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Gastro-Test Juli 2008

Holzinger’s Pavillon

Holzinger’s Pavillon

(D – Singen) Direkt an den Plätzen des Singener Tennisvereins liegt das Café-Restaurant Holzinger’s Pavillon. Von kaum einem anderen Punkt in Singen bekommt man einen so imposanten Blick auf die attraktive Süd-Ost-Seite des Hohentwiels geboten.

Holzinger’s Pavillon ist regional bekannt durch aufwändige Caterings. Wir interessieren uns heute jedoch für das à la carte-Angebot der Küche im hölzernen Pavillon. Es ist früher Abend, der Gastraum ist bereits beachtlich gefüllt. Das Publikum ist bunt gemischt: Sportler in Trainingsanzügen, junge Männer beim Bier, gepflegte Damen, die wohl wegen der hausgemachten Kuchen und Torten hier sind. Wir bestellen von der überwiegend regionalen Weinkarte einen Spätburgunder Weißherbst vom Weingut Engelhof – immer wieder eine gute Wahl. Die Speisekarte bietet einen klassischen Mix von Blattsalaten über Wurstsalat und Bratwürste, bis hin zu „Holzinger’s Fischtöpfle“, Cordon bleu vom Schweinerücken und Zwiebelrostbraten. Wir starten mit einer „klaren Kraftbrühe mit Flädle“, die uns deutlich vor Augen führt, dass wir uns in der Maggi-Hauptstadt befinden. Die grenzenlos überwürzte glutamatlastige Brühe mit ihren optisch, wie sensorisch blassen Flädle scheint wohl eher für elektrolythungrige ausgelaugte Sportler konzipiert zu sein als für Feinschmecker. Einziger Lichtblick: die fein parierte eingelegte Karottenbrunoise und einige gehackte Kräuter. Der flinke und versierte Service bringt unsere Hauptspeisen und den sehnsüchtig erwarteten Durstlöscher, eine große Limo. Die „Blattsalate und Rohkostsalate mit gebackenen Zanderfiletknusperle“ meiner Begleiterin sind frisch und knackig, allerdings etwas eintönig: Wir können lediglich eine Blattsalatsorte und zwei Rohkostsalatsorten ausmachen. Da ist der Plural kaum gerechtfertigt. Meine Begleiterin erkundigt sich beim Service nach der Basis, der doch etwas schwer geratenen Salatsauce und erhält die etwas schnippische Antwort, dass es sich um eine Mayonnaise-Sauce handle. Die wiederum passt hervorragend zu den Zanderknusperle, die zwar TK-Ware, aber zart, saftig und aromatisch sind. Ich habe mich für das „Rumpsteak vom Allgäuer Weiderind mit hausgemachter Kräuterbutter und Pommes frites“ entschieden. Das Rumpsteak, dem der typische Fettrand abhanden gekommen ist, weist eine homogene rosa Fleischfärbung auf und ist angenehm saftig und aromatisch. Die eingetrockneten Fleischränder und die Fleischstruktur lassen jedoch auf einige Warmhalte-Runden in der Warteschleife schließen. Die goldgelben zart-knusprigen Pommes hingegen sind heiß und tadellos. Bei der etwas phantasielosen blanchierten Gemüsebeilage (Karotten, Erbsen, Blumenkohl) schließe ich die Augen und könnte sie – hätten die drei Gemüsesorten nicht unterschiedliche Erscheinungsformen – kaum voneinander unterscheiden, so geschmacklich nivelliert sind sie. Gesättigt, aber kulinarisch etwas frustriert, spazieren wir zurück in den blühenden Singener Stadtpark.

Fazit: Auch wenn der technische Fortschritt viel Segensreiches mit sich brachte, würde ich mir nach einem Abend wie dem heutigen wünschen, die Tiefkühltruhe, der Kombidämpfer und der Hold-O-Mat wären nie erfunden worden.

Holzinger’s Pavillon
Schaffhauserstraße 35, D-78224 Singen, Tel. +49 (0) 7731 184260, Fax 62913, geöffnet Mo. und Di. ab 14 Uhr, Mi. bis Fr. ab 11 Uhr, Sa./So. ab 10 Uhr, Hauptgerichte 8 – 17 Euro.

Text: Peter Arweiler

Gasthaus Kreuz

Gasthaus Kreuz

(D – Singen) Obwohl das Gasthaus Kreuz im Haus des Singener Kulturzentrums Gems einen der schönsten Biergärten der Stadt hat, ist sein Ruf nicht gerade der beste. Es geht die Mär um, dass man hier bei laufendem Betrieb verdursten könne ohne, dass die Bedienung dies bemerke.

Das wollen wir sehen und machen die Probe aufs Exempel. 19.28 Uhr: Ankunft im Biergarten. Wir finden schnell einen freien Tisch und studieren die Speisekarte. 19.33 Uhr: Getränkebestellung bei der erstaunlich flinken Bedienung. Wir sind überrascht! Wir schauen uns um. Im Garten sitzen etwa 20 Gäste. Alle haben zumindest ein Getränk vor sich stehen. 19.35 Uhr: Unsere Getränke kommen an den Tisch. Von so viel Geschwindigkeit überrumpelt, haben wir noch nicht einmal unser Essen gewählt. Wir bestellen „Zanderknusperle auf buntem Blattsalat und Sauce Rouille“, „Cannelloni mit Schafskäse-Blattspinatfüllung und Mozzarella überbacken“, „Brasilianisches Rumpsteak (200 g) mit Kräuterbutter, Pommes Frites und Beilagensalat“. 19.44 Uhr: Der bemerkenswert freundliche Service erreicht mit meinem zweiten Bier, Brot und Besteck unseren Tisch. Phantastisch! Wir sind begeistert. Obwohl das Bauernbrot nicht mehr ganz frisch ist, überzeugt es durch sein würziges Aroma. 19.46 Uhr: Fast zeitgleich erreichen uns die beiden Vorspeisen. Spätestens jetzt ist klar, dass die Singener Gastronomie-Geschichte neu geschrieben werden muss. Die übergroßen etwas „müden“ Salatblätter und die zwei schlappen Tomatenscheiben sind mit einem klaren leichten Essig-Dressing schmackhaft „aufgepeppt“, was jedoch den Salat leider auch nicht mehr rettet. Die Zanderknusperle sind zwar nicht hausgemacht, ihre knusprig-frische Panade und das saftige Innere munden trotzdem vorzüglich. Der Hit aber ist die Sauce Rouille – schaumig, cremig und grenzwertig scharf – einfach super! Kaum aufgegessen, stehen unsere Hauptspeisen vor uns. Wir beenden die Zeitnahme. Spiel, Satz und Sieg für den Kreuz-Service. Mein Gericht ist qualitativ durchwachsen. Die Pommes zwar gut zubereitet aber nahezu ohne Kartoffel-Aroma, das Rumpsteak etwas hart angebraten, aber geschmacklich erfreulich kräftig und mit einer sehr feinen hausgemachten Kräuterbutter unterstützt. Der Beilagensalat ähnelt dem Vorspeisensalat und ist zusätzlich mit maschinengeraspelten Karotten und Sellerie garniert. Das Ganze wirkt etwas lieblos und bewegt sich sensorisch im unteren Mittelfeld. Die Cannelloni meiner Begleiterin hingegen könnten glatt als das Produkt einer italienischen Mamma durchgehen. Die al dente gekochten Nudelteig-Röllchen umhüllen eine frische aromatische Blattspinatfüllung und sind mit leckerem Mozzarella gratiniert. Das Ganze schwimmt in einer kräftigen einreduzierten Tomatensauce der Extraklasse. Ein wirklich gelungenes Gericht – ein echter Gaumenschmeichler! Unser Blick zu den anderen Tischen streift zufrieden Gesichter mit satten Mäulern. Von verdursteten Gästen keine Spur.

Fazit: Das Gasthaus Kreuz ist erfreulicherweise besser als sein Ruf. Die Küche weist aber noch beachtliche Schwächen auf. Jedoch die Nähe zur neuen Singener Stadthalle und eine qualitativ gesteigerte Küche könnten das Gasthaus Kreuz zum Aufsteiger der Singener Gastronomie-Szene werden lassen.

Gasthaus Kreuz
Mühlenstraße 13, D-78224 Singen, Tel. +49 (0) 7731 67222, Fax 65528, , www.kreuz.diegems.de, geöffnet täglich 17.30-24 Uhr, warme Küche 18-23.30 Uhr, Hauptgerichte 5–14 Euro.

Text: Peter Arweiler

Restaurant „Trüffel“ im Hotel Kögel

Restaurant „Trüffel“ im Hotel Kögel

(D – Erbach) Im Hotel Kögel in Erbach herrscht eine entspannte, friedliche Atmosphäre – ein Refugium der Gastlichkeit und der Ruhe. Nicht einmal der Fußboden in dem in dekorativem Kirschbaum getäfelten Restaurant „Trüffel“ knarrt bei den Schritten der jungen Servicedame, die sympathisch die Gäste begrüßt und bestens berät.

Das Restaurant hat etwas Leichtes – trotz oder gerade wegen der „Grande Cuisine“, die der familiengeführte Betrieb seinen Gästen anbietet – und ist eine kulinarische Adresse, die Feinschmecker und Liebhaber guter Weine auf keinen Fall verpassen dürfen. Vielfach ausgezeichnet, bietet die Karte eine zeitgemäß leichte, frische und abwechslungsreiche Küche auf höchstem Niveau an. So stehen unwiderstehliche Verlockungen, wie die "Trilogie von Lotte-Medaillons, Garnelen und Jacobsmuscheln an einer Peperoni-Ingwersauce auf Spargelragout und frischen Quarkkartoffeln", "ausgelöste Wachteln, Tonkabohnen-Mousse auf Erdbeer-Rhabarber-Kompott" und ein Mehrgang-Menü auf der Karte. Das klingt nach französisch inspirierter Küche, nach oh là là und vor allem nach Gaumenfreuden, bei denen selbstverständlich schwäbische und vegetarische Gerichte nicht zu kurz kommen dürfen. Bereits der erste Biss von meiner knusprigen Dorade auf fruchtigem Papaya-Relisch (18,60 Euro) verrät, dass hier ein Koch am Werk ist, der die feinen, leisen Töne der Gourmetküche beherrscht und mit dem saftigen Entrecôte auf einer leichten Rotweinsauce mit Quarkbällchen und Broccolimousse (18,60 Euro) Geschmackswelten schafft, die Spitzenklasse sind. Für den Wein- und Spirituosen-Kenner mit anspruchsvollem Geschmack wird eine schwere, in Leder eingebundene Karte gereicht, auf der besondere Raritäten stehen, wie Ziegler No.1 und Patrice de Turckheim. Plötzlich wird die gehobene Gastronomie zu einem unbeschwerten Erlebnis und höchstem Genuss. Ins „Trüffel“ zu gehen bedeutet mehr, als nur seinen Hunger zu stillen. Ins „Trüffel“ zu gehen bedeutet, Essen mit allen Sinnen zu geniessen. Man spürt die Leidenschaft, mit der im „Trüffel“ gekocht wird. Der Koch, dem diese „große Küche“ seit nunmehr 35 Jahren bravourös gelingt, heißt Helmut Hansmeier, ein gebürtiger Westfale mit markanten Gesichtszügen, der sich sein Wissen in den besten Häusern der Schweiz erworben hat, bevor er 1985 gemeinsam mit seiner Frau das Hotel König in Erbach übernommen hat.

Fazit: Die Kreationen, die Helmut Hansmeier und seine Köche auf die Teller bringen, sind wie Wellness für den Gaumen, bis ins letzte Detail durchdacht und mit besten Produkten zubereitet.

Restaurant Trüffel, Hotel Kögel
Ehinger Str. 44, D – 89155 Erbach
Tel. 07305 8021, Fax 5084,
Sonntag Ruhetag

Text: Daniela Brüggemann