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Gastro-Test März 2010
Michelangelo
(D-Biberach/Riss) „Liebe geht durch den Magen“ – dieses Sprichwort gewinnt alljährlich am Valentinstag seine besondere Bedeutung. In Bella Italia, dem Land mit viel Amore, Fußball, Rotwein, meterlangen Nudeln und ofenfrischen Pizzen, gilt es deshalb, am „Tag der Verliebten“ etwas Besonderes auf den Tisch zu zaubern. Grund genug am „Tag der Verliebten“ ins „Michelangelo“ zu gehen.
Das Lokal ist Bar, Ristorante und Café in einem und bietet so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Von der Pizza über Pasta, Fisch und Fleisch bis zu Tiramisu. Inhaber des "Michelangelo" ist Ennio Malizia. Er dürfte vielen Biberachern schon vom Restaurant „La Romantica“ in der Waldseer Straße in Biberach bekannt sein, das er vor einigen Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Antonio Malizia eröffnet hat. Ihren Anspruch unterstreicht die Küche gleich bei den gemischten Vorspeisen, die weit mehr bieten als der sonst bisweilen aufgetischte Antipasto-Mix aus Wurst, Käse und Artischocken. Hier locken gegrillte Zuchinis und Auberginen, eingelegte Zwiebeln und ein Stück Galia-Melone mit Parmaschinken. Ebenso gut schmecken die wunderbar aromatisierten und marinierten Kraken: Pulpo und Oktopus auf meinem Vorspeisenteller. Dass nur ein paar possierliche Fischchen auf meinem schneeweißen Teller landen, hat seinen Grund: so bleibt Platz für weitere Gänge. Auf Pasta sollte kein Gast verzichten, denn hier zeigen die Köche ihre Kunst. Ob selbstgemachte Rigatoni, Gnocchi, Tortellini, Fettucini – eine Portion muss sein. Doch auch bei den bodenständigen Spaghetti Carbonara zeigt die Mannschaft in der Küche ihre Kunst. Und zum genussvollen Aperitivo sind die Pizzen mit dünnem knusprigen Teig und gekochtem Schinken zu empfehlen. Der Service ist sehr freundlich und empfiehlt auf Wunsch die besonderen, tagesaktuellen Gerichte, die gleich mehrfach auf Speisentafel sowie schönen, großen Spiegeln geschrieben stehen. In meinem Fall waren das die auf den Punkt gekochten Spaghetti „Royal“ mit Babygarnelen, frischen Tomaten und roten Zwiebeln in Chardonnay-Sauce abgeschmeckt und raffiniert gewürzt. Wer es gern üppiger mag, der ist bei Scallopina al vino bianco oder Rumpsteak ai porcini gut aufgehoben – letzteres ein ordentliches Stück Fleisch, präsentiert mit Steinpilzen in Brandysoße und einem bunten Beilagenteller aus Pasta plus knackigem Gemüse. Und weil die Gäste das Michelangelo zu schätzen wissen, sollten Sie vorher reservieren. Insbesondere am Valentinstag, wenn sich verliebte Paare in die Augen schauen und sich zu Eros Ramazotti eine hausgemachte Tiramisu teilen… Fazit: Im „Michelangelo“ gelingen Pizza, Pasta und auch der Rest. Die Mannschaft der Küche schafft es, eine ziemlich große Auswahl an Speisen auf qualitativ hohem Niveau zu kochen.
Michelangelo
Königgäßle 4
D-88400 Biberach/Riß
Tel.: +49 (07351) 169 005
Täglich geöffnet: 11.00-14.00 und ab 17.00 Uhr
Pasta: ab 6,50 Euro
Pizza: ab 6 Euro
Hauptgerichte: ab 13,90 Euro
Text: Daniela Brüggemann
Ringhotel Zum Goldenen Ochsen
(D – Stockach) Der Familienbetrieb am Rand der Fußgängerzone wird in dritter Generation von Philipp Gassner geführt. Als „erstes Haus am Platz“ ist es weit über die Grenzen der früheren Grafschaft Nellenburg hinaus bekannt und bei vielen Einheimischen ein beliebter Ort, um gepflegt Feste zu feiern. Nach längerer Zeit wollen wir wieder mal vorbeischauen und testen, ob das Restaurant seinem guten Ruf gerecht wird.
Wir werden aufmerksam empfangen und an einen schönen Tisch begleitet. Dann passiert einem Servicemitarbeiter ein Fauxpas, der aber der einzige des Abends bleiben wird: Noch etwas durchgefroren von des Eiseskälte draußen und deshalb leicht desorientiert, unterbrechen wir ihn beim Vortragen des Menüs mit einer Zwischenfrage, worauf er bittet, ihn doch erst ausreden zu lassen. Na ja, vielleicht hat man gemerkt, dass so etwas nicht passieren darf oder dass die „Chemie“ zwischen uns nicht ganz stimmt, denn des weiteren werden wir ausschließlich von seinem Kollegen charmant und tadellos verwöhnt. Unser Menü startet mit leicht gepökelten zarten lauwarmen Schweinebäckchen an einem Schwarzwurzel-Linsensalat, angemacht mit feinem Olivenöl und Zitrone, einige Röschen Feldsalat und Cocktailtomaten zieren das Arrangement. Ein wirklich gelungener Auftakt, der Lust auf mehr macht. Bei der Karotten-Orangen-Suppe sind hausgemachte Brühe und frisches Wurzelgemüse im Einsatz, die mit der richtigen Dosis Sahne aufgeschäumt worden sind. Es schmeckt gleichzeitig bodenständig lecker und raffiniert, da ein Hauch Ingwer mit im Spiel ist. Auch der Hauptgang ist über jeden Zweifel erhaben: Ein feines Filet-Trio von poelierter Lachsforelle, Felchen und Zander an einer sehr schönen Silvanerschaumsauce mit vielfältigem Wintergemüse, im Dampf gegart und schön bissfest. Die hausgemachte Mousse aus dunkler Schokolade, das frische Vanille-Milcheis und die aromatischen Rotweinzwetschgen runden unsere durchaus positiven Eindrücke vom Menü ab. Von der umfangreichen und vielfältigen Weinkarte, auf der sehr seltene Weine wie der Château Mondotte (Bordeaux) des württembergischen Grafen Neipperg zu finden sind, wählen wir einen Riesling „Forster Ungeheuer“ 2001 (Pfalz) von Wegeler Erben, der trotz oder eher wegen – wie es so bei guten Rieslingen der Fall ist – seines Alters wirklich in Top-Form ist. Auch das Angebot offener Weine ist groß und recht hochwertig. Den Preis von 7,50 Euro für ein Viertele Meersburger Weißherbst finden wir allerdings etwas hoch. Preislich voll in Ordnung und toll im Geschmack ist der süße Ratafia, den wir zum Dessertteller bestellen. Feine Digestifs gibt es auch in der hauseigenen Bar, die riesige Whisky-Karte dort liest sich wie das „Who’s who“des Single Malt Whisky. Als Raucher muss man nicht draußen in der Kälte bibbern: Das Rauchen in der Bar ist erlaubt, es steht sogar eine Zigarrenlounge mit Davidoff-Sortiment zur Verfügung.
Fazit: Beim Ochsen hat Convenience Food keine Chance. Die Küche arbeitet handwerklich gut mit frischen Produkten und kann geschmacklich überzeugen. Nach wie vor eine sehr empfehlenswerte Adresse.
Ringhotel Zum Goldenen Ochsen
Zoznegger Str. 2, 78333 Stockach, Tel. 07771 9184-0, Fax 9184-184,
www.ochsen.de, info@ochsen.de
geöffnet täglich 11-22 Uhr
Hauptgerichte 10-20 Euro, Menü mit Wein 48 Euro
Text: Gert Hoecherl
Hedy’s Restaurant & Bar
(CH – Kreuzlingen) Im Zentrum von Kreuzlingen, in den ehemaligen Räumlichkeiten von La Taverna, hat Hedi Harrabi vor gut einem Jahr ein völlig neu gestaltetes Restaurant eröffnet. In modernem und zugleich gemütlichem Ambiente werden die Elemente Bar, Lounge und Restaurant stilvoll kombiniert. Weiß und Schwarz als Grundfarben der Ausstattung werden vom Violett der Bar- und Wandbeleuchtung wirkungsvoll kontrastiert.
Wir hatten bereits gehört, dass man hier ein wirklich gutes Lunch zu moderaten Preisen bekommt. Heute wollen wir wissen, wie es abends aussieht. Der Chef empfängt uns ausgesprochen freundlich, präsentiert uns eine bewusst klein gehaltene Speisekarte und macht uns auf ein paar Änderungen in den Beilagen aufmerksam. Weinkarte gibt es keine, statt dessen bekommt man einige Bouteillen zu Gesicht, die man nicht leer trinken muss, es wird auch „deziweise“ kredenzt. Wir entscheiden uns für einen Pinot Grigio mit viel Frucht, Schmelz und Finesse vom Lago di Caldaro (Südtirol) von Ritterhof, einem uns unbekannten Erzeuger. Berühmter, was den Erzeuger betrifft, geht auch: Ein samtroter Bruciato von der Tenuta Guado al Tasso (Antinori) in der Toscana kann auch durchaus überzeugen. Zum Wein allein schon ein Genuss: ein selbstgebackenes Weißbrot mediterraner Art mit Rosmarin, Zitronenthymian und Fleur de Sel (feinstes Meersalz). Die Küche grüßt mit einem gebackenen Riesenchampignon an pikantem süß-saurem Chili-Dip. Fulminant geht es weiter mit einer Karotten-Ingwersuppe mit saftigen Riesengarnelen, die durch rassige frische Geschmacksintensität brilliert. Obwohl sie ganz ohne Sahne auskommt, ist sie wie eine Emulsion fein aufgeschäumt und verrät die Klasse des Kochs. Etwas ruhiger kommen die hausgemachten Kürbis-Ricotta-Ravioli daher, deren Füllung den tadellos gebratenen Jakobsmuscheln und der Rafinesse der feinsinnig abgeschmeckten Sahnesauce nicht ganz gerecht wird. Auch beim darauf folgenden Fischgang wird tadellos gearbeitet: Rotbarbenfilets auf den Punkt gegart, feiner junger Spinat und hausgemachte Zitronenlinguine. Ein Genuss für sich ist der Lammrücken, perfekt an der Krone gebraten: junges Lammfleisch, feinste rosa Berglinsen, sehr guter Kartoffelstock, dessen Geschmack nicht durch zu viel Butter oder Sahne verfälscht wird, und ein in Geschmack und Konsistenz genialer Jus. Sehr feine Desserts liefern einen würdigen Abschluss: Zur etwas üppig geratenen Crème Brûlée wird ein erfrischendes Mangosorbet empfohlen, in dem auch konfierte Mangostückchen eingearbeitet worden sind. Zur Verfügung stünde noch eine große Auswahl von anderen hausgemachten Sorbets, die mit Sicherheit sehr lecker sind. Zum herzhaften warmen Schokokuchen mit flüssiger Cru-Schokolade im Kern gehört ein perfekt schmelzendes Eis mit Tahiti-Vanille, der Königin der Vanille-Gewächse. Und einen passenden Dessertwein mit einem ausgesprochenen Schoko-Appeal findet der Chef schnell: einen Vin doux naturel aus Banyuls (Roussillon), ausgebaut nach der Art eines Portweins.
Fazit: Ein unkompliziertes Lokal mit großartiger Küche und dem Potential, ein kulinarischer Szenetreffpunkt zu werden: Mit etwas Glück kann man hier Jan Ulrich oder Sebastian Vettel begegnen. Unbedingt hingehen!
Hedy’s Restaurant & Bar
Bachstr. 12, 8280 Kreuzlingen, Tel. + 071 672 20 30, Fax + 071 670 02 27
info@hedys.ch, www.hedys.ch
geöffnet Mo.-Fr. 11-14 Uhr, 17-24 Uhr, Sa. ab 17 Uhr, Ruhetag So.
Hauptgerichte 21-49 SFr, Mittagsmenü ab 18 SFr
Text: Gert Hoecherl


