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Gastro-Test Februar 2008

Restaurant Drachenburg

Restaurant Drachenburg

(CH-Gottlieben) Die malerisch am Seerhein zwischen Konstanz und Ermatingen gelegenen alten Fachwerkhäuser von Gottlieben geben eine Bilderbuchkulisse ab. Ihr Herz- und Schmuckstück ist der Komplex der zwei traditionsreichen Restaurants Drachenburg und Waaghaus, letzteres mit der dazugehörigen Bar direkt am Ufer.

Der Vorraum der "Drachenburg" ist gemütlich, der Stammtisch und der Kamin sorgen für eine ungezwungene, fast heimelige Atmosphäre. Das Interieur des Restaurants ist gediegen, Tischdekorationen in Rot und viel Licht sorgen für eine festliche Atmosphäre. Ein Servicemitarbeiter der alten Schule – äußerst freundlich und zuvorkommend, nimmt die Mäntel ab und begleitet uns durch den Abend. Wir bekommen einen schönen Tisch in einer romantischen Fensterecknische. Als "Amûse bouche" schickt die Küche Streifen vom geräucherten irischen Lachs auf einem sehr gelungenen Fenchelsalat mit Safran. Eine ebenfalls gelungene Kombination bildet die kalte Vorspeise: getrüffelter Gerstensalat zu einer durch ihr ausgeprägtes Knoblaucharoma etwas rustikalen, aber recht schmackhaften Kaninchengalantine. Die warme Vorspeise setzt dezentere und trotzdem geschmacksmächtige Akzente: hausgemachte butterzarte Gnocchi auf Trüffelschaum mit eingelegten sautierten Steinpilzen von überdurchschnittlicher Qualität. Etwas zu mächtig kommt der Fischgang daher: Das mit Kräutern und Semmelbröseln gratinierte Zanderfilet auf Sauercreme-Carnerolireis ist eine richtige Kalorienbombe. Zum Vitamin- und Geschmacksausgleich gibt es als Beilage frischen, auf leichte mediterrane Art zubereiteten Blattspinat. Die Fasanenbrust auf Champagnerkraut lässt zunächst keine Wünsche übrig – das Fleisch ist von bester Qualität und appetitlich-rosa angebraten, die Haut ist knusprig, ein paar Trauben bilden einen angenehm-süßlichen Kontrast zum Champagnerkraut. Der "Bittertropfen" auf dem sonst perfekten Teller ist der Thymianjus, der kaum geschmacklich wahrnehmbare Spuren von Thymian enthält, recht dunkel und angedickt neben dem hervorragenden Kartoffelstock liegt und fragwürdige Erinnerungen an Traubenmost-Balsamico-Fertigzubereitungen weckt. Der Dessertteller "Drachenburg" weist eine bunte und wohlschmeckende Vielfalt auf: leckere Mousse au chocolat, Lebkuchenflammeri, Panna Cotta mit echter Bourbon-Vanille und ein ausgezeichnetes Erdbeersorbet. Die Weinkarte zeigt eine Vorliebe für den Thurgau (Arenenberger, Iselisberger und Ittinger Tröpfchen). Speziell für das Haus werden vom Weingut Saxer in Nussbaumen ein Müller-Thurgau und ein Blauburgunder abgefüllt, beide im Eichenfass ausgebaut. Der Bachtobler Blauburgunder Nr. 2 von Kesselring (Weinfelden), für den wir uns entscheiden, präsentiert sich als durchgängig schöner Essensbegleiter, lässt jedoch die für Kesselrings Weine so typische Komplexität etwas vermissen. Fazit: Die Drachenburg ist der ideale Ort für eine Klientel, die ein gediegen-rustikales Ambiente, aufmerksamen Service und eine traditionsbewusste gute Küche zu etwas gehobenen Preisen zu schätzen weiß.

Restaurant Drachenburg im Hotel Drachenburg & Waaghaus
Am Schlosspark 7+10, CH-8274 Gottlieben
Tel. 0041 (0)71 666 74 74, Fax 071 666 74 99; www.drachenburg.ch
Kein Ruhetag, kleine Karte durchgehend, große Karte 11.30-14, 18-21 Uhr
Hauptgerichte 28-58 SFr, Menü 90-98 SFr

Text: Gert Hoecherl

Flohr’s Restaurant & Hotel

Flohr’s Restaurant & Hotel

(D – Singen-Überlingen am Ried) Obwohl unsere Sterneköche am Bodensee, wie anderenorts auch, quasi unter ständiger Beobachtung der großen Restaurantführer stehen, macht die „Seezunge“ sich gerne ihr eigenes Bild. Und so reservieren wir bei Georg Flohr, den der Gault Millau Jahr für Jahr mit lyrischen Lobeshymnen und 17 Punkten überschüttet und der Michelin regelmäßig mit einem Stern bewertet.

Im gepflegten und stilvoll eingerichteten Restaurant ist außer uns nur ein weiterer Tisch mit zwei Gästen besetzt, und es herrscht eine angenehm gelassene Atmosphäre. Rasch erreicht uns der Gruß aus der Küche, ein Mini-Burger mit herzhafter Frischkäsefüllung, ein ausgebackenes Teigtäschchen und ein geschmeidig-würziges Lachspüree auf dem unvermeidlichen Amuse-Gueule-Löffel. Dazu serviert uns der ungemein sicher agierende Service verschiedene frische Brote und eine Buttergarnitur. Von der deutsch-französisch-lastigen Weinkarte, die es mit italophilen Weinfreunden nicht allzu gut meint, wählen wir einen dazu schön harmonierenden frisch-fruchtigen Vernaccia di San Gimignano 2006 von Giovanni Panizzi. Das Amuse gueule wird serviert und meine Begleiterin verzieht das Gesicht. Froschschenkel auf Rahmlauchgemüse und Tomatenbrunoise. Die Froschschenkel sind wunderbar zart und schmelzen unter Freigabe sämiger Schmoraromen förmlich auf der Zunge, der junge Lauch und die feinsaure Tomate begleiten dieses Geschmackserlebnis optimal. Stellt sich nur die Frage, ob ein derart „ideologisch umstrittenes“ Gericht wie Froschschenkel als obligatorischer Gang angebracht ist? Wesentlich unstrittiger präsentieren sich die Vorspeisen „Winterlicher Salat mit gebratener Gänseleber und getrockneten Früchten, sowie lauwarmer Brioche“ und „ Mit Salbei und Parmaschinken gebratene Wachtel mit süß-sauren Spätzle“. Der Salat mit Datteln, Feigen und Nüssen ist an Frische und Varianz kaum zu übertreffen, das Dressing gelungen, die Gänseleber ein Traum. Ebenso die kunstvoll um ein Beinchen dressierte Wachtel, die auf einem Bett von extrem zarten, fein gesäuerten Spinatspätzle und Berglinsen ruht und von exzellentem Jus umspült ist. Kompliment, Herr Flohr, das ist Kochkunst der Spitzenklasse! Auch mein Zwischengericht „Karottenessenz mit Kalbsbries-Entenherzenstrudel“ fällt in diese Kategorie. Die aromatisch enorm verdichtete klare Consommé mit ihren eingelegten Karottenkügelchen ist eine wahrhafte Hommage an das alltägliche Wurzelgemüse. Mit dem wunderbar saftig-fruchtigen 2004er Chianti von Volpaia gehen wir zum Hauptgang „Ribollita mit Rotbarbe und Seezunge“ sowie „Taube mit Borlotti-Bohnen und Sellerie“ über. Das ausgesprochen saftige und aromengewaltige Täubchen auf leckeren Bohnen, Selleriepüree und perfektem Jusspiegel überzeugt mit den dazu gereichten schmelzigen Käse-Gnocchi ebenso wie die Vorspeisen. Doch was den Maître bei der „Ribollita“ geritten hat, bleibt unklar. Uns erreicht ein Teller mit einem tadellos frischen Gemüse-Mix, der in einen feinen tomatisierten Schaum eingebunden ist und mit vier angebratenen Seezungen- und einem Rotbarbenfilet belegt ist. Stellt sich uns zum einen die Frage, warum dieses Gericht Ribollita heißt, hat es doch mit dem italienischen Original nichts gemeinsam, und zum anderen, ob beim Fisch nicht etwas mehr Klasse statt Masse angeraten gewesen wäre. Fazit: Georg Flohr wird zu Recht als einer der ganz Großen in der Region gehandelt, aber – Nobody’s perfekt.

Flohr’s Restaurant & Hotel
Brunnenstraße 11, D-78224 Singen-Überlingen am Ried, Tel. +49 (0) 7731 9323-0, Fax +49 (0) 7731 93 23-23, , www.flohrs.de
geöffnet Di. – Sa. 18.30 – 21.30 Uhr, So. und Mo. Ruhetag,
Hauptgerichte 25 – 29 Euro, Menü 73 Euro

Text: Peter Arweiler