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Gastro-Test Mai 2009

Restaurant Jungfern Burg

Restaurant Jungfern Burg

(D – Markdorf) Die „Jungfern Burg“ liegt fast im Ortszentrum, am Fuße des Gehrenbergs. Sie ist nach den drei Schwestern genannt, die in den 1920er Jahren hier eine Wirtschaft betrieben, der sie rest- und mannlos treu blieben. Im März 2006 übernahm ein junges Team mit internationaler Erfahrung das ehemalige Lokal der alten Jungfern: Marcelo Föhr am Herd und Kristine Brand im Service.

Als wir mitten in der Woche abends zu recht früher Stunde das urige und zugleich sehr gepflegte Restaurant betreten, sind alle Tische bis auf zwei reserviert. Kristine Brand, die vom Anfang an für einen tadellosen Service steht, begrüßt höflich und platziert die Gäste. Als Tagesangebot empfiehlt sie uns eine doppelte Kraftbrühe mit Flädle und Kräuterklößchen und Rinderragout mit Spätzle und Blattsalaten. À la carte wählen wir eine Curryschaumsuppe mit ausgebackener Riesengarnele und Zander auf Rahmsauerkraut mit Bratkartoffeln. Die Küche grüßt mit zweierlei frischem Baguette, Salzbutter und einem hervorragenden Kräuterschmalz. Die doppelte Kraftbrühe verdient zwar nicht ganz ihren Namen, da sie etwas in Farbe und Geschmack schwächelt, ist aber jenseits jeglichen Convenience-Verdachts. Die Curryschaumsuppe mit einer in der Tat gigantischen Garnele kommt uns zunächst etwas zu mild vor. Dann folgt aber die Überraschung: Unter der Kruste der Riesengarnele versteckt sich etwas Wasabi, der dem Ganzen erst den richtigen Kick verleiht. Der gut gebratene Zander auf raffiniert zubereitetem Rahmsauerkraut bringt uns zum Schwärmen, ebenso die Kartöffelchen der Beilage und die handgeschabten lockeren Spätzle zum Rinderragout. Das Ragout selbst besteht aus vielen leckeren, mürbe gekochten Fleischstückchen, einer fast zu kräftig ausgekochten Sauce und einem Klecks Sahne in der Mitte. Die Blattsalate dazu sind knackig, überhaupt nicht winterlich-bitter und mit einem dezenten Dressing angemacht. Alles ist großzügig portioniert, bodenständig und gut. Dazu trinken wir einen offenen Weißburgunder (Markgraf von Baden) und einen Cabernet Sauvignon aus Südwestfrankreich, den uns die Chefin empfiehlt. Die Desserts – ein zart schmelzendes Mangoparfait mit viel frischem Mangomark im Baumkuchenmantel und ein Ziegenfrischkäse mit süßer Kruste – bringen uns erst richtig zum Schmelzen. Beides würden wir wieder gerne nehmen, vor allem den Ziegenkäse mit Walnüssen, aromatischem Honig und einem exorbitant guten Basilikumsorbet. Auf die Schattenmorellen, die zwar einen schönen Farbtupfer auf beiden Tellern ergaben, verzichten wir jetzt schon. Ein elsässischer Marc de Gewürztraminer von Klipfel, vollmundig und edel wie der Zander auf Rahmsauerkraut, schließt das französisch-elsässische Genusskapitel und den Abend würdevoll ab.
Fazit: Ein sehr zu empfehlendes Restaurant mit Wohlfühlatmosphäre und lobenswertem Preis-Genuss-Verhältnis. Das junge Team macht einen rundum guten Job. Weiter so!

Restaurant Jungfern Burg
Untere Auen 2, 88677 Markdorf, Tel. 07544 740 913, Fax 740 912, www.restaurant-jungfernburg.eu
geöffnet Mi.-Mo. 11.30-14 und ab 17 Uhr, Ruhetag Di.,
Hauptgerichte 12 – 20 Euro, Menü 23 – 25 Euro, Mittagsmenü (außer So.) 14,50 Euro

Text: Gert Höcherl

Restaurant Koch & Kellner

Restaurant Koch & Kellner

(CH – Neuhausen) Der Rheinfall ist der Besuchermagnet schlechthin in Neuhausen. Uns aber lockt heute das erste Lehrlingsrestaurant der Schweiz, das schon im Gründungsjahr 2007 mit dem „Best of Swiss Gastro Award“, Kategorie Newcomer, ausgezeichnet wurde. Daniel Ciapponi, Gastgeber im „Schlössli Wörth“ am Rheinfall, ist Initiator des Konzepts. Er gibt seinen Lehrlingen die Chance, zu zeigen, was sie können. Wir sind gespannt, was sie daraus machen.

Hohe Erwartungen begleiten uns also nach Neuhausen. Von Lehrlingen werden wir schließlich nicht alle Tage bewirtet. Eine junge Kellnerin nimmt aufmerksam unsere Jacken entgegen und führt uns im schlichten, gemütlichen Ambiente zu Tisch. Die Karte verkündet eine übersichtliche aber verlockende Auswahl an regionalen Gerichten und erwähnt, dass der Hauptgang hier gewissermaßen abgeschafft wurde. Dafür bleibt den Gästen die Wahl zwischen vielversprechenden Gerichten, die gut als mehrgängige Menus kombinierbar sind. Kaum haben wir die Wünsche kundgetan, grüßen uns die Köche mit einem Amuse-Bouche, einer Augenweide aus Bärlauch-Kartoffelpüree in einem Nestchen aus Frühlingsrollenteig mit einer Krone aus Zwiebelsprossen. Wir sind verzückt, vom Häppchen ebenso wie von der Art, mit der die Kellnerin den offenen Wein stilsicher in der Flasche am Tisch präsentiert. Eine Schaffhauser Weißweinschaumsuppe macht dann den Anfang – fein schaumig aufgeschlagen, kräftig im Geschmack und bis auf eine überzählige Prise Salz ausgewogen abgeschmeckt. Die Küche verdient ein erstes Lob. Das gebratene Zanderfilet auf Zitronenrisotto mit Safranschaum knüpft hier tadellos an: Der Fisch ist perfekt gebraten, das Risotto mit bissfesten Körnern ideal getroffen und der Safranschaum gibt dem Ensemble eine frische Note, Rucola ergänzt es geschmacklich wie optisch. Kurzum, wir sind begeistert. Der Weißwein ist fein – wir bestellten auf Empfehlung einen Surprise aus der Kellerei Stamm in Thayngen – aber zum Risotto doch etwas zu fruchtig. Zum Schluss gibt’s hausgemachtes Tobleronemousse mit frischen Früchten. An der leichten, luftigen Konsistenz der Mousse-Nocken dürfen die Lehrlinge aber noch etwas üben. Sie ist zu fest und das Dessert insgesamt einen Tick zu süß geraten. Zum Espresso gesellen sich zwei Gebäckstückchen und wir sind rundum zufrieden.
Fazit: Es macht Spaß, sich von diesen hochmotivierten und charmanten Lehrlingen umsorgen und bekochen zu lassen. Sie haben uns überzeugt und wir können jedem empfehlen, nach einem Besuch am Rheinfall hier einzukehren.

Restaurant Koch & Kellner
Poststrasse 11, CH-8212 Neuhausen, Tel. +41 (0) 76 572 24 21, , www.kochundkellner.ch
geöffnet Do. – Sa., 10 – 22 Uhr.
Vorspeisen 7 SFr, Hauptgerichte 15 SFr, Desserts 8 SFr, Mittagsmenü inkl. Kaffee und Mineral 30 SFr

Text: Anja Neuberger