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Gastro-Test April 2008
Gasthof Bohl
Ein schmiedeisernes Wirtshausschild, Kästen mit Geranien, schon die prächtige Fachwerkfassade signalisiert Gastlichkeit. Und auch das Ambiente stimmt, die Räumlichkeiten passen, die Gäste können sich auf den saisonal gefärbten Frischeanspruch der Küche verlassen. Das Beste vom Besten, im Gasthof Bohl ist das so. Silvia und Hermann Schmeißer haben sich und ihren Beruf gefunden. Sie ist mit ihrer inneren Ruhe die gute Seele im Haus, er der temperamentvolle Koch, der es trefflich versteht, die bodenständige Originalität des regionalen, gut-bürgerlichen Angebots zu unterstreichen. Es sind die kleinen Feinheiten, die Verflochtenheiten: Spargel und eine reizvolle Zitronenbuttersauce vermögen nicht nur beim Lachssteak Frühlingsgefühle zu wecken. Rückensteaks vom Schwein verpasst Schmeißer eine schinkenreiche Käsemütze, eine schmeichelnde Sahnesauce lässt die Gedanken in zufriedener Seligkeit um die kulinarische Freude des Lebens kreisen. Lammkotelette provensal mit Tomate und Knoblauch vom Grill entführen in mediterrane Gefilde. Hier steht ein Vollblut-Profi am Herd, der auch Wohlbekanntes im Repertoire hat: ordentlich große Schnitzel, Kalb und Schwein, mit und ohne Spätzle, Zwiebelrostbraten, Rumpsteaks, Vesperdeftigkeiten. Nach den Lehr- und Wanderjahren kam Hermann Schmeißer nach Stockach. Erst Küchenchef im Hotel Zum Goldenen Ochsen, dann Pächter der Gaststätte Gambrinus – endlich der eigene Gasthof Bohl, ein traditionsreiches Haus, 1895 schon als „Weinwirtschaft“ erwähnt. Mit dem Humor und der Gewitztheit eines (gebürtigen) Pfälzers bringt sich Schmeißer heute nicht nur als Wirt, sondern auch privat in die Vereinskultur der Stadt ein. Umfassende Baumaßnahmen und Modernisierungen, es war in den letzten Jahren ein finanzieller Kraftakt. „Aber langfristig zahlt es sich aus“, sagt der Chef von Haus und Küche und blickt sich zufrieden im Gastraum um. „Alles komplett umgebaut.“ Buntes Glas gibt es nicht mehr, Schall- und Dämmschutzfenster bringen Licht herein. Buche, Eiche, Ahorn, alles hell; Stühle, Bänke, Tische, die Holzdecke. Warmes Gelb löst sich mit Orangetönen ab, Antikes und moderne Dekorationen – eine neue Gemütlichkeit!
Gasthof Bohl
D-78333 Stockach, Hauptstraße 41, Tel. 07771 878690, Fax 878 69 29, gasthof-bohl@t-online.de, www.stockach.com/bohl
Öffnungszeiten täglich 10 – 14 Uhr und 16 – 24 Uhr, Samstag ab 17 Uhr, Hauptgerichte 6,60 – 15,80 Euro, Menüs 22,50 – 35 Euro
hgk
Landhaus Waldfrieden
(D – Tengen) Das Landhaus Waldfrieden hinter Tengen ist ein beliebtes Ausflugsziel, das mit seiner grandiosen Aussicht über den Hegau nicht nur im Sommer Gäste anzieht.
Wir interessieren uns jedoch mehr für die Aussicht auf einen genussvollen Abend und für die kulinarischen Höhenflüge aus Markus Sibolds Küche. Kaum Platz genommen, versorgt uns der wieselflinke Service mit knusprigem frischen Baguette und einer bemerkenswert cremigen und schmackhaften Butter. Die Speisekarte präsentiert eine bodenständige badische Landhaus-Küche mit französischen Elementen, zu angenehm moderaten Preisen. Ebenso die überwiegend deutsche Weinkarte mit ihrer üppigen Auswahl offener Weine. Unsere ansprechend angerichteten Vorspeisen, ein bunter Saisonsalat und eine „Wildterrine mit Gänseleber, Feigensenf und Salatbouquet“, sind rasch zur Stelle und finden unsere Zustimmung. Die Terrine, klassisch in einem Mantel aus grünem Speck, ist fein abgeschmeckt und von geschmeidiger Konsistenz im Gesamteindruck jedoch unspektakulär. Die knackigen Blattsalate, Wildkräuter, der fein gehobelte Fenchel- und Kohlsalat, ein äußerst aromastarker Karottensalat sowie die frischen Keimlinge und Sprossen sind erstklassig. Die sämige Balsamico-Vinaigrette verbindet diese Komponenten „taktvoll“, ohne sie zu überdecken. Der mitgereichte scharfe Feigensenf ist zwar nicht hausgemacht aber absolute Spitzenklasse. Als Weinbegleitung haben wir einen süperben „knochentrockenen“ 2004er Guteldel vom Weingut Engelhof ausgewählt, der unsere Gaumen mit seinen mineralischen Noten und seiner kurzen breiten Säure sensorisch reinigt und gleichermaßen amüsiert. Die Hauptspeisen, „Schweinerückensteak vom Grill mit einer pikanten Kräuterbutter, dazu gebackene Champignons und Pommes frites“ und „Entrecôte vom Angus-Rind rosa gebraten mit einer Meerrettichkruste, dazu junges Gemüse und Kartoffelgratin“, werden serviert und überraschen durch ihre großzügig dimensionierten Fleischportionen. Beide Fleischstücke sind zwar saftig und tadellos fachgerecht gegart, überzeugen uns jedoch in puncto Geschmack und Konsistenz nicht ganz. Mag sein, dass viele zufriedenen Stammgäste des Waldfrieden dies anders bewerten, wir jedenfalls würden halb so viel Fleisch in besserer Qualität bevorzugen. Der Saucenspiegel auf beiden Tellern besteht aus der gleichen homogen dunkelbraun-sämigen Sauce, deren Glutamatgehalt ihre Herkunft unschwer erahnen lässt. Auch die panierten Champignons, der Brokkoli und der Blumenkohl sind ein Trauerspiel. Die Pilze, ledrig und geschmacklich fad, mit zu dunkel geratener, matter Panade erinnern mich sehr an bekannte TK-Produkte. Ebenso das aromaschwache und festfaserige Gemüse. Lediglich die Karottentranche besticht durch Ihren herausragend intensiven Geschmack und ihre natürlich-knackige Konsistenz. Ein echter Genuss ist das Kartoffelgratin, das nach französischem Originalrezept (ohne den weitverbreiteten unsinnigen Gratinkäse) zubereitet ist. Fazit: Dass Markus Sibold ein fähiger Koch ist, hat er in der Vergangenheit zur Genüge bewiesen. Ein höheres Maß an Produktqualität könnte seinen „Waldfrieden“ jedoch deutlich aufwerten.
Landhaus Waldfrieden
An der B 314, D-78250 Tengen, Tel. +49 (0) 7736 232, Fax +49 (0) 7736 7514, info@landhaus-waldfrieden.de, www.landhaus-waldfrieden.de
Mai – Oktober Montag ganztägig und Dienstag bis 17 Uhr geschlossen, Oktober – April Montag und Dienstag ganztägig geschlossen.
Hauptgerichte 10 – 21 Euro, Menü 33 Euro
Text: Peter Arweiler
Restaurant Mato
(D-Konstanz) Das „neues“ Caferestaurant in der Konstanzer Altstadt, beherbergt in einem Gebäude, das in der Zeit um 1620 erbaut wurde, verspricht äußerlich einen angenehmen Abend. In stilvoll designter Umgebung offerieren Michael Kunz und Thomas Böckling eine zeitgenössische Küche mit Kreativ-Touch. In Mitten der Altstadt, war das Mato schon zu der Zeit, als es noch "La Porta" hieß und unter anderer Leitung stand, eine Lieblingsadresse buntgemischter Szene-Menschen.
Die Lage um die Dreifaltigkeitskirche wird langsam aber sicher zur kulinarischen Laufmeile, und das ist sehr erfreulich. Es entwickelt sich eine üppige Vielfalt, mit Suppengrün, die (Ess)Bar mit einem innovativen jungen Koch, modernen Asiaten und der führenden irischen Kneipe – sehr spannend. Auch Im Mato geht es bunt gemischt zu: Hier trifft der Geschäftsmann auf seine Angestellten, haben Banker und Studentengruppen ihren Auftritt – sie alle kommen, weil die beiden Wirte einmal eine Küche versprechen, die “nachhaltige“ Produkte verwendet und wenn möglich aus der Region. Michael Kunz hat mit dem Restaurant DOM hier bereits vorgelegt. Und der im Mato umgesetzte Gedanke, eine kleine Karte mit saisonbedingten wechselnden Gerichten zu präsentieren, ist denn auch eine schöne und anspruchsvolle Idee. Wir genossen zuerst eine klare Ochsenschwanzsuppe mit Einlage und den Frühlingssalat mit in Chilibutter gebratene Gambas. Bei den Gambas hat der Koch die Herausforderung nicht angenommen – einfach in die Pfanne gehauen, gewendet und eben nur gesalzen! Aus dem kleinen aber feinen Hauptspeisenangebot wählen wir das Filetstück vom Rind mit Portwein-Schalotten-Butter und Rosmarinkartoffeln und das Filet von Bachsaibling auf Champagner-Sauce mit Duftreis und Gemüse. Das Filetstück vom Rind schmeckte nur wässrig. Obgleich der Bachsaibling kein Salzwasserfisch ist, hat er davon sehr viel abbekommen. Die sogenannte Champagner-Sauce klebte kalt am Tellerrand und von Champagnergeschmack vielleicht eine kleine Spur. Zusammenfassend: Die Teller wirklich schön angerichtet, aber was drauf ist, war nur mittelmäßig zubereitet. Mit einer gewissen Enttäuschung über die unkreative Koch-Kunst wenden wir uns dem Dessert zu. Um bei Ingwereiscreme mit glasierter Ananas endgültig zu dem Schluss zu kommen, dass es dem Koch im Mato derzeit an Raffinesse und Kreativität fehlt. Einen positiven Eindruck hinterlässt die erlesene Weinauswahl – kein Wunder, ist mit Thomas Böcking, der seit Jahren Jaques' Wein-Depot betreibt, ein versierter Mann im Team. Für den Service gilt dagegen: Bekannte Gäste werden persönlich begrüßt und an den Tisch geführt. Die Neuen müssen sich eben erst bewähren. Fazit: Wieder einmal ein dem Zeitgeist nacheilendes, kulinarisch uninteressantes Cafe-Restaurant vom Typus schön-gestyltes Bar-Bistro-Gasthaus.
Mato
Sigismundstr. 12, D-78462 Konstanz, Tel: +49 (0) 7531 28 42 149, info@restaurant-mato.de
Öffnungszeiten: Mo – Sa: 10.30 – 24.00 Uhr, So: 18.00 – 24.00 Uhr ;
Hauptgerichte 13,50 – 19,50 Euro
Text: Eugen Bücheler
Hotel Adler
(D-Ehingen) Holzvertäfelte Wände, Messingkronleuchter und Glasmalereien an den Decken: Das Restaurant „Hotel Adler“ ist eine feste, kulinarische Adresse in Ehingen und spricht eher Gäste an, die es klassisch und gemütlich lieben. Standesgemäß gibt es traditionelle, deutsche Gerichte, die an schneeweiss gedeckten Tischen mit Silberbesteck von freundlich lächelnden Damen serviert werden.
Von außen gibt es kaum einen Hinweis darauf, dass der Adler eines der bekanntesten Restaurants in der Region ist. Nur der riesige Speise– und Festsaal lässt vermuten, dass hier gut und reichlich gegessen wird. Kaviar, Gänsestopfleber – kurz: teure Gaumenfreuden sind auf der Karte nicht zu finden. Die beiden Küchenchefs Bernd Mauz und Andreas Steudle bieten stattdessen deutsche Klassiker an, die schon seit Jahren trendy sind. Vielseitig und raffiniert präsentiert sich das Angebot im Restaurant, das bereits in vierter Generation geführt wird. Vorne weg serviert uns die junge Bedienung zwei besonders knackige Salate mit frischen Kräutern, die in einer leichten Zitronen-Joghurtsauce liebevoll zubereitet und bestens abgeschmeckt wurden. Anschliessend steht das Zanderfilet (18,50€) auf dem Plan, das mir auf einem Bett von Basilikumtomatensauce und Butternudeln gereicht wird und köstlich ist. Wunderbar! Der Fisch ist mit einer knusprig frittierten Panade belegt und schmeckt zart und saftig. Trotz des mit Sauce gefüllten Tellers schwamm der Fisch nicht weg und nahm auch nicht den Geschmack der Sauce an, was dafür spricht, dass Service und Küche ein Team bilden und zusammen arbeiten. Bei der Putenschnitte (12,60€), bildschön auf das bissfeste Currygemüse und den Reis angerichtet und mit einer sämigen Marinade abgerundet, zeigen Mauz und Steudle was alles möglich ist, wenn man Elemente klassischer Küche gekonnt arrangiert. Beim Kinderessen lassen sich alle Gerichte kombinieren. Trotz Stress vor und hinter den Kulissen und einem voll besetzten Saal bereitet das Küchenpersonal für die kleinen Gäste Gerichte zu, die nicht einmal auf der Karte stehen – das ist echte Gast- und Kinderfreundlichkeit. Stellvertretend für die Desserts kann ich den einwandfrei, gut proportionierten Pfannkuchen mit aromtischen Apfelmuss nennen, der gleich zweimal bestellt wurde und die selbstgemachten Spätzle in wahlweise fruchtiger oder deftiger Sauce, die bei meiner Tochter einen echten Aha-Effekt auslösten. Damit noch genug Platz im Bauch blieb, wurde am Ende des Essens ein Süssigkeiten-Korb gereicht, aus dem sich jedes Kind eine Kleinigkeit aussuchen durfte. Fazit: Die Küchenchefs Bernd Mauz und Andreas Steudle sind ebenso ambitionierte wie handwerklich versierte Köche, die mit ihrem Team kein Gericht an die Tische schicken, das nicht äußerst sorgfältig und mit absolut frischen Produkten zubereitet wurde. Dabei setzen sie nicht in erster Linie auf Edelprodukte, sondern zeigen virtuos, auf welch hohes Niveau Putenschnitten und Zanderfilets zubereitet werden können. Der freundlich-kommunikative Service ist das I-Tüpfelchen und schafft es, dass man sich hier wohlfühlt.
Hotel Adler
Hauptsrasse 116
D – 89584 Ehingen
Tel.: +49 (07391) 70 660
Fax : +49 (07391) 70 66 500
www.adlerehingen.de
info@adlerehingen.de
Text: Daniela Brüggemann


