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Gastro-Test August 2007

Restaurant Rosmarin im Hotel Immengarten

Restaurant Rosmarin im Hotel Immengarten

(D-Bodman-Ludwigshafen) Nach einem Intermezzo als Küchenchef in Drei Stuben in Meersburg schwingt Spitzenkoch Robert Heinzelmann (Stationen u.a. bei Alfons Schuhbeck und Frank Öhler) seit gut einem Jahr den Kochlöffel am anderen Zipfel vom Obersee – im Re

Das Interieur ist modern und schlicht, rote Ledersitze und weißgedeckte Tische. Das Angebot: leichte Sommersalate und feinbürgerliche Gerichte oder phantasievolle Kreationen der Haute Cuisine. Zum Auftakt grüsst die Küche mit einem Rauchforellentramezzino zu einem Lauchsüppchen, mit Sternanis und Pernod verfeinert. An sich ist "Lauchsüppchen" pures Understatement für so viel geschmackliche Vollkommenheit, was auch für die Erbsensuppe gilt, die etwas später auf den Tisch kommt. Vorher kommen aber die Vorspeisen – ein asiatischer Presssack mit Riesengarnelenspieß und Mangopepperonata und eine Sülze vom Kalbsfuß und der Kalbshaxe mit Radieschenvinaigrette. Der Oktopuspresssack ist in dünnen Scheiben aufgeschnitten, dazu wird im Cocktailglas ein asiatischer "Knacksalat" serviert, gekrönt von dem Bambusspieß, auf dem die mit Korianderbröseln zubereiteten Garnelen thronen. Der Presssack übt sich in dezenter Zurückhaltung, die "Pepperonata" ist frisch und rassig, fruchtig-scharf der Salat. Der vom Service empfohlene Weißburgunder vom Markgraf von Salem passt dank einer Zitronengrasnote perfekt dazu. Die Kalbsfußsülze ist unter einem kreativen Chaos aus Sprossen-Kräutersalat und sautierten Pfifferlingen versteckt. Die Pointen: Speckstrudelröllchen und ein paar Tropfen steirisches Kürbiskernöl auf dem zarten Aspikschmelz. Auch in der Erbsensuppe schwimmen ein paar Kürbiskernöläuglein, mit etwas Chiliöl verschärft, als Kontrast zur gerösteten Pancetta gibt es halbrohe Jakobsmuscheln nach Sashimi-Art! Nach so vielen Herausforderungen für die Geschmacksnerven kommt der Fischgang mediterran-klassisch daher: ein perfekt auf der Haut gebratenes Zanderfilet an Artischocken-Pfifferlinge-Ragout mit kleinen schwarzen Oliven und Chorizowurstscheiben, dazu Parmesanfetuccine. Auch hier behalten die einzelnen Zutaten ihren Eigengeschmack und bleiben trotzdem transparent zur Fischreduktion und dem Gemüsesud, die mit dem Olivenöl eine feine Liaison eingehen. "Rossini New Style" ist eine barocke Kreation aus bestem Anchorenarindfilet, in Rotwein geschmorter Kalbsbacke und einer Scheibe zart angebratener Gänseleber, die in der Mitte des Tellers aufgetürmt werden. Zum stattlichen Turm gesellen sich noch Gänseleberravioli, Schnippelbohnen, Chips von einer exotischen Kartoffelart. Dazu eine hervorragende Kalbsjus und gehobelte schwarze Trüffel. Alles zergeht oder explodiert auf der Zunge, man ist selig ob der Qualität und recht überfordert von den üppigen Portionen. Der Wein dazu: ein Tinto Pesquera vom spanischen Kultwinzer Fernandez, vom freundlichen Service empfohlen und rechtzeitig dekantiert. Ein leichtes Grünapfelsorbet mit Zitronengras- und Chilinoten, mit Prosecco aufgefüllt, dient uns zugleich als Dessert und Digestif. Fazit: Rosmarin und Heinzelmann – ein kulinarischer Glücksfall für den Bodensee! 6 Löffel

Restaurant Rosmarin im Hotel Immengarten
Überlingerstraße 26-28, D-78351 Ludwigshafen, Tel. +49 (07773) 93 74 25 55, Fax +49 (07773) 93 74 25 30; www.rosmarin-restaurant.de
Kein Ruhetag, Küche 12 – 14, 18 – 22 Uhr
Hauptgerichte 11,80 bis 28,90 Euro,

Text: Gert Hoecherl

Rotes Haus

Rotes Haus

(CH – Münsterlingen-Landschlacht) Häufig genug sind wir an dem auffallend roten Riegelhaus in Landschlacht vorbeigefahren, heute kehren wir ein, um die Küche des „Roten Hauses“ näher kennen zu lernen.

Die Wirtsleute Pasquale Aldo Notarnicola, der seit seinem Weggang vom Kreuzlinger „Aglio e Olio“ hier Pizza „schleudert“, und Vito Giannico bieten in der gemütlichen kleinen Gaststube mit viel Gebälk ein authentisch-italienisches Ambiente. Sofort umgibt uns jene weltbekannte südländisch-warme Gastfreundschaft, die das Gefühl des „Umsorgt-Seins“ vermittelt. Wir sind froh, reserviert zu haben. Nahezu alle Plätze sind besetzt, viele Italiener, viele junge Leute. Wir beginnen mit einer Antipasto-Platte, bestehend aus Prosciutto e Melone, Caprese, gefüllten Peperoncini, würziger Paprikasalami und Pilzgarnitur – alles richtig frisch und lecker. Exzellent auch der in Zitronen-Olivenöl-Marinade eingelegte Polpo mit Gemüse-Julienne. Die Unmengen Rucola scheinen ein Zugeständnis an Schweizer und deutsche Gäste zu sein. Weiter geht es mit einer superb-frischen Tomatensuppe mit fruchtiger Säure und überzeugendem Aroma. Der vom Service empfohlene Wein, eine Sangiovese-Cabernet-Merlot-Cuvée, stellt sich als guter Tipp heraus. Er ist ein kräftiger und harmonischer Allrounder zu fairem Preis. Bei der Weinflaschenkalkulation haben Italienische Gastwirte, im Gegensatz zu ihren deutschen und Schweizer Kollegen, eben noch ein Herz für Weintrinker. Schon kommt der dampfende Teller Fettuccine mit Paprikasauce und Gamberi, den mir der Kellner als Tagesangebot empfohlen hatte. Dass die Fettuccine eigentlich Linguine sind, stört mich angesichts der hervorragenden, pikanten Paprikasauce kaum mehr. Sie ist sämig und aromatisch-dicht. Über allem schwimmt ein duftender Film Olivenöl und thronen zwei saftige Riesen-Garnelen in der Schale. Die „Spaghetti Aglio e Olio“ meines Tischnachbarn sind nicht ganz so spektakulär, aber tadellos „al dente” und hübsch mit ganzen Pepperoni und Knoblauchzehen dekoriert. Die Spannung steigt – der Pizzameister Aldo serviert seine Pizzakreationen, für die er bei der alljährlichen Pizza-Weltmeisterschaft in Salso Maggiore Parma schon Preise erhalten hat. Meine Pizza Michelangelo, mit Büffelmozzarella, Cherry-Tomaten, Räucherlachs, süßem Meerrettich und Parmesan, ist eine gelungene Geschmackskombination. Doch auch hier tummelt sich wieder jede Menge Rucola, der da eigentlich nichts zu suchen hat. Die Pizza ist hell gebacken und kommt augenscheinlich aus einem Elektro- oder Gasofen. Nach kurzer Zeit hat der üppige Belag den weichen Teig der Pizza durchgeweicht und macht aus ihr einen lappigen Fladen. Das Gleiche bei den anderen Pizzen am Tisch. Schade! Mit einem Holzkohleofen gäbe es dieses Problem nicht. Die außeritalienischen Brandschutzvorschriften machen den Betrieb eines solchen Ofens jedoch fast unmöglich. Dem guten Aldo ist da kaum ein Vorwurf zu machen. Wir schließen mit einem ordentlichen, wenn auch etwas trockenen Tiramisu und einem schmackhaften Espresso „senza crema“. Fazit: Das Rote Haus ist das Ebenbild Italiens: Nix perfetto – molto simpatico – grandioso – capito!

Rotes Haus
Seestrasse 10
CH-8597 Münsterlingen-Landschlacht
Tel. +41 (0) 71 695 19 16
Fax +41 (0) 71 695 19 91

www.dasrotehaus.ch
geöffnet Di. – Fr. 10 – 14 Uhr und 17.30 – 23 Uhr, Sa. 17.30 – 24 Uhr, So. 10 – 14 Uhr und 17.

Text: Peter Arweiler