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Gastro-Test Juni 2009

RESTAURANT

RESTAURANT "NEW MEXICO"

(D-Lindau) Seit einiger Zeit schlägt das Herz der Lindauer Insel mexikanisch: Mitten in der Schafgasse hat sich nämlich das Restaurant „New Mexico“ niedergelassen und erfüllt auf zwei Etagen alle mexikanischen Bedürfnisse, oder was ein deutscher Gaumen darunter versteht. Will heißen: etwas zu mild und brav, um authentisch zu sein. Macht aber nichts – denn für eine gemütliche Fiesta zur Abendstunde mit mittelamerikanischem Flair reicht es allemal.

Der Gastraum lebt vom Farbton roter Erde. Ein paar Sombreros nebst Gitarre an den Wänden verbreiten mexikanische Folklore. Leider auch die Musik, die im Hintergrund zur Zeit dieser Niederschrift nicht selten nervig vor sich hindudelt und dem Gast zeitweise das Gefühl gibt, in einer Zeichentrickfolge von Speedy Gonzales gefangen zu sein. Und da ist sie auch schon – die schnellste Maus von Mexico: der Kellner, der blitzartig mit der Speisekarte angesegelt kommt und rasch nach den Getränkewünschen fragt, sodass keine Zeit bleibt, um die Auswahl auf der Karte zu prüfen. Doch die Liste ist ohnehin nicht sehr lang: Ein internationales Weinangebot zählt etwa ein Dutzend Vertreter ohne beachtenswerte Namen. Dagegen fällt die Cocktailkarte wesentlich üppiger aus – für Lindauer Verhältnisse fast schon eine kleine Offenbarung. Die Nachbarn der angrenzenden Tische genießen optisch äußerst gelungene, sehr großzügig bemessene Pina Coladas, Mojitos und Margaritas zu noch angemessenen Preisen. Aber zum mexikanischen Essen kann ein mexikanisches Bier nicht so falsch sein. Die Vorspeise besteht aus mit Käse überbackenen Nachos und dreierlei Dips sowie Jalapenos. Die Portion ist mehr als üppig und macht spielend zwei hungrige Gringos satt. Die Nachochips sind knusprig, der Käse etwas fad, dafür zieht er schicke Fäden. Die Jalapenos fühlen sich auf der Zunge weich und matschig an, zeichnen sich aber durch eine fordernde Schärf aus. Das Dip-Trio besteht aus Guacamole, Chilisauce und Sauerrahm-Creme. Diese Saucen begleiten im Prinzip jeden Gang und werden daher spätestens bei der Hauptspeise ein wenig langweilig. Nichtsdestotrotz sind sie doch recht schmackhaft. Zum Burrito (eine mit Hähnchenfleisch gefüllte Teigrolle mit Bohnenpaste) passt besonders die Chilisauce, denn das Innere des Burritos hat nicht gerade viel Feuer. Ähnliches gilt für den Reis, der rot und kernig als Beilage dient und aufgrund der nicht vorgewärmten Teller dem Geschmack schnell die kalte Schulter zeigt. Gut hat es da, wer sich für die Fajitas entscheidet. Kleine Teigfladen, die der Gast selber füllen darf – zum Beispiel mit Rindfleisch und Paprikagemüse vom heißen Stein: Satt und kraftvoll brodelt der Duft in die Nase, das Fleisch ist weich und von einer dunklen Marinade umhüllt. Geschmacklich sehr gelungen und effektvoll mit viel Zischen serviert. Ein versöhnliches Gericht, das gerade genug Spaß macht, um über die Tatsache hinweg zu helfen, dass es außer Eisbechern von der Stange keine hausgemachten Desserts auf der Karte gibt. Darüber sind die Amigos am Tisch ein bisschen traurig und trösten sich mit einem fruchtigen Cocktail von allerfeinster Güte.

Fazit: Viele Sattmacher und leckere Sachen, die sich als Fingerfood eignen. Die heimlichen Stars des mexikanisch angehauchten Betriebes sind aber die Cocktails..

Restaurant Cocktailbar New Mexico, Schafgasse 10, 88131 Lindau, Tel.: +49 (08382) 504 41 06, www.newmexico-lindau.de, geöffnet täglich 17 – 2 Uhr, im Sommer: 10 – 2 Uhr, Hauptgerichte: 9 – 17 Euro.

Text: Erich Nyffenegger

Il Boccone

Il Boccone

(D – Konstanz) In Konstanz ein neues Restaurant aufzumachen, ist sicherlich ein Wagnis. Tilo Irmisch und Thomas Weber haben dies nicht nur im LAGO mit dem „Deli“ getan, sondern nun auch – noch größer – mit dem „Il Boccone“ in der Bodanstraße. Es sei „ein in Deutschland einzigartiges italienisches Restaurant“. Das klingt verheißungsvoll. Also schau’n wir mal!

Wer das „Il Boccone“ zum ersten Mal betritt, mag vielleicht etwas enttäuscht sein, versprüht das weiße Mobiliar des Erdgeschosses doch eher Eisdielencharme. Aber dann sehen wir sie – die Treppe!! Edles Holz, acht Meter breit und sogar mit der Möglichkeit, kissengebettet einen Drink zu nehmen. Sie zieht einen magisch in den ersten Stock, und mein erster Gedanke war: „Nun ist Konstanz doch eine Großstadt geworden! Wer will noch nach Berlin?“ Ein großer Raum empfängt uns im Obergeschoss, hell, noch edler, da mit großem Kamin und Platz genug für über 100 Gäste. Wir werden freundlich empfangen und zu unserem Platz geleitet. Die Karte bietet genug Auswahl für etliche Besuche, ohne aber zuviel anzubieten, so dass Zweifel an der Frische der Ware aufkommen könnten. Auch das Weinangebot bietet aus allen Teilen Italiens genügend Abwechslung zu annehmbaren Preisen. Bei unserem ersten Besuch probierten wir u.a. eine italienische Gemüsesuppe, die fast wie bei der sprichwörtlichen italienischen Mamma schmeckte – gemüsegesättigt, kräftig und der Geschmack der unterschiedlichen Bestandteile noch unterscheidbar. Das Vitello Tonnato hingegen – immerhin für 8,80 Euro – war nicht zu beurteilen, da der Bisskontakt sowohl mit dem Kalbfleisch als auch mit der Thunfisch-Kaperncreme mich blitzartig an den überfälligen Zahnarztbesuch erinnerte. Da naschte ich doch lieber bei meiner Begleitung vom vorzüglichen Büffelmilchmozzarella mit lauwarmen Kirschtomaten. Leicht säuerliche Pomodorini treffen auf sehr gutes fruchtiges Olivenöl und cremigen Mozzarella. Da stimmt der Kontrast bei Aromen wie Konsistenz. Als der Teller schon fast leer war, kam auch endlich das selbst- aber zu kurz gebackene Brot. Dies war leider symptomatisch bei zweien unser insgesamt drei Besuche: Man wird von zu vielen Kellnern bedient, die öfters mal das Falsche bringen, Tische verwechseln oder einen schlicht vergessen. Mundfaule blasierte Kellner, der deutschen Sprache nur eingeschränkt mächtig, gibt es ebenso wie die freundlichsten Bedienungen in Konstanz. Doch zurück zum Kulinarischen. Auch bei der Pasta und den Hauptgängen gemischte Gefühle. Der Ossobuco war hervorragend. Mürbes, aber nicht zerfallendes Fleisch, sehr gut gewürzt auf nicht zu fester Pasta. Die Ravioli mit Ochsenschwanzfüllung (stolze 11, 80 Euro) gaben geschmacklich nicht viel her und waren darüber hinaus am Rand nicht durchgegart. Ähnlich zwiespältig der Eindruck bei den Lammvariationen. Filet und Lammkotelett waren fast perfekt, Risotto cremig, Rotwein-Feigensauce passte wunderbar, aber darin ein paar noch rohe, harte Apfelschnitze. Hier wäre eine Hitzebehandlung angemessen gewesen.
Fazit: Gelungene Gerichte wechseln sich mit Kochfehlern ab, die aber behebbar sind. Der Service muss in der Qualität homogener werden, und vielleicht kann man auch etwas an der Akustik tun. Dann werden sich die zahlreichen Gäste noch wohler fühlen.

IL BOCCONE
Bodanstraße 20-22, 78462 Konstanz, Tel. 07531 2846744, www.ilboccone.de.
Geöffnet: Montag – Sonntag 10.00 – 1.00 Uhr. Warme Küche durchgehend 11.00 – 23.30 Uhr.
Hauptgerichte 16-27 €

Text: Henry Gerlach

Landgasthof Brauerei Keller

Landgasthof Brauerei Keller

(D – Überlingen-Lippertsreute) Im Frühjahr ist der Garten des Landgasthofs Keller, zwischen Überlingen und Heiligenberg, allein schon eine kleine Reise wert. Wir kommen natürlich nicht nur wegen der ländlichen Idylle und der Luft, die betörend nach allerlei Blüten duftet, sondern vor allem wegen der kulinarischen Genüsse, die Slow-Food-Koch Markus Keller zu bieten hat.

Man sitzt hier wirklich großartig unter den blühenden Kastanien. Die Speisekarte lässt auf einen sehr puristischen Koch schließen: hausgemachte Felchen- und Lachsforellenmatjes mit Kräuter-Sauerrahmdipp, selbstgeräucherter Speck und Rohschinken, selbstgemachte Lammwürste, Trüsche mit ihrer Leber, selbstgebackenes Brot. Die Felchen- und Lachsforellenmatjes bestellen wir als Vorspeiseportion und sind anschließend sehr froh, dass uns diese deftige und zugleich subtile Leckerei nicht entgangen ist: perfekt eingelegt, was man an der butterzarten Konsistenz, dem milden Zwiebelgeschmack und der gut balancierten Säure schmeckt, dazu ein leckeres Dipp – was will man mehr? Auch beim Teller mit Schinken, stark durchwachsenem Speck nach Art eines italienischen Lardos und mediterran eingelegtem Gemüse kommt richtige Freude auf: Der Rohschinken ist mindestens so gut wie sein berühmter Verwandter aus dem Aosta-Tal, das aromatische Gemüse, zweierlei Paprika und Zucchini, wird etwas von der Staudensellerie dominiert, als Kombination schmeckt aber alles richtig gut. Dazu mundet vorzüglich ein kräftiger Meersburger Bengel Spätburgunder Weißherbst vom Staatsweingut Meersburg, den wir von der eher übersichtlichen, jedoch ordentlich mit Seeweinen bestückten Weinkarte aussuchen. Trüsche, zudem mit ihrer Leber, ist mittlerweile eine seltene Delikatesse am See geworden, deshalb ist sie heute ein Muss. Und siehe – richtig frisch thront sie auf aromatischer Zitronenbutter im Geleit von besten Linzgauer Kartoffeln. Die Leber – ebenfalls perfekt zubereitet – erinnert in Geschmack und Konsistenz an feines Kalbsbries, nur dass sie eben vom Fisch stammt. Sensationell gut ist der darauffolgende Lammsauerbraten mit jungen Böhnchen und handgeschabten Spätzle. Der Braten saftig, die Sauce pikant mit Paprika gewürzt, die Spätzle einfach Klasse – luftig und mit viel Ei zubereitet wie zu Omas Zeiten. Die Böhnchen duften leicht nach Rauchfleisch, das wahrscheinlich im Sud mitkochen durfte. Auch von den Desserts sind wir keineswegs enttäuscht: die Rhabarber-Quarkmousse ohne Gelatine, die zwar nicht ganz so stramm steht, wie manche sogenannte Spitzenköche es gerne hätten, stimmt zusammen mit einem Erdbeerragout auf weitere Frühlingsgenüsse ein. Sie kommen in der Form einer leichten Panna Cotta mit Bourbon-Vanille auf erfrischend-säuerlichem Erdbeer-Rhabarbersößle. So tafelt man gerne im Frühling!
Fazit: Ein Bilderbuch-Landgasthof, authentische Produkte und wunderbare regionale Küche. Der Service von Ruth Keller steht den von Markus Keller gebotenen Köstlichkeiten in nichts nach.

Landgasthof Keller
Riedweg 2, 88662 Überlingen-Lippertsreute, Tel. 07553 82729-0, Fax 82729-101
, www.landgasthofbrauereikeller.de
Küche: Mittwoch – Sonntag 10 -14 Uhr und ab 17 Uhr, Ruhetag Mo. u. Di.
Hauptgerichte 8-18 Euro

Text: Gert Höcherl