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Gastro-Test Juni 2008

Restaurant/Gasthaus Bären

Restaurant/Gasthaus Bären

(CH-Grub) Fährt man von St. Gallen Richtung Heiden, sieht man auf der rechten Straßenseite ein typisches Appenzeller Gasthaus. Man ist bereits im Appenzeller Land angekommen, aber vom schönen Garten aus ist der Bodensee fast zum Greifen nah. Gepflegtes Understatement herrscht in der Gaststube, im Stübli wird Gourmetküche angeboten, die der Gault-Millau-Gastroführer mit 15 Punkten bewertet.

Der Einstieg in den Abend ist mit einem Körbchen herrlich duftender heller und dunkler Brotsorten und einer frisch zubereiteten Tapenade aus Olivenmus und Thunfisch mehr als gelungen. Beim "Biedermeier-Menü" (vier Gänge zu 58,50 SFr) geht es weiter mit einem regional angehauchten Salat mit Appenzellerkäse- und Kartoffelwürfeln, der mit etwas Rauchfleisch garniert ist: simpel und gut. Dezent-klassisch schmeckt die darauffolgende Spargelsuppe. Aus einer ganz anderen Welt kommt die asiatische Vorspeisenvariation à la carte: Zwei saftige King Prawns von phantastischer Qualität, Lachssashimi und weißer Spargel an apartem Chilischotendressing sorgen für Begeisterung, ebenso der frisch angerührte Wasabi-Soya-Dip. Wesentlich weniger begeistert der Milchreis für die Sushi. Der Hauptgang des Biedermeier-Menüs ist bieder/meierlich geraten: Eine Enttäuschung ist sowohl das trocken-fasrige Zanderfilet mit seiner kaum wahrnehmbaren Thymiankruste als auch das scharf frittierte und leicht versalzene Röstigitter. Die reichlich gegarten Spargelstangen werden nicht bissfester dadurch, dass man sie längs halbiert hat. Jede Sünde wert hingegen ist das zartrosa gebratene Jungschweinfilet mit Rohschinken, frischen Morcheln, knackigem Gemüse und Rissoléekartoffeln. Es wird an einem Spiegel aus zweierlei Saucen gereicht, die eine geschmacklich und farblich harmonische Mariage eingehen: dunkel die Reduktion vom Eigensaft, hell der leichte Milchsahneschaum. Auch bei den Desserts bleibt der Klassenunterschied zwischen dem Menü und den Gerichten à la carte erhalten: ein ordentliches Minzköpfli mit frischen Erdbeeren gegenüber einer verführerischen Vanille-Crème-brûlée mit köstlichem Vanille-Honig-Sorbet. Klasse hat auch der Wein von Heini Haubensak aus dem nahen Altstätten, der u.a. auch Sauvignon Blanc anbaut – eine Rebe, die man eher von der Loire, aus dem Friaul oder der Neuen Welt kennt. Der spritzig-elegante Wein aus dem Rheintal steht keinesfalls dem bekannteren „Terre Alte“ nach, einem rassigen weißgekelterten Merlot aus dem Tessin.
Fazit: Im Bären lässt sich gut essen, die Weinpreise sind vernünftig, und der Service ist freundlich. Das Regionalmenü ist trotz Abstrichen beim Hauptgang von solider Qualität, die 5 Löffel vergebe ich für den Rest.

Restaurant/Gasthaus Bären
Halten 112, CH-9035 Grub AR
Tel. 0041 (0)71 891 13 55, Fax 071 891 63 09; www.baeren-grub.ch
Ruhetag So ab 22 Uhr bis Di 17 Uhr, Essenszeiten 12-13, 18-21 Uhr
Hauptgerichte 28-44 SFr, Menü 58-95 SFr

Text: Gert Hoecherl

Restaurant Jakobshöhe

Restaurant Jakobshöhe

(CH – Kreuzlingen) Seit mittlerweile zehn Jahren präsentieren Riccarda und Ulrich Kopp mit ihrer bescheidenen und ungemein angenehmen Art Schweizer Gastkultur auf hohem Niveau. Ort des Genusses: die Jakobshöhe in Kreuzlingen, mit ihrem etwas in die Jahre gekommenen, jedoch sehr gepflegten Ambiente.

Voller Erwartung besetzten wir einen sonnigen Tisch der Außenbestuhlung. Der See liegt zu unseren Füßen, und ein sachter Frühlingswind fächelt uns frische Blütendüfte zu. Wir stimmen unsere Gaumen mit einem leichten Müller-Thurgau vom Arenenberg ein. Der Minzezweig in der Wasserkaraffe parfümiert den universellen Durstlöscher mit einem ätherischen Hauch. Aus der etwas fischlastigen Karte wählen wir das Vegi-Menü und den Tagesteller. Und schon beschäftigt uns der Gruß aus der Küche, ein duftendes weich-sämiges Fischsüppli mit festfleischiger weißer Fischeinlage und feiner Gemüsebrunoise. Die rötliche Färbung des aromatischen Ölfilmes auf der Oberfläche lässt auf die klassische Tomatisierung schließen, wie bei einer Bouillabaisse. Die Tomatensäure verleiht der Consommé das gewisse Etwas. Ulrich Kopp beherrscht das Spiel mit der Säurebalance hervorragend, was auch bei der folgenden Hollandaise mit grünem und weißem Spargel und Kartoffeln deutlich wird. Die hausgemachte dicht-schaumig aufgeschlagene holländische Sauce ist hocharomatisch und pfiffig mit kräftiger Zitronensäure ausbalanciert. Jeder Tropfen ist ein Hochgenuss. Der makellose 1a Spargel und die cremigen gelben neuen Kartöffelchen treten da fast in den Hintergrund. Der nächste Gang, ein Salatgang, demonstriert anschaulich, was ein engagierter Küchenchef unter Salatgenuss versteht. Sechs verschiedene knackige und mundgerecht parierte Blattsalate, Ruccola, Petersilie, Sellerie, Randen, Rettich, entkernte Gurke, Karotte, Tomate, gekrönt von zarten violetten Sprossen mit pfeffrigem Aroma sind eine Freude für Auge und Gaumen. Einzig der unsägliche, aber anscheinend unvermeidliche Büchsen-Mais wäre meines Erachtens entbehrlich. Entgegen der weitverbreiteten Unsitte den ganzen Salat im gleichen Dressing zu ertränken, ist hier jeder Bestandteil eigens angemacht, jeder hat seine eigene Geschmacksnote. Da steckt richtig Arbeit drin! Mein Salat ist mit delikaten Tranchen vom Räucherfelchen, einem Wachtelei und geraspeltem frisch-säuerlichem Apfel, sowie Walnüssen reichhaltig abgerundet. Riccarda Kopp, die einen meisterhaften und persönlichen Service bietet, präsentiert uns den nächsten Gang auf erfreulich heißen Tellern. Zarte saftige Egli-Knusperli in einer goldgelben, frisch duftenden zart-krossen Panade, dazu eine fein säuerliche Kräuter-Remoulade. Beim Vegi-Menü einen absolut perfekten Morchel-Risotto mit frischen Frühlingsmorcheln, der in Konsistenz und Aroma nicht zu überbieten ist, sowie eine knackige bunte Gemüsegarnitur, mit mildem Salicorn (Meeresgemüse).
Fazit: Was Riccarda und Ulrich Kopp mit ihrem Team in ihrer Jakobshöhe präsentieren, lässt sich wohl am besten mit dem Sprichwort „Stille Wasser gründen tief“ beschreiben. Kompliment!

Jakobshöhe
CH-8280 Kreuzlingen, Bergstrasse 46, Tel. +41 (0) 71 670 08 88, Fax +49 (0) 71 670 08 89, , www.jakobshoehe.ch
geöffnet täglich 11 – 24 Uhr, Mo. und Di. Ruhetag, Betriebsferien 9.-29. Juni 2008
Hauptgerichte 35 – 55 SFr., Menüs 60 – 90 SFr.

Text: Peter Arweiler

Café Hotel Schlossblick

Café Hotel Schlossblick

(D – Warthausen) Wer einen Ausflug ins Grüne mit einem gepflegten Essen verbinden möchte, der sollte in Warthausen Station machen.

Mitten im neu gestalteten Ortskern und mit Blick auf das nahegelegene Schloss liegt das familiengeführte Restaurant Hotel Schlossblick und gleich dahinter laden Wege durch Obstbaumwiesen und ein Waldgebiet zu einem ausgedehnten Verdauungsspaziergang ein. Viele Fahrradfahrer und Ausflügler machen Rast in Warthausen. Senioren kommen zum Viertele oder zu Kaffee und Kuchen. Es wird Hochland-Kaffee ausgeschenkt, dazu gibt es abgepackte Kaffeesahne oder frisch geschäumte Milch. Kinder bekommen Bonbons, Männer zischen ein schnelles Bier und Geschäftsleute kommen zum Mittagessen, denn die Küche ist gut organisiert. Man muss nicht minutenlang warten, bis das heiß dampfende Essen auf dem Tisch serviert wird, sondern kann sich am wöchentlich wechselndem Mittagsbüffet selbst bedienen. Perfekt für alle, die wenig Zeit haben und trotzdem gut und günstig essen möchten (8€). Zum Büffett im Mai gehörte beispielsweise ein Kaiserschmarrn, der die Geschmacksnerven zwar belebte, aber ohne Süßem serviert wurde. Während die frisch gekochten Farfalle richtig gut schmeckten, fehlte der Bolognesesauce der letzte Pfiff. Schade, dass es weder Parmesan noch geriebenen Gouda gab, um der Sauce auf die Sprünge zu helfen. Gut aufgehoben ist der Gast beim Gulasch mit Reis, das zwar nicht typisch ungarisch zubereitet wurde, aber trotzdem feurig und pikant schmeckte. Ein wahrer Gaumenschmaus waren die Gemüserouladen vom Schwein an einer Pilzsauce mit handgeschabten grünen Spätzle, die leicht, auf den Punkt gegart, gut portioniert und gar nicht fettig meinen Magen im Sturm erobert hatten. Aufgepasst: Alle Mädels, die Topmodel werden möchten, können sich an der Salattheke mal wieder so richtig satt essen. Hier gibt es Vitamine en masse! Blattsalate, Tomaten, rote Beete, Gurken, Mais, fein geraspelte Möhren und die Saucen sind vielfältig und lecker.
Fazit: Man merkt, dass Thomas Frick und seine Familie keine Anfänger sind. Sie betreiben auch die Freibadgaststätte in Warthausen und wissen, wie man unterschiedliche Gruppen bedient – und zwar professionell. Insgesamt bietet die Küche vom Café Hotel Schlossblick zum Mittagsbüffet bodenständige, ordentlich zubereitete Gerichte an und erhebt nicht den Anspruch, Gourmetträume erfüllen zu wollen.

Café Hotel Schlossblick
Brauerstr. 6
D-88447 Warthausen
Tel.: +49 (07351) 15290
www.schlossblick-warthausen.de

Öffnungszeiten: tgl. 10-24 Uhr
Sa Ruhetag

Text: Daniela Brüggemann

Landgasthof Jägerhaus

Landgasthof Jägerhaus

(D-Weißensberg-Rothkreuz) Die alte Route zwischen Lindau und Wangen entlang der B12 führt vorbei an so manchen gastronomischen Kleinodien. Die oft winzigen Orte eröffnen dem hungrigen Reisenden gemessen an der Einwohnerzahl überdurchschnittlich viel Auswahl. Typisches Beispiel ist das kleine Nest Rohtkreuz, das zu Weißensberg gehört. Den Mittelpunkt markiert das Jägerhaus – eine über Jahrzehnte hinweg beliebte Wirtschaft, die ihrem Namen auch auf der Speisekarte alle Ehre macht. Na dann: Halali!

Allerlei Hirschgeweihe deuten schon beim sehr gepflegten Empfang an, dass man es im Jägerhaus durchaus erst meint mit dem Wild. Darüber hinaus gibt Holz den Ton an: Boden, Decken, Tische, Wände – alles Fichte oder Eiche. Ein Ambiente also, in dem sich nicht nur Jäger und Förster wohlfühlen können, die aber besonders. Die üppigen Gasträume eröffnen teilweise gute Sicht auf den im Sonnenlicht funkelnden Dorfweiher. Noch besser ist nur die Sicht auf der hübschen Terrasse. Doch vom Gucken allein ist noch niemand satt geworden, da hilft der Blick in die Speisekarte schon eher weiter. Die warmherzige Bedienung serviert eine erfrischende Erdbeerbowle, damit sich der Appetit bei der Lektüre der Karte noch besser formieren kann: Eine Hand voll Wildspezialitäten ergänzen das bodenständige Angebot mit Klassikern wie Grillteller, Schnitzel und Zwiebelrostbraten. Suppen und Salate sind erdverbunden – das Jägerhaus macht nicht auf Chic, sondern beschränkt sich auf eine regionale Auswahl, die der Definition des Gutbürgerlichen nahe kommt. Und schadet das? Dem seidigen Spargelcremesüppchen gewiss nicht. Hier hat der Koch ohne viel Schnickschnack Spargelsud mit Brühe versetzt, um Sahne erweitert und mit Spargelstücken veredelt. Dabei sind die Zutaten ausgewogen, alles verbindet sich zu sämigem Genuss, das Gemüse hat noch Biss – alle Achtung! Mit einem Lächeln entfernt die Kellnerin den leer gelöffelten Teller und mach so die Bühne frei für den Hauptdarsteller des Menüs: Rehrücken auf Steinpilzrahmsoße in Begleitung von putzigen Kartoffelbällchen, die eine zarte Kruste aus Mandeln haben. Und eine Kuriosität: Eine Birnenhälfte, die paniert und frittiert ist, gekrönt von blutroten Preiselbeeren. Da staunt der Gast und der Gaumen tanzt. Denn das Fleisch ist in zartem Rosa perfekt geglückt. In Verbindung mit der frittierten Birne schmeckt’s noch besser. Auch die Sauce verdient eine nähere Betrachtung. Sie lebt von einem kräftigen Fleischfond und reichlich Sahne. Wer dem Geschmack allerdings säuerlich dazwischenfunkt, sind die Steinpilze – zweifellos eingelegte Dosenware, schwammig und schal. Die Sauce wäre sicherlich noch besser gelungen, hätte der Koch aus Mangel an frischen Pilzen auf getrocknete zurückgegriffen. Doch ein Beinbruch ist das noch lange nicht. Ebensowenig das Dessert: Eine wundervolle Creme auf Joghurtbasis mit Waldmeister. Ganz frisch der Geschmack – säuerlich-süßlich – versehen mit ein paar Erdbeerhälften und etwas Sahne. Da hätte sich ein bisschen mehr Mühe beim Anrichten gelohnt. So verkauft sich die Nachspeise etwas unter Wert. Doch was ein echter Jäger ist, den stört die Optik nicht, wenn der Geschmack stimmt. Und so ist dem Küchenchef ein schallendes „Waidmannsdank“ für seine Arbeit sicher.
Fazit: Im Jägerhaus stillt eine gepflegte Küche den Hunger auf regionale Gerichte – appetitlich und schlicht, aber mit Sorgfalt und Liebe.

Landgasthof Jägerhaus, Renate und Engelbert Lauritsch, Rothkreuz Nr. 22, D-88138 Weißensberg, Tel.: +49 (08389) 243, geöffnet von 11 bis 14 Uhr, abends ab 17 Uhr, Mittwoch Ruhetag, Hauptgerichte von 9,80 bis 21,50 Euro.

Text: Erich Nyffenegger