der Albert Heimpel jeden Mittwoch auf dem Holzkohlegrill kulinarische Köstlichkeiten wie Grillspieße oder flambierte Filetspitzen an Cognac-Pfefferrahmsoße zubereitet. Fast bereuen wir, unseren Besuch auf das Wochenende gelegt zu haben. Ein Blick in die Speisekarte beruhigt uns schnell. Diese umfasst Schwäbisches für den kleinen und großen Hunger wie Kässpätzle, Salate, zahlreiche Fleischspezialitäten und Vespergerichte. Sehr positiv finden wir, dass Beilagen und Soßen je nach Geschmack ausgewählt werden können. Passend zur Philosophie werden auch einfache und bodenständige Gerichte wie saure Bohnen serviert, die selbst auf dem Lande kaum mehr angeboten werden und an die Kindheit erinnern. Apropos Kinder: Die Kleinen können zwischen den üblichen, aber beliebten Klassikern wählen. Etwas schade ist, dass Fischgerichte trotz der Nähe zum Bodensee fehlen. Vorneweg serviert die herzliche Bedienung einen bunten Salat, der ohne große Dekoration durch innere Werte überzeugt. Der Kartoffelsalat („Omas schwäbischer Bodebirresalat“) schmeckt würzig, die Mischung aus knackig-frischen Blattsalaten, Karotten, Paprika und Zwiebeln ist mit viel kräftig-wohlschmeckendem Dressing angerichtet. Schnell folgt der zarte Zwiebelrostbraten vom Rind. Die deftige Soße und die Spätzle – natürlich hausgemacht – munden vorzüglich. Auch das Gemüse, eine Mischung aus Broccoli, Zwiebeln, Karotten, Erbsen, Zwiebeln und Bohnen ist wohl gelungen. Etwas Speck gibt ihm den richtigen Pfiff. Krönender Abschluss ist eine Mostkratzete mit Vanilleis und Sahne, die – ganz rustikal – in einem gusseisernen Pfännchen serviert wird und nicht nur ein Genuss für die Augen ist. Besonders erwähnt seien die köstlichen Säfte, Mostsorten, Liköre und Edelbrände, die der rührige Wirt aus selbstangebautem Obst und Beeren herstellt. Weine aus Italien, Frankreich und der Region komplettieren das Angebot.

Fazit: Beim „Landwirt“ kann man bodenständige und geschmacklich überzeugende Küche in schwäbischem Wirtshaus-Ambiente genießen.

Gaststätte „Zum Landwirt“
Argentalstraße 41, 88069 Tettnang-Laimnau
Tel.: +49 (07543) 69 67, Fax: +49 (07543) 69 68,
www.zumlandwirt.info

Öffnungszeiten: Di – Sa 16:00–24:00 Uhr, So 10:00–24:00 Uhr, Mo Ruhetag
(einfache) Hauptgerichte: ab 5 Euro

Text: Bettina Haller

Wirtschaft am Schlössli

Wirtschaft am Schlössli

(CH-Bottighofen) Die Wirtschaft am Schlössli liegt direkt am Yachthafen und der Schiffsanlegestelle der Kreuzlinger Vorortgemeinde Bottighofen, so dass sich in den warmen Sommermonaten eine Anfahrt per Schiff geradezu anbietet. Man kann das gepflegte Restaurant mit einer der bezauberndsten Terrassen am See ebenfalls nach einem ausgedehnten Spaziergang (etwa eine Stunde von Konstanz aus) durch den an Familienattraktionen reichen Kreuzlinger Seepark und weiter am Freibad Hörnli vorbei erreichen.

Wir haben Glück: Ohne vorher reserviert zu haben, bekommen wir noch den letzten Tisch unter der riesigen schattenspendenden Platane. Die gemütliche Sitzbank ist reichlich mit bequemen Kissen bestückt, der See gegenüber strahlt uns mit seinem kräftigsten Blau an. Der Ober ist freundlich, die Stimmung auf der Terrasse sehr entspannt, so entspannt, dass der Wein auf sich warten lässt. Das Wasser ist aber sofort da, einige Palmen sorgen für exotisches Feeling, so dass wir uns prompt für die scharfe Suppe mit thailändischem Zitronengras und dünn geschnittenen „Shabu-Shabu“-Rinderfiletscheiben entscheiden. Vorher bekommen wir noch einen Gruß aus der Küche – ein Gläschen mit feiner Geflügelfleischsülze und Curry-Espuma-Haube, dazu ein Körbchen mit drei Sorten Baguette, das noch warm ist und sehr gut schmeckt. Die Weinkarte enthält richtige Rotweinbomben wie Château L’Angelus 2001, Cos d’Estournel 2000 oder einen Valbuena 5e anno 2002 von Vega Sicilia. Angesichts der hohen Temperaturen entscheiden wir uns für einen rassigen Weißburgunder vom Weingut Stiegelmar im Burgenland und sind voll des Lobes. Er passt wunderbar zu den Vorspeisen und dem Zwischengang, Königsberger Klopse mit Kapernäpfeln auf einer hellen Kräutersauce mit einem Hauch Senf. Dazu wird frischer und rundum schön angemachter Randensalat gereicht. Von den Vorspeisen sehr angetan, lassen wir uns vom Fischgang überraschen: Zanderfilet auf getrüffeltem Blumenkohlrelish und Thymiangnocchi. Ein Volltreffer! Das kross auf der Haut angebratene Zanderfilet lag auf einem Nest von Lauchjulienne und Blumenkohl-Miniröschen, das von einer leichten milden Rahmsauce umrandet war. Obendrauf hatte man nicht zu sparsam aromatische Sommertrüffel gehobelt – eine nicht alltägliche Kombination, aber was für ein Genuss! Das galt auch für das Zweierlei vom Kalb: Nieren auf Caesar-Salad-Dressing und panierte Milken auf einer ungewöhnlichen grünen Sauce mit Gurken- und Zucchinispänen, die uns zeigten, dass Chefkoch Uwe Schwierskott ein Händchen für ausgefallene Sößchen hat. So unwiderstehlich fanden wir alles, dass wir noch jede Menge Desserts orderten. Die Lavendel-Thymian-Crème Brûlée mit Pannacotta-Eis und Vanille-Aprikosen-Kompott machte dem Haus alle Ehren. Enttäuscht waren wir vom eingelegten weißen Pfirsich und dem sogenannten Schokoladen-Topfen-Millefeuille dazu, das eigentlich aus zwei recht dicken Valrhona-Schokolade-Blättern mit aufgespritztem mastigem Topfen bestand. Klasse hingegen war das hausgemachte Pfirsichsorbet auf Cranberry-Crisp, das man auf Wunsch mit Pfirsich-Likör oder Champagner bekommen kann.
Fazit: Ein richtiger Sommertraum, kulinarisch auch für den Winter sehr zu empfehlen.

Wirtschaft am Schlössli
Seestrasse, CH-8298 Bottighofen, Tel. 0041 (0)71 688 90 92, Fax (0)71 688 90 94
, www.wirtschaftamschloessli.ch
geöffnet im Sommer täglich ab 11 Uhr, warme Küche 12-14.30 und 18-23 Uhr Hauptgerichte 36-52 SFr, Menü 78-109 SFr

Text: Gert Höcherl