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Gastro-Test April 2010

Restaurant Akazie

Restaurant Akazie

(CH-Winterthur) Winterthur ist die sechstgrößte Stadt der Schweiz und mit seinen 16 Museen eine Kulturhochburg. Auch kulinarisch wird hier einiges geboten. Nahe der Fußgängerzone und am Rand des Stadtgartens gegenüber dem Sommertheater befindet sich die Akazie, deren Küchenleistung in der letzten Ausgabe des Restaurantführers Gault Millau erstmalig mit 13 Punkten honoriert wurde.

Wir sind zum ersten Mal da und stellen fest, dass es sich um ein sehr beliebtes Lokal handelt. Die Bandbreite des Publikums erstreckt sich von der Kleinfamilie mit Kind über verliebte Pärchen bis zur großen Runde im Freundeskreis. Holzvertäfelte Wände, weißgedeckte Tische und ein gewisses „Etwas“ in der Atmosphäre erinnern an eine französische Brasserie. Die Küche grüßt mit einem gut gekräuterten Raviolo, gefüllt mit leckerem Ochsenschwanzragout. Schon mal ein sehr guter Anfang, es kommt aber noch besser: Eine frühlingshaft-grüne Suppe aus jungen Erbsen mit Ziegenfrischkäseperlen verströmt betörenden Duft nach frischer Minze. Eine top gebratene Wachtelbrust an Berglinsensalat bestätigt den ersten guten Eindruck, die knackigen lauwarmen Berglinsen hätten allerdings ein bisschen mehr Tiefgang beim Würzen vertragen. Die darauffolgenden hausgemachten Taglierini mit frischen Morcheln an einer perfekt mit Thymian abgeschmeckten Cognacrahmsauce sind besser als bei den meisten uns bekannten Italienern. Auch der Fischgang ist etwas Spezielles – kleine Filettranchen vom eher seltenen Stör liegen auf einem rahmigen Wurzelgemüsebeet, das etwas zu stark von Petersilienwurzeln dominiert wird. Dazu guter Camargue-Reis und eine ordentliche Zitronengrassauce. Das junge Gitzi (Zicklein) wird mit Bramatapolenta-Schnitten und einer an sich hervorragenden Pepperonata gereicht, die aber den Gitzi-Eigengeschmack etwas erschlägt. Perfekt waren die in Kräutersud gekochten Babyartischocken, die nicht – wie leider so oft – durch Zitronensäure vergewaltigt wurden, sondern nur dezent mit einem Hauch Knoblauch gewürzt, auf den Tisch kamen. Die offenen regionalen Weißweine vom Zürcher Land waren gut zum Einstieg, jedoch nicht ganz für die gut gewürzten Speisen geeignet. Der nachträglich zum Stör bestellte Critone von Librandi (Kalabrien) ließ ziemlich auf sich warten, da der durchaus freundliche Service im Laufe des Abends vom Gästeandrang überfordert war. Eine gute Figur zum Zicklein machte der rote Tessiner von Klausner. Beim süßen Abschluss konkurrierte eine sehr gehaltvolle, fast schokotriefende Truffes-Schnitte an superben Blutorangenfilets um den ersten Platz mit einem marokkanisch inspirierten „Dattelbörek“, das lauwarm auf einem Nuss-Potpourri in der Begleitung von Kardamon-Eis serviert wurde. Der Kampf um den ersten Platz blieb unentschieden, da uns beide sehr gut gefielen.
Fazit: Die Akazie erweist sich als eine richtige gastronomische Attraktion im sowieso kulinarisch gut bestückten Winterthur. Ein Geheimtip ist sie zwar nicht mehr, die Preise sind für die gebotene Qualität jedoch recht moderat. Die Atmosphäre ist ungezwungen, und die Küche offeriert phantasievolle mediterrane Gerichte mit orientalischem Einschlag. Der Service könnte etwas Verstärkung gebrauchen, obwohl die anwesenden Kräfte ihr Bestes geben. Alles in allem wohltuend anders als viele Lokale mit sogenannter mediterraner Küche. Text und Bild: Gert Höcherl

Restaurant Akazie
Stadthausstrasse 10, CH-8400 Winterthur, Tel. 052 212 17 17,
geöffnet Mo.-Sa. 11-24 Uhr, Ruhetag So.
Hauptgerichte 24-43 SFr, Menü 66 SFr

Text: Gert Höcherl

Knopf & Knopf Erlebniswelt

Knopf & Knopf Erlebniswelt

(D-Warthausen) Zum Mittagstisch ist das Bahnhof-Restaurant im Knopf & Knopf gut besucht. Einerseits sicher wegen dem Angebot an täglich wechselnden Mittagsmenüs. Andererseits wohl auch wegen der vergleichsweise recht günstigen Preise.

Wirklich Besondere ist die Einrichtung. So wurde in der Bahnhof-Gaststätte der legendäre „Orient-Express“ mit Salonwagen nachgebaut und auf Schienen gestellt. Wer mag, der begibt sich auf eine exklusive Reise in eine andere Epoche und sitzt in einem der holzvertäfelten Abteilen mit glänzenden Messingverzierungen, sieht auf luxuriös lederbezogene Bänke vor Holztischen, über denen kleine, nostalgische Lampen Licht spenden. Die beachtliche Auswahl auf der Karte umfasst einige Vespergerichte, bunte Salate und schwäbische Klassiker sowie eine ganze Palette an Nachspeisen und Kuchen – ein erster Eindruck, der uns allein der Fülle und Kalorien wegen etwas überfordert. Die Hauptgerichte werden werktags von 11 bis 14 Uhr serviert und können mit einer Tagessuppe als Self-Service an der Bügeleisentheke geholt werden. Die aktuellen Angebote sind auf großen Schiefertafeln zu lesen und klingen sehr appetitlich. Da konkurrieren Putenrahmgeschnetzeltes mit Frühlingsröllchen, Penne mit Bolognese, Kartoffelgemüsegratin, Folienkartoffel mit Kräuterquark und Lachs, eine mexikanische Hackfleischpfanne mit dem schwäbische Nationalgericht „Maultaschen“ und zu guter Letzt die Inkarnation des Geschnetzelten „Stroganoff“ um die Gunst des Gastes. Letztgenanntes bestelle ich schließlich. Die eiligsten Gäste sind bekanntlich Kinder, von denen ich zwei dabei habe. Wenn der Hunger rumort, muss etwas auf den Tisch – und zwar sofort. Da sind die Kleinen gnadenlos, und es helfen weder Stifte noch Blätter zum Ausmalen. Mit der Bedienung ist der sechsjährige Begleiter sehr zufrieden, bringt sie doch flott und freundlich die Filetspitzen vom Rind mit Reis aus der Küche. Das Fleisch befindet er als schmackhaft, was ich nur bestätigen kann. Die Filetstreifen sind fein geschnitten und zart. Die Sauce ist in Ordnung, wenn auch eine Spur zu gut gewürzt. Die Penne in Ruccolapesto mit geschmolzenen Kirschtomaten erweisen sich als einfaches, aber leckeres Pastagericht, für das nur 6,50 Euro berechnet werden. Das Preis-Leistungsverhältnis überzeugt. Gleiches gilt auch für die pikante Gemüse-Paprika-Curry-Suppe, selbst wenn leider kein Brot dazu gereicht wurde. Bei den Desserts lohnt sich neben dem Quarkstrudel mit Apfelmus die locker und leicht zubereitete Zitronencreme, die auf einem fruchtigen Schokolade-Mango-Erdbeerspiegel angerichtet ist und uns in Erinnerung bleiben wird.
Fazit: Das Bahnhofrestaurant in der Knopf & Knopf Erlebniswelt bietet ordentliche Küche zu vernünftigen Preisen. Das Ambiente ist aufwendig gestaltet und ein Besuch wert. Der Nachbau des Salon-Wagens des Orient Express' ist ein echter Hingucker und passt zum Gebäude als ehemaligem Bahnhof.

Knopf&Knopf Erlebnisgastronomie
Museumsgässle 1
D-88447 Warthausen
Tel.: +49 (07351) 18930
www.knopf-erlebniswelt.de

Öffnungszeiten:
Mo – Sa: 09.00 – 24.00 Uhr
So: 09.00 – 22.00 Uhr
Hauptgerichte: ab 6,90 Euro

Text: Daniela Brüggemann

Kammgarn-Beiz

Kammgarn-Beiz

(CH – Schaffhausen) Die Genossenschaft Kammgarn mit der Beiz und hochklassigem Kulturprogramm hat schon von Anfang an „Kultstatus“ in Schaffhausen. Nicht nur finden hier die angesagtesten Konzerte in der Szene, Kleinkunst und Kabarett statt. Mit dem Forum Vebikus hat man auch noch gleich die Ausstellung dabei. Und im Kellerlokal „Tap Tab“ nebenan gibt’s die passende Party dazu.

Am Mittag oder abends lässt sich vortrefflich in der Kammgarn-Beiz schlemmen. Wir bestellen also diesmal die Gnocchi auf Blattspinat, in Käsesauce überbacken. Die Gnocchi sind selbstgemacht und haben die richtige italienische Konsistenz und auch der Blattspinat harmoniert wunderbar und ist perfekt dazu abgeschmeckt. Die Käsesauce ist angenehm mild, nicht zu fettig, aber sahnig-cremig und bereitet das ideale Bettchen für Gnocchi samt Blattspinat. Beim Zanderfilet mit gebratenen Mandeln, Gemüsegarnitur und Basmatireis ist der Bodenseezander fest und wohlgeraten gebraten, der Reis duftet fein nach Basmati und ist nicht zu sticky (klebrig). Das Gemüsepotpourri aus Zucchini, Tomaten, Bohnen und Zwiebeln ist dezent mit Kräutern gewürzt und verfeinert. Einziger Mangel: Es lässt noch Raum für Würze. Dafür steht jedoch ohne falsche Scham der Salz- und Pfefferstreuer gleich mit auf jedem Tisch. Alles ist unprätentiös und ehrlich angerichtet und nachdem wir etwas nachgeholfen haben, sind wir ausgesöhnt. Zugute halten müssen wir, dass es ja Menschen geben soll, die sich ihr Leben nicht versalzen wollen und somit hier die Möglichkeit haben, salzarm zu essen. Irgendwo haben sie auch recht. Nach einem nochmaligen Blick auf die Speisekarte sind wir uns einig – das nächste Mal sollten wir den wilden Wurstsalat probieren und die Schelfere – hört sich verlockend exotisch an und ist sicherlich mal ein neuer Kick für unseren Gaumen. Fortsetzung folgt …
Ach ja, haben wir uns wohlgefühlt? Also, unser freundlicher Gastgeber Markus trägt auf seine verschmitzt gelassene Art zum Wohlfühlfaktor im „bohemian style“-Ambiente bei, ist zuvorkommend aber keinesfalls anbiedernd, stets sofort zur Stelle. Man bzw. frau merkt, dass er mit dem Herzen dabei ist. Eine Szenekneipe mit allem drum und dran zu führen, braucht auch wahrlich Herzblut! Wir meinen: Das gesamte Genossenschaftsteam macht das toll.
Fazit: Lecker essen in lässiger Atmosphäre – „Alternativ-Gourmets“ finden hier feine Küche auf einfachen Beizentischen.

Kammgarn-Beiz
Baumgartenstraße 19, CH-8200 Schaffhausen, Tel. 0041 52 625 24 03
www.kammgarn.ch
Geöffnet: Di. – Do. 11.30-3.30 Uhr, Fr. und Sa. 11.30-01.30 Uhr
Warme Küche: 11.30-14.00, 18.00-22.00 Uhr
Hauptgerichte: 11 -31 Sfr.

Text: Christine Haus