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Gastro-Test Januar 2009
Gasthaus zum Adler
(D – Leibertingen) Meßkirch, Beuron und Sigmaringen sind zwar ob ihrer Sehenswürdigkeiten überregional bekannt, glaubt man jedoch den einschlägigen Restaurantführern, gibt es dort kaum kulinarische Freuden. Auch die Burg Wildenstein, wenige Kilometer von Leibertingen entfernt, ist ein attraktives Ausflugsziel. Dort solle man unbedingt im Adler essen gehen, sagen die Einheimischen, und sie sollten es wissen …
Das Gasthaus gibt es schon seit über 300 Jahren, davon 150 im Besitz der Familie Biselli, die nebenan eine eigene Schnapsbrennerei betreibt. Die urige und sehr gepflegte Gaststube strahlt eine heimelige Atmosphäre aus, die Karte überrascht mit Vorspeisen wie Gänseleberterrine an Quitten-Chutney oder Blattsalate mit gebratener Wachtel. Die ordern wir sofort und werden nicht enttäuscht. Die luftig-leichte Terrine, in smarte Dreiecke geformt, ist handwerklich gut gemacht und fern von jeglichem Convenience-Verdacht, wenn auch die Portion etwas übersichtlich wirkt. Etwas später, angesichts der üppigen Hauptgerichte, werden wir dies kaum noch bereuen. Die Wachtel, zart rosa an Rosmarin gebraten und in gabelgerechte Stücke pariert, liegt auf kleinen appetitlichen Inseln vom Balsamico und Eigensaft an den Rändern eines knackigen Salatbouquets. Nur das hausgemachte French Dressing, das beide Salatvariationen kleidet, will nicht ganz mit diesen geschmacklich doch sehr unterschiedlichen Köstlichkeiten harmonieren. Die Hauptgänge sind über jeden Zweifel erhaben, das Saisongemüse top gegart, und die hausgemachten Spätzle ein Genuss. Selten haben wir solch zarte feine Streifchen von der Rehkeule mit leichter, fein abgeschmeckter Sahnesauce und frischen Steinpilzen gegessen. Auch die tadellos gebratenen Wildschweinkoteletts von bester Qualität, die mit Rahmwirsing und Semmelknödel auf dunklem Jus gereicht werden, sprechen dieselbe Sprache: Hier steht einer hinterm Herd, der wirklich gut kochen kann! Die Weinkarte bietet die Sortimente einiger regionaler Spitzenerzeuger wie Kress, Clauss oder Dr. Heger nahezu vollzählig an, es findet sich auch ein Sassoaloro von Biondi Santi. Das Angebot offener Weine ist recht überschaubar, wir lassen uns die zum Essen passenden Tröpfchen vom Chef und Koch Peter Veeser empfehlen: einen köstlichen Weißburgunder von Clauss und einen Cabernet aus Südwestfrankreich, der sich für einen offenen als ein richtiger Kracher erweist. Ein leckerer Dessertteller mit Schokomousse, exzellentem Nougatparfait und einer superben Hagebutten-Quark-Mousse, von der Chefin Claudia Biselli-Veeser zubereitet, sowie ein winterlich nach Marzipan schmeckender hausgebrannter Schlehengeist schicken uns glücklich nach Hause. Fazit: Nach diesem Essen wundert es uns sehr, dass gerade bei den Gault-Millau-Testern, die angeblich eine Schwäche für gute Landgasthöfe haben, dieser Punkt auf deren Matrix bisher gänzlich leer blieb.
Gasthaus zum Adler
Kreuzbühl 1, D-88637 Leibertingen, Tel. 07466 318, Fax 910 084, gasthauszumadler@t-online.de, www.adler-leibertingen.de
geöffnet Do.-Mo. 11.30-14, 17.30-24 Uhr, Mi. 17.30-24 Uhr, Ruhetag Di., im Jan.-April Ruhetage Di. und Mi.
Hauptgerichte 11-18 Euro, Menü 42 Euro
Text: Gert Höcherl
Restaurant Schloss Seeburg
(CH-Kreuzlingen) Keine Frage – der Kreuzlinger Seeuferpark am Südufer der Konstanzer Bucht hat sich zu einem der attraktivsten Erholungsgebiete am Bodensee entwickelt. Vor etwa 50 Jahren hat die Stadt Kreuzlingen in einem damals umstrittenen Entscheid das großflächige Areal erworben und seitdem ganze Arbeit geleistet. In der Mitte des Parks thront die über 400 Jahre alte imposante Seeburg, in deren Mauern sich ein feines Restaurant etabliert hat.
Küchenchef Ernst Graf, kulinarisch orientiert an der Escoffier-Schule, hat den guten Ruf dieser charmanten kulinarischen Adresse geprägt, deren Qualitäten auch der Guide Michelin und der Guide Bleu zu schätzen wissen. Mit dem neuen Sous-Chef Rainer Bruppacher, soll er einen Glücksgriff gemacht haben, und so sind wir neugierig geworden. Zum Einstieg nehmen wir ein Geflügelleberparfait an Salatbouquet mit Preiselbeer-Relish und eingelegten schwarzen Baumnüssen. Geschmack und Konsistenz sind perfekt, der süß-saure Kontrast wird durch das feine Gelee am Rande, die Preiselbeerfrucht und die kernigen eingelegten Nüsse gut balanciert. Die Waldpilzcremesuppe, fein sämig, dezent gewürzt und von betörenden Steinpilzaromen geprägt, steht als Geschmackserlebnis dem hausgemachten Parfait mit den raffinierten Beigaben in nichts nach. Von der gut bestückten Weinkarte, bei der neben den üblichen hochkarätigen Verdächtigen wie Château Lafite Rothschild, Sassicaia und Tignanello auch (nota bene!) ein Hermitage „La Chapelle“ von Jaboulet Ainé 1996 für ca. 130 SFr bereitsteht, wählen wir einen Chianti Riserva 2001 von Poggio al Sole aus der Lage Casasilia, der uns für 57 Franken als echtes „Schnäppchen“ erscheint. Tatsächlich bekommen wir den tadellos schmeckenden „einfachen“ Annata desselben Weingutes. Mâitre Adrian Nufer, der für einen persönlichen, charmanten und alles in allem perfekten Service steht, überspielt den Fauxpas gekonnt: Auf unsere vorsichtige Frage, ob dies denn der Lagenchianti sei, meint Herr Nufer, es gäbe nur diesen im Hause, er sei ein DOCG, und wir hätten eine exzellente Wahl getroffen. Zu Tisch geht es auch souverän bis exzellent weiter: mit dem zarten Sauerbraten mit gelben Rübchen und feinen Nüdeli vom Mittagsmenü und einem gefüllten Kaninchenrücken, begleitet von einer genialen Merlotjus, perfekt zubereitetem Blattspinat und knusprigen Plätzchen von grobkörniger Bramata-Polenta. Von diesem Hauptgang à la carte schwärmen wir immer noch und würden ihn immer wieder bestellen. Auch beim Nachtisch hält die Küche ihr hohes Niveau: Die Crema catalana mit markanter Moccanote und die Mousse au Chocolat auf Vanillesauce sind zugegebenerweise keine Dessertneuheiten, jedoch perfekt zubereitet und Genuss pur. Fazit: Historisches Ambiente, gepaart mit familiärer Atmosphäre und französisch inspirierter Küche auf sehr hohem Niveau. Momentan eine der besten Adressen im Raum Konstanz-Kreuzlingen.
Restaurant Schloss Seeburg
Seeweg 5, CH-8280 Kreuzlingen
Tel. 071 688 4775, Fax 071 688 4763, info@restaurant-seeburg.ch, www.restaurant-seeburg.ch
Geöffnet: Sept.-Mai: Do.- Mo. 11-24 Uhr, Juni-Aug.: Mi.-Mo. 11-24 Uhr, Nov.-Jan.: Mo. u. Do. 14-17 Uhr geschlossen
Hauptgerichte 22 – 52 SFr, Menü 61 – 84 SFr
Text: Gert Höcherl


