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Gastro-Test Oktober 2008

Winzerstube zum Becher

Winzerstube zum Becher

(D-Meersburg) Von vielen romantischen Gässchen durchzogen und von Weinbergen umgeben, ist Meersburg der Tourismusmagnet am deutschen Bodenseeufer. Während an der Uferpromenade sich ein Restaurant ans andere reiht und viel Gebotenes als recht austauschbar erscheint, findet man in der Oberstadt, die von der mittelalterlichen Burg und dem imposanten Neuen Schloss geprägt wird, ein urgemütliches Weinlokal mit gehobener Küche.

An einem verregneten Donnerstagmittag, an dem uns Meersburg für seine Verhältnisse mäßig frequentiert erscheint, füllen sich die historischen Gaststuben des Bechers im Nu. Der Service lässt sich nicht überraschen, meistert den Ansturm präzise, mit Geduld und mit freundlichem Lächeln. Kulinarisch starten wir mit einer Entenleberterrine mit Madeiragelee. Das Entenlebertörtchen ist luftig, zartschmelzend und geschmacksintensiv – ein rundum gelungener Auftakt. Die darauffolgende Bodenseefischsuppe ist mengenmäßig klein, aber oho: Mit Eigelb legiert, mit Safran gewürzt und mit Sahne verfeinert, ist sie ein gehaltvolles Fest für den Gaumen. Lediglich die Gemüsejuliennes sind für das kleine Suppentässchen deutlich zu viel. Die leicht gedämpfte Lachsforelle mit Wildreistimbale und drei großen saftigen Garnelen auf feinsinnig abgeschmecktem Schnittlauchschaum zeugt davon, wie gut Küchenchef und Inhaber Michael Benz mit Fisch und Meeresgetier umgehen kann. Die zarten, dezent gebeizten und auf den Punkt gebratenen Rehmedallions „Försterin Art“ mit frischen Waldpilzen und hausgemachten Spätzle lassen ebenfalls keine Wünsche offen. Auf dem Rechaud steht noch ein zweiter Teller bereit, da bei den als Portion bestellten Hauptgängen der Nachservice üblich ist. Obwohl schon angenehm satt, schaffen wir auch den zweiten Teller und bestellen nach einer kurzen Pause das Dessert, denn im Becher sich das Dessert entgehen zu lassen, grenzt fast an einer Sünde. Das mit einem guten Schluck Kaffeelikör abgeschmeckte Mokkaparfait auf heißen Schattenmorellen ist ein mehr als gelungener Abschluss eines wahrhaftig fürstlichen Essens. Vom breiten Angebot an Bodenseeweinen entschieden wir uns für den hauseigenen Weißherbst vom Meersburger Fohrenberg, der den bekannteren Namen vom See in nichts nachsteht. Auch einen trocken ausgebauten Gutedel und vollmundigen Spätburgunder gibt es als Eigenbau, auf den kundigen Weinliebhaber warten außerdem ein Brunello von Mastroianni und ein Château Grand Mayne 1996.
Fazit: Wer es gehoben-bürgerlich mit französischen Akzenten mag, kommt an Michael Benz’ Küche nicht vorbei. Einer der wenigen Betriebe am See, die über Jahrzehnte ein konstant hohes Niveau halten. Hut ab!

Winzerstube zum Becher
Höllgasse 4, 88709 Meersburg, Tel. 07532 90 09 12, Fax 16 99
www.winzerstube-zum-becher.de
geöffnet Dienstag – Sonntag 10.30 -14 Uhr, 17-24 Uhr, Montag Ruhetag,
Hauptgerichte 10 – 22,50 Euro, Menüs 23 – 33 Euro

Text: Gert Hoecherl

Hotel zur Post

Hotel zur Post

(D – Wolfegg) Ein breites Holzgebälk, Steinboden unter den Füssen sowie kuschelige Sitzecken schaffen etwas Urgemütliches – Gasthausatmosphäre eben.

Wenn dann auch noch an den Wänden der unterschiedlichen Stuben schwäbische Weisheiten in geschnörkelter Schrift zu lesen sind, wie etwa „St. Josef – Wenn’s einmal um Josefi is, so endet auch der Winter g’wiß“ oder „ St. Florian – Wie’s Wetter am Florianstag, bis Himmelfahrt’s bleiben mag“, dann fühlt man sich unter den reich verzierten Heiligenbildern in guter Gesellschaft und möchte die herzhafte-schwäbische Küche des Hotel-Gasthofes Post ausprobieren, das nun mittlerweile in dritter Generation von der Familie Dorn geführt wird. Ich entscheide mich spontan für eine österreichische Spezialität – den Tafelspitz – zum Preis von 9 Euro und erhalte ein wohlschmeckendes, feinfaseriges Rindfleisch mit einem schmackhaften Fettrand, Salzkartoffeln und Salat. Das in fingerdicke Scheiben geschnittene Rindfleisch war durchgehend gut und das gilt auch für den knackigen Beilagen-Salat und die Kartoffeln. Der einzige Wermutstropfen war die Schnittlauchsauce, die etwas dünn schmeckte. Zudem gab es weder Apfelkren noch ein paar Röllchen Schnittlauch über dem Tafelspitz oder den Kartoffeln. So war das Gericht zwar sehr an-, aber auch sehr bodenständig. Ansonsten bietet die Karte Solides und Schmackhaftes, wie die in Mandelbutter gebratenen Forellenfilets (13,40€), die zarten Bodenseefelchen (13€) oder die gegrillten Scampis mit einer würzigen Kräuter-Knoblauch-Sauce, serviert mit Baguette und Salat (17,80€) sowie die frischen Wild- und Geflügelgerichte, wie etwa Hirschbraten, aus heimischen Wäldern, zubereitet mit selbstgemachter Preiselbeersauce, Spätzle und Semmelknödel (12-13€). Das Angebot wird durch köstliche Torten und Kuchen komplettiert. Die Gasträume sind rustikal und gemütlich. Ebenso gemütlich erscheint die Gartenterrasse mit Schatten spendenden Kastanienbäume auf der Rückseite des Hauses. Leider war sie aber bei meinem Besuch wegen Regens geschlossen. Vielleicht ein Grund, an einem schönen Sommertag auch mal eine Radtour nach Wolfegg zu machen und sich dann nach Besichtigung der Sehenswürdigkeiten des kleinen aber feinen Städtchens in den Biergarten der Post zu setzen.
Fazit: Die Post bietet eine solide Küche in rustikalem Ambiente und mit netter Sommerterrasse.

Hotel-Gasthof „Zur Post“
Familie Andrea Dorn
Rötenbacher Strasse 5
D-88364 Wolfegg/Allgäu
Tel +49 (0)7527/96 14-0
Fax +49 (0)7527/96 14-66
www.hotel-post-wolfegg.com


Hauptgerichte: 9-14 €

Text: Daniela Brüggemann

Zum alten Schlawiner

Zum alten Schlawiner

(D – Orsingen-Nenzingen) Die großen Städte nehmen mit ihrer kulturellen Dichte oft eine Vorreiterrolle ein – auch in der kulinarischen Kultur. Doch wer glaubt, dass Stadtluft die bessere sei, der irrt. Oftmals spielt die Musik auf dem Lande, wenn auch etwas leiser.

Zwischen all den Landgasthöfen mit währschafter Küche findet man immer wieder außergewöhnliche Konzepte. Der „alte Schlawiner“ in Nenzingen interessiert uns, weil er als einer der wenigen regionalen Gastronomien seit 2008 Bio-zertifiziert ist. Das heißt, dass hier mit ganz wenigen Ausnahmen, alles Bio-Qualität ist. Wir haben einen ruhigen Tag erwischt und lassen uns ausführlich von Antonie Kuberczyk, der Chefin des Hauses, beraten. Während der Maître Gunter Hafner in der Küche mit seinen Pfannen klappert, werden wir von ihr mit Gastfreundschaft und Freundlichkeit förmlich überschüttet. Wir bestellen Garnelen-Currysuppe und als Testlauf „kräftige Rindfleischsupp, mit viel dinne“. Und so kommt es dann auch: Die Rindfleischsuppe ist enorm konzentriert, leicht trüb und in ihrer Aromendichte schon fast grenzwertig. Kurzum eine Brühe, wie man sie selber nicht besser machen kann. Auch die Gemüse- und Kräutereinlage ist gnadenlos frisch und lecker. Die sämige Garnelen-Currysuppe schmeichelt unseren Gaumen mit der Fülligkeit der Kokosmilch-Curry-Garnelen-Kombination und belebt uns mit ihrer mutigen Schärfe. Wir kompensieren dies mit feinem Lammsbräu-Bio-Weißbier und einem frischen Bio-Rosé von Deutschlands größtem Bio-Weinhändler, Peter Riegel in Orsingen. Die Hauptspeisen „Lammbrust, mediterran gefüllt mit Waldpizrisotto“ und „Bio-Rinderleber im Balsamico-Buttersössle mit knusprigen Rösti“ treffen in XXL-Gestalt ein. Wir mampfen selig, wie früher des Sonntags bei unserer Oma und schwelgen im Aromenmeer. Die gefüllte Lammbrust ist echt der Hammer! Ätherischer Kardamom, Zwiebelsaat, Knoblauch, Salbei, Rosmarin, Thymian und Petersilie geben der Füllung eine aromatische Wucht, an der wir im wahrsten Sinne des Wortes zu kauen haben. Sie ist durchsetzt mit Fetakäse, getrockneten Tomaten, Kürbiskernen und Oliven und schwimmt in einer traumhaften dunkelbraunen Sauce. Das dazu gereichte perfekte Walzpilzrisotto will sich da mit der Rolle als Beilage nicht abfinden. Die frischen, erdig duftenden Waldpize schreien geradezu nach Aufmerksamkeit. Weniger turbulent, aber nicht weniger schmackhaft präsentieren sich die Rinderleberstückchen, die zwar strukturell etwas durchwachsen sind, jedoch am Gaumen überzeugen. Die fein-säuerliche dunkle Balsamicosauce und die goldbraunen krossen Rösti aus erstklassigen Kartoffeln machen auch dieses Gericht zum Gedicht. Der dazu georderte bunte Salat ist in seiner Vielfalt und Frische zwar tadellos, aber leider stehlen ihm die Hauptgerichte die Schau.
Fazit: Gunter Hafner und seine Partnerin Antonie Kuberczyk beweisen, dass Bio nicht nur eine leere Worthülse, sondern am Gaumen erfahrbare Qualität ist. Glückwunsch für die ambitionierte Küchenleistung und den persönlichen Service!

Zum alten Schlawiner
Braunenbergerstraße 1a, D-78359 Orsingen-Nenzingen, Tel. +49 (0) 7771 5118, Fax 917770, , www.zum-alten-schlawiner.de.
Geöffnet im Winter Mo., Do. – Sa. 10.30 -14.00 Uhr und 17.00 – 1.00 Uhr, Di. und Mi. Ruhetag; im Sommer Mo., Do. – Sa. 11.00 – 14.00 Uhr und 17.00 – 1.00 Uhr, So. und Feiertag 10.00 – 1.00 Uhr, Di. Ruhetag, Mi. ab 17.00 Uhr.
Hauptgerichte 12 – 20 Euro.

Text: Peter Arweiler