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Gastro-Test Februar 2010

Il ristorantino

Il ristorantino

(CH – Frauenfeld) Schon seit geraumer Zeit sind wir auf der Suche nach einem Italiener, bei dem Pasta und Gnocchi tatsächlich selbstgemacht sind und wie in einer guten Trattoria südlich der Alpen schmecken. Wir müssen ja nicht unbedingt durch imposante Glasfronten „sehen und gesehen werden“. In Frauenfeld, östlich des Bahnhofs und wenige Minuten vom Stadtkern entfernt, haben wir ihn gefunden, in dem von außen eher unscheinbaren Haus zur Sonne.

Seit Dezember 2007 führen Enzo und Marianna Zuccherino im Frauenfelder Haus zur Sonne ihr individuell-sympathisches Restaurant mit eleganter Bistroatmosphäre. Der gebürtige Neapolitaner präsentiert jeden Tag eine kleine Tageskarte, die sich nach Marktlage richtet. Die Tagesempfehlungen bespricht er mit den Gästen am Tisch und geht gerne auf Sonderwünsche ein. Als Gruß aus der Küche machen wir Bekanntschaft mit einer sehr feinen Brokkolimousse mit Pesto, hausgemachtem Brot und einem Schälchen Oliven. Zum Einstieg bestellen wir das Antipasto Mare von der Standardkarte, das aus grillierten Calamaretti, Gamberi, Jakobsmuscheln und Alici (kleinen eingelegten Sardellen) besteht. Die Calamaretti haben etwas zu viel Salz abbekommen, die Jakobsmuschel ist etwas klein, pikant gewürzt, aber zu scharf angebraten, die Gamberi sind von guter Konsistenz und dezent mariniert, am leckersten finden wir die zarten Alici. Bei der darauffolgenden Empfehlung des Chefs kommen wir richtig ins Schwärmen: Die Papardelle (breite Nudeln) mit Salbeibutter und Hirschfiletstreifen kann man fast nicht besser zubereiten. Super Nudelteig, junges Wild und die richtige Dosis frische Kräuter. Überzeugend auch das Risotto mit Eierschwämmli, eine zweite Empfehlung des Chefs. Die Konsistenz ist genau richtig, man schmeckt Schalotten, Wein, gute kräftige Brühe und frische aromatische Pilze. Einziger kleiner Kritikpunkt: Das Reiskorn hätte etwas mehr Biss vertragen können. Als Hauptgang haben wir uns für Scaloppine vom Kalb mit funghi porcini (Steinpilze) entschieden. Der Klassiker italienischer Kochkunst kommt auf den Tisch genau, wie wir uns es wünschen: Dünn geschnittenes rosa gebratenes Kalbfleisch liegt an ein paar Tröpfchen Eigensaft, schön gekräutert sind die frischen Steinpilze. Bei der Weinkarte freuen wir uns über einen ausgewogenen Mix, der die meisten Provinzen Italiens berücksichtigt, jedoch statt auf teuere Renommierweine auf kleinere solide Erzeuger mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis setzt. Uns schmeckten der weiße „Don Pietro“ von Spadafora aus Sizilien, sowie ein Barbaresco Riserva 2003 von Massimo Rivetti aus Piemont zu dem Menü ausgesprochen gut. Ein köstlicher budino al café (Kaffeepudding) und eine lockere Kastanienmousse zum Dessert machten dem Hause und dem Koch alle Ehre.
Fazit: Klein, fein und oho. Wer sich mit den Tagesempfehlungen des Chefs anfreunden kann, ist bestens beraten und wird begeistert sein.

CH-8500 Frauenfeld, Zürcherstrasse 235, Tel./Fax 0041 (0)52 721 11 60
, www.ilristorantino.ch
geöffnet Mo., Mi.-Fr. 11-14 Uhr, 17.30-23.30 Uhr, Sa.-So. ab 17.30 Uhr, für Gruppen auf Voranmeldung auch So. Mittag geöffnet, Ruhetag Di.
Hauptgerichte 18-40 SFr, Mittagsmenü um 20 SFr, Degustationsmenü 70 SFr

Text: Gert Höcherl

Romantik Hotel Johanniter Kreuz

Romantik Hotel Johanniter Kreuz

(D – Überlingen-Andelshofen) Das Hotel-Restaurant liegt etwa fünf Kilometer nördlich von Überlingen auf einer leichten Anhöhe. Man fährt am besten Richtung Pfullendorf und schaut beim Kreisverkehr genau hin, um die Ausfahrt nach Andelfingen nicht zu verpassen. Dann folgt man dem Schild „Romantikhotel“ und erreicht das vierhundert Jahre alte Anwesen, das einst vom Johanniter-Orden als Poststation bewirtschaftet wurde.

Der Vorraum hinter der schweren Holztür ist gemütlich, der Kamin im Hauptrestaurant in Landhausstil sorgt für eine ungezwungene Atmosphäre. Die Sitzbereiche sind großzügig voneinander getrennt, geschmackvolle Tischdekorationen tragen zur festlichen Atmosphäre kurz vor Heiligabend bei. Als Amûse bouche und Vorfreude auf den Schmaus schickt die Küche feine, rosa gebratene Tranchen von der kalten Entenbrust mit einer gelungenen Kalbsbries-Espuma und einem leider etwas faden Rote-Beete-Preiselbeer-Gelee. Auch die A la carte-Vorspeise, eine schmackhafte „Kaninchen-Kalbsbries-Terrine an süß-sauer eingelegter Quitte“, hat ihren Reiz. Ein richtiges Aha-Erlebnis ist das dazu gereichte Garnelen-Stick mit marokkanisch anmutenden Gewürzen in Filou-Teig. Das Suprême (Filetstück mit Oberhitze gratiniert) vom Steinbutt besticht durch exzellente Qualität und Frische, die überbackene Krebsbutter finden wir jedoch langweilig, sehr gut dagegen den etwas rauchigen Geschmack vom Topinambur-Püree. Absoluter Liebling des Abends wird der gesondert servierte luftig-lockere Kräuter-Champignon-Flan. Beim regionalen Menü bekommen wir Bodenseefelchenkaviar mit Crème fraîche und lila Sprossen, puristisch angerichtet auf warmen Maisplätzchen. Vom Wacholderschaum zum rosa gebratenem Rehrücken spüren wir nicht viel, es handelt sich eher um einen mit etwas Sojasauce abgeschmeckten Bratensaft. Die dazu gereichten handgeschabten Spätzle sind von überdurchschnittlicher Qualität. Samtweich und aromatisch präsentiert sich das Dessert: ein gebackenes und geeistes Topfenparfait, das nach Weihnachten und indischem Garam Masala schmeckt. Die umfangreiche Weinkarte zeigt eine deutliche Vorliebe für den Bodensee und ein gut durchdachtes Sortiment von Spitzengewächsen. Der neuseeländische Sauvignon Blanc von Giesen (Marlborough Region) mit ausgeprägten Stachelbeeraromen erwies sich als ein hervorragender Essensbegleiter zu der würzigen Küche von Andreas Liebich, die in jedem ernstzunehmenden Restaurantführer honoriert wird. Der freundliche Service, der für den Stil des Hauses steht, begleitete uns mit gewitztem Rat und guter Laune durch den Abend.
Fazit: Das Johanniter Kreuz bietet eine traditionell-badische und eine innovative Küchenlinie in gediegenem Ambiente an. Wer sich auf die (Gewürz) Kreationen zu etwas gehobenen Preisen einlässt, kann mit richtigen Geschmackserlebnissen rechnen.

Romantik Hotel Johanniter Kreuz
Johanniterweg 11, D-88662 Überlingen-Andelshofen
Tel. 07551 937 06-0, Fax 937 06-190, www.johanniter-kreuz.de
Ruhetage Montag, Di. bis 17 Uhr; Küche Di. ab 18 Uhr, Mi.-So. 12-14 und ab 18 Uhr
Hauptgerichte 14-25, Menüs 30-60 Euro

Text: Gert Hoecherl

Landgasthaus Zur Sonne

Landgasthaus Zur Sonne

(D – Wangen) Eine wunderschöne, winterliche Bilderbuchlandschaft mit zahlreichen Wanderwegen, die auch im Winter zu sportlicher Betätigung im Freien einladen, erwartet Besucher bei der wenige Kilometer nördlich von Wangen im Allgäu gelegenen, idyllisch anmutenden Ortschaft Leupolz. Doch nicht nur für Spaziergänger ist das unterhalb der Kirche gelegene Landgasthaus „Zur Sonne“ ein beliebter Anlaufpunkt.

Bereits vor dem Eintreten fällt die liebevolle und aufwändige winterliche Dekoration im Eingangsbereich auf. Ein Eindruck, der sich im Inneren fortsetzt: Geschmackvolle und zum ländlichen Interieur passende Arrangements setzen stimmige optische Akzente in Gewölbekeller und Gaststube des Familienbetriebes. Warmherzig und routiniert kümmert sich die Wirtin, Frau Hansmann, um ihre Gäste. Auf den Tisch kommen im Landgasthaus Zur Sonne in erster Linie schwäbisch-allgäuerisch angehauchte Gerichte. Dennoch ist der Speisekarteninhalt keineswegs 08-15, denn bei der Zusammenstellung der Gerichte zeigt sich der Hausherr, der selbst den Kochlöffel schwingt, kreativ, experimentierfreudig und offen für Neues. So bereitet er neben den regionalen Spezialitäten auch Ausgefalleneres wie "Zanderfilet in Curry-Fruchtsoße mit Mandelbrokkoli und Basmati-Reis" oder "Lachsravioli in Rucolaschaum" zu. Abgerundet wird das Speisenangebot durch Vegetarisches, Wildgerichte, Salatvariationen und deftig-herzhafte Vesper. Weinliebhaber werden in der Karte, die vorwiegend Tropfen aus dem süddeutschen Raum und dem europäischen Ausland enthält sicherlich fündig. Besonderen Wert legt der Küchenchef auf frische und naturbelassene Zutaten aus der Region. Beinahe selbstredend, dass er die Speisekarte mit Saisonalem ergänzt. Als Vorspeise bestellen wir ein „Broccoli-Schaumsüppchen mit Lachswürfeln", das optisch gekonnt mit einem Sahnehäubchen, gerösteten Mandelblättchen, Karottenraspeln und Dill aufgewertet ist. Das Süppchen duftet nicht nur verlockend, sondern ist auch geschmacklich äußerst gelungen – würzig, aber nicht zu kräftig. Auch der Hauptgang, der „Schwäbische Allgäu Wok“, überzeugt Auge und Gaumen gleichermaßen. Die zart gebratenen Lendchen und das Geflügelmedaillon sind auf bissfesten Gemüsespätzle, bei denen es sich um hausgemachte Spätzle mit einer Mischung aus verschiedenen Gemüsesorten wie Zucchini, Broccoli, Blumenkohl, Kohlrabi, Paprika, Karotten und Lauch handelt, ansprechend angerichtet. Kombiniert ist das Ganze mit reichlich cremiger, aber nicht zu schwerer Sahnesauce, verfeinert mit frischen Champignons, Speck und Röstzwiebeln. Die interessante Kreation schmeckt mit einem Wort: ausgezeichnet. Auch der süße Abschluss verfügt sowohl geschmacklich als auch optisch über das „gewisse Etwas“. Den Mittelpunkt bildet ein hausgemachtes Espressoparfait, das von Schokomus, lockerem Amarettoschaum, frischen Ananas, Orangenfilets und gerösteten Mandeln umringt wird – ein wahrer Genuss.

Fazit:

Das Landgasthaus „Zur Sonne“ überzeugt mit einer äußerst schmackhaften gehobenen, regionalen Küche und liebevoll dekorierten Räumlichkeiten – sehr empfehlenswert.

Landgasthaus Zur Sonne
Kißlegger Straße 25, 88239 Wangen-Leupolz
Tel. +49 (07506) 1399, Fax 951 050, www.sonne-leupolz.de
Öffnungszeiten: November – April: Mi. – Fr. ab 17 Uhr, Sa., So. 10 – 14 Uhr und ab 17 Uhr
Mo., Di. Ruhetag (außer an Feiertagen); Mai – Oktober: Mi. – Fr. 10 – 14 und ab 17 Uhr, Sa., So. ab 10 Uhr durchgehend;
Hauptgerichte: ab ca. 13 Euro

Text und Bilder: Bettina Haller