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Gastro-Test August 2008

Gasthaus Löwen

Gasthaus Löwen

(D – Frickingen-Altheim) Der über 400 Jahre alte Gasthof liegt unweit von Heiligenberg am Ortsrand von Altheim neben einer Schafswiese. Im Sommer duftet die Luft nach Wiesenblumen, Heu und Kräutern, man hört das Blöken der Lämmer. Das Anwesen inmitten ländlicher Idylle bereitet nicht nur Naturliebhabern echte Freuden. Seit vielen Jahren gilt Isolde Pfaffs Löwen als eine der besten Adressen für bodenständige kulinarische Genüsse im Linzgau.

Wir nehmen Platz im schattigen Garten auf kuscheligen Schafsfellen, die auf urig knarzenden Holzklappstühlen liegen. Die herzliche Bedienung lässt nicht lange auf sich warten und reicht die handgeschriebene Speisekarte. Als Einstieg dienen uns ein paar hausgemachte Lachsmaultäschle an Dillrahm, danach etwas auf mediterrane Art eingelegtes Gemüse. Die Maultäschle könnten so manchen Italienern, die oft hierzulande auf mehr oder weniger gute Traiteurware setzen, zeigen, wo es im Linzgau langgeht. Beim dünnen Teig wird nicht an Ei gespart, die Konsistenz der Füllung stimmt, lediglich das Rauchlachsaroma ist uns eine Spur zu kräftig. Das „Sößle“, eine feinsinnige Verbindung von Fischfond, feinster Sahne und frischem Dill schmeckt natürlich und passt bestens dazu. Das mediterrane Gemüse, hauptsächlich Zucchini, Paprika und Zwiebel, zuvor leicht gedünstet und dann süß-säuerlich abgeschmeckt, hat Biss und besticht durch angenehm dezente Knoblauchnoten. Dazu ein exzellenter Rosé 2006 von Thomas Geiger aus Meerburg, farblich dem regionaltypischen Weißherbst recht nahe, im Geschmack rassig wie ein guter Franzose von der Loire. Die 0,5-Liter-Flasche für 12 Euro kann schon fast als Schnäppchen auf der eher günstig kalkulierten Weinkarte bezeichnet werden, die von regionalen Weißweinen dominiert wird, in Sachen Italien und Frankreich jedoch als ausbaufähig erscheint. Freude macht auch die fangfrische, saftige und auf den Punkt gegarte Lachsforelle aus dem Salemer Tal mit leicht rahmigem, aromatischem Spinat und feinen Nüdeli. Die kräftige, stark gebundene Estragonsauce erscheint beim ersten Versuch aufgrund ihrer ausgeprägten Säure als etwas grenzwertig für sensible Gaumen. Der etwas süßliche Eigengeschmack des Estragons stellt jedoch einen eigenwilligen Kontrast her und führt zu einem interessanten Aromenspiel. Simpel, aber sensationell gut das darauffolgende junge Lammnierle, fein pariert und mit Balsamico und Rotwein abgelöscht. Dazu dünn geschnittene, butterzarte Bratkartoffeln, die nach Kartoffeln pur und nicht etwa nach Fett oder bitteren Röstaromen schmecken. Wir schwärmen immer noch von der Crème Brûlée und den dazu gereichten eingelegten Himbeeren, die man auf dem Markt einfach nie in dieser Qualität bekommt.
Fazit: Hervorragende Produkte, viel Geschmack und eine im besten Sinne gehaltvolle regionale Küche, die teilweise mediterran angehaucht ist. Die kochende Löwenwirtin hält, was ihr guter Ruf verspricht.

Gasthaus Löwen
Hauptstraße 41, 88699 Frickingen-Altheim, Tel. 07554 8631,
Küche Dienstag – Samstag ab 18 Uhr, Sonntag auch 11.30 -14 Uhr, Montag Ruhetag,
Hauptgerichte 7 – 17 Euro

Text: Gert Hoecherl

Gasthof Friedrichshöhle

Gasthof Friedrichshöhle

(D – Hayingen-Wimsen) Vor dem Gasthof Friedrichshöhle plätschert die Aach und auf einer schwarzen Tafel steht geschrieben, wer hier der Gastgeber ist: Familie Tress.

Das kulinarische Repertoire der Friedrichshöhle ist breit gefächert: Es reicht von Suppen und Co., wie der feinen Rieslingsuppe (4,50 Euro) über Klassiker wie „Forelle blau“ (12,90 Euro) oder „Müllerin“ (12,90 Euro) bis hin zu den Leckereien der Feinschmeckerküche. Dieser Gerichtemix wäre nicht neu, würde die Familie Tress nicht voll auf Bio setzen. Und das gilt nicht nur für die vielen Forellen, die im klaren Wasser vorm Haus ihre letzten Kapriolen schlagen, sondern auch für die ausgewählten Bioweine, wie dem spritzigen 2006er Neumer Bio-Weissburgunder zu 3,50 Euro das Viertele, die auf der Terrasse serviert werden. Mit leichter Hand werden hier exquisit und gesund zubereitete regionale und leichte, mediterrane Gaumenfreuden serviert, die nichts mit dem angestaubten Ökoimage zutun haben. Dabei bringen die Erfahrungen, die Küchenchef Christian Niebisch und sein Team in bekannten Häusern gesammelt haben, viel Abwechslung und großen Genuss; und davon kann man sich bei der saftigen Roulade von der oberschwäbischen Bauernpute an Currysauce und Broccoli-Tagliatelle-Nudeln (9,90 Euro) ebenso überzeugen wie beim mit Pilzen gefüllten, deftigen Schweinerücken mit cremigen Karotten-Kohlrabi-Gemüse und hausgemachten Spätzlen (9,50 Euro). Unschlagbar ist die Bio-Qualität beim Fleischgenuss. Der geschmackliche Unterschied zwischen Turbomast und artgerechter Haltung ist so gross, dass man nichts anderes mehr essen möchte. Das Gleiche gilt für die kross gebratenen, feinen Amaranth-Plätzchen auf frischer Rataouille (8,50 Euro) – und nicht zuletzt das Bio-Eis, das für alle Gäste immer ein gelungener Abschluss ist. Die Friedrichshöhle ist nicht nur Restaurant, sie bietet auch Naturerlebnisse: einen schönen Blick über die Aach und ideale Erfrischung in hitzigen Zeiten. Nicht weit entfernt ist die Wimsener Höhle zu besichtigen, die einzige mit einem Kahn befahrbare Höhle Deutschlands und ein Muss für jeden Abenteurer.
Fazit: Bezahlbare Kost mit Produkten aus kontrolliert ökologischem Anbau. Ein Kleinod für alle, die eine geschmacksintensive Küche erleben und sich dabei auch noch gesund ernähren möchten. Alles passend und so dezent abgeschmeckt, dass es nicht nur für das gute Gewissen eine wahre Freude ist.

Gasthof Friedrichshöhle, Wimsen 1, 72534 Hayingen-Wimsen, www.wimsen.de
Tel. +49 (07373) 915 260, Fax 915 378
Öffnungszeiten: täglich warme Küche 11.30 – 19.30 Uhr, Mitte März – Ende Oktober

Text: Daniela Brüggemann

Kesselhaus Vorstadt Beisl

Kesselhaus Vorstadt Beisl

(A – Bregenz) Vorarlberg war eine textile Hochburg, vielerorts zeugen heute leerstehende Strickereien und Webereien vom Glanz alter Zeiten, als Garne und Stoffe aus dem Bregenzer Raum ganz Österreich und sogar Europa kleideten. Die Zeiten sind vorbei. Die Textilarbeiter sind lange schon weg – was übrig geblieben ist, sind Industrieareale, die entweder zerfallen oder von mutigen Investoren einer neuen Nutzung zugeführt werden. Mit dem Projekt „Schöller 2 Welten“ im Bregenzer Westen ist letzteres gelungen. Wichtiges Element des neuen schicken Wohn-, Einkaufs- und Arbeitsareals ist das Kesselhaus.

Der Bau wirkt wie ein Klotz, eine riesige Fensterfront lässt Licht in das post-industrielle Gebäude-Überbleibsel aus dem frühen 20. Jahrhundert. Schwarze Tische verteilen sich luftig im Raum, eine ebenso schwarze Stahltreppe führt nach oben zur Galerie, eine lange Bar in deren Hintergrund eine Tür in die Küche führt, ist die Schaltzentrale dieses gastronomischen Großversuchs. Die Macher versehen das Kesselhaus mit dem Prädikat „Vorstadt Beisl“ und erinnern damit an die Wiener Beisl-Tradition. Ein genauerer Blick in die Speisekarte stützt diese Einordnung, denn typische Gerichte aus der Wiener Küche versprechen zünftige Hausmannskost: Schnitzel, Gulasch, Flädlesuppe, Rostbraten. Die große Auswahl an Salaten und das Angebot an leichten Gerichten bringt den Leser der Speisekarte schnell wieder zurück ins Hier und Heute, wo man mit üppigen Klassikern mit reichlichen Sättigungsbeilagen der modegerechten Taille wegen eher vorsichtig umgeht. Ganz besonders gilt das mittags, denn ein schneller Lunch soll den restlichen Arbeitstag nicht mit anstrengender Verdauung belasten. Ein bisschen schade nur, dass man im Kesselhaus zur Mittagszeit neben den zwei Gerichten des Tagesmenüs kaum eine Wahl hat – die große Karte gilt nur abends. Macht aber nix, denn der Petersfisch mit gebuttertem Reis nebst Zitronen-Kapernsauce ist ein guter Indikator für Qualität. Der Meeresfisch hat sich auf dem Grill gut entfalten können und schenkt den Geschmacksnerven jetzt ein kleines Fest – zarte Konsistenz, keine Gräten. Für das samtige Aroma sorgt die sahnige Sauce (nicht zu üppig dosiert), deren Charakter herb-säuerlich überzeugen kann. Der gedämpfte Broccoli hingegen ist weich, fad und schmeckt nach Gemüsewaschwasser. Da gehört mehr Geschmack dran. Beim Griechischen Bauernsalat, der als vegetarische Alternative im Mittagsangebot steht und einen blendenden Eindruck hinterlässt, hat das ja auch geklappt. Schafskäse satt, Oliven, Gurken, Tomaten und eine schlichte Vinaigrette. Tadellos und famos. Selbige Qualitäten zeichnen auch den Salat mit Hähnchenbrust aus, der über eine Fülle richtig gut gemachter Gemüsesalate verfügt. Und womit lässt sich so ein locker-leichtes Lunch-Erlebnis beschließen? Der Schoko-Kokoskuchen liefert die betörende Antwort: So süß hat Kuchen selten geschmeckt – schwer und klebrig liegt er neben einem Klecks Sahne und wäre er auch nur ein paar Zentimeter größer, er würde den Blutzuckerspiegel in schwindlige Höhen schnellen lassen. So aber ist er gerade recht, um nach einer Pause auf edel-süße Weise wieder den Arbeitsalltag einzuläuten.
Fazit: Das Kesselhaus mit seinem post-industriellen Charme bringt coolen Chic in die Vorstadt und eine bodenständige bis leichte Küche mit Wiener Hauch in den Magen. Ein gastronomisches Kunststück mit Zukunft.

Kesselhaus Vorstadt Beisl
A-6900 Bregenz, Maria-Hilf-Straße 29, Tel. 0650 803 19 68,
, www.schoeller-2welten.com
Geöffnet Montag – Freitag 10.30 – 24 Uhr, Samstag 18 – 24 Uhr, sonn- und feiertags geschlossen
Hauptgerichte 8 – 19 Euro, Mittagsmenü 7,20 Euro

Text: Erich Nyffenegger