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Gastro-Test Juni 2007

Grödeli

Grödeli

(CH – Kreuzlingen) Das Grödeli in der Konstanzerstrasse in Kreuzlingen diente lange Zeit den Pilgern auf dem Weg nach Santiago de Compostela als Herberge. Seit August 2006 schwingt hier Chris Trewer den Kochlöffel.

Das 1610 erbaute und 1997 renovierte Riegelhaus, mit der an bewegte Zeiten erinnernden Kanonenkugel in der Fassade, bietet den ankommenden Gästen ein prächtiges, kraftvolles Bild. Ebenso kraftvoll schwirrt der neue Chef-Patron Chris Trewer in seinem Reich umher. Mal im Service bei den Gästen, mal am Herd kultiviert er seine Philosophie moderner Gastronomie auf ganz eigene Art. Auf den motorradbegeisterten Küchenchef trifft der Begriff des „jungen Wilden“ zu wie bei kaum einem anderen. Unkonventionell, aber qualitätsbewusst präsentiert er eine weltoffene und phantasievolle Küche. Feste Speise- und Weinkarten sind nicht sein Ding. Individuelle und aktuelle Beratung ist hier angesagt. Die Weinberatung trifft dann auch mit einem Glas „Capichera“ ins Schwarze. Dieser sardische „Kultwein“ der Reichen und Schönen, gemacht aus der autochthonen Traube Vermentino, überrascht trotz Barrique-Ausbau durch extrem fruchtige, frische und würzige Noten. Der dazu gereichte cremige Ricotta mit zartem Trüffelaroma zergeht förmlich auf der Zunge und begeistert, was man von dem aufgebackenen, käsbleichen und langweiligen Baguette nicht behaupten kann. In der Gaststube erlebt der Gast den in der Küche wirbelnden Sous-Chef lebhaft mit. Pfannengeklapper mischt sich mit dem guten alten Sound der „Doors“ und wird von frischem Omelette-Duft begleitet. Das Amuse-bouche, ein Toskanischer Brotsalat mit Mozzarella, wird serviert. Das Gericht ähnelt frappierend einer Panzanella, die im Original von vollreifen Tomaten und aromatischem Landbrot „lebt“ – beides ist hier nicht gegeben. Das alles einbindende, angenehm fruchtig duftende und wohlschmeckende Olivenöl rettet die Situation jedoch weitgehend. Ohne lange Wartezeit serviert der Chef die Vorspeise, eine Kresseschaumsuppe mit pochiertem Ei (14 SFr). Das Ei und einige Croûtons sind in einem Teller eingelegt und werden am Tisch mit der dampfenden Suppe übergossen. Einige appetitliche Ölivenöl-Augen tauchen auf, und die Suppe duftet frisch nach Kresse. Sie ist zwar weder aufgeschäumt noch aromatisch verdichtet, jedoch mit dem cremigen Ei, den Croûtons und dem feinen Olivenöl trotzdem ein leichter Genuss. Die Küche „spielt“ jetzt rhythmischen Club-Sound und präpariert die Hauptspeise: „Bärenkrebsschwänze auf Staudensellerie-Wildreisgemüse“ (48 SFr!). Der servierte Teller ist im Gegensatz zu den bisherigen kalt und der Tellerrand nicht gerade sauber. Sowohl die Reismischung, als auch das Krebsfleisch sind etwas trocken und aromatisch nicht herausragend. Ganz anders das folgende Dessert, eine „Schoggitarte mit hausgemachtem Glace und Kumquat-Kompott“ (14 SFr). Während das Glace etwas bescheiden daherkommt, überzeugt die Tarte mit gewaltigem Schmelz und das Kompott mit einer interessanten Süß-Sauer-Bitter-Kombination.
Fazit: Das Grödeli-Team gleicht einem kraftvollen Araber-Hengst beim Rennen, dem es noch nicht gelungen ist, sein wahres Potential auszuschöpfen.

Trewer’s Grödeli
Konstanzerstrasse 58, CH-8280 Kreuzlingen,
Tel./Fax +41 (0) 71 672 43 62, , www.groedeli.ch,
geöffnet Di. – Fr. mittags und abends, Sa./So. abends, Mo. Ruhetag,
Hauptgerichte 25–50 SFr, Menüs 65–80 SFr

Text und Bild: Peter Arweiler

Silencehotel Restaurant Gottfried

Silencehotel Restaurant Gottfried

(D-Moos) Das Restaurant Gottfried liegt unweit von Radolfzell, in dem Dorf Moos, dem Eingangstor zur Höri. Es ist seit vielen Jahren eine Feinschmeckerinstitution, insbesondere für Liebhaber exzellent zubereiteter (Bodensee-)Fische. In diesem Jahr wurde die Küche von Klaus Neidhart vom Gastroführer Gault Millau erneut höher bewertet und gehört mit 16 von 20 Punkten zur Spitzengastronomie Deutschlands. Noch ein Grund, um hier wieder einmal vorbeizuschauen.

Wir wurden vom aufmerksamen Service empfangen und vom Patron freundlich begrüßt. Nach dem Studium der Karte entschieden wir uns für die Tagesempfehlungen, die zusammen kein durchkomponiertes Menü, sondern ein Crossover verschiedener Breitengrade und Kochstile ergaben. Der Gruß aus der Küche, gerauchter Schweinebauch auf lauwarmem Krautsalat nach japanischer Art, war eine witzige Idee, jedoch durch die Sojasauce in der Reduktion und in Kombination mit dem Pökelsalz des Fleisches etwas zu salzig. Um so milder der von Konsistenz und Geschmack her perfekte Ziegenfrischkäse vom Bio-Hof „Val di Maggia“ mit feinem Kräuterpesto. Dazu ein Salatbouquet mit Sprossen und Kräutern, wie gerade vom Garten frischgezupft, mit einem wunderbaren Feigensenfdressing, das aber nicht so recht zum Pesto passen wollte. Der Bärlauchcappuccino auf der dezenten Spargelcremesuppe war ein Vorbote für den nächsten Vorspeisengang: ein herrlich zartes Lammfilet, exakt auf den Punkt gebraten, im Bärlauch-Flädlemantel, der eher wie ein Bisquitmantel daherkam und kaum nach Bärlauch schmeckte. Die dazu gereichten, mit Olivenöl und konfierten Tomaten marinierten weißen Bohnen an Ruccola harmonierten ausgezeichnet mit dem Lammfilet, waren aber als Produkt von mittlerer Güte. Der Fischgang, ein Bodenseefischragout aus Wels, Schleie, Aal und Hechtklößchen auf hausgemachten Bandnudeln mit Gemüse brachte uns zum Schwärmen: Es herrschte vollkommene Harmonie zwischen den poelierten Fischen und der virtuos zubereiteten klassisch-französischen Sauce! Wir lobten den Koch und den Erfinder des Gourmetlöffels, mit dem man jeden Tropfen der kostbaren Sauce auffangen konnte. Der Fleischgang, mit Morcheln und Spinat gefüllte und von luftgetrocknetem Schinken umhüllte Röllchen vom Milchkalb auf Kohlrabi-Gierschgemüse (Giersch = Geißfuß oder Schettele) mit Spinatspätzle, schmeckte uns ebenfalls gut. Ein weiterer Höhepunkt waren die französischen Rohmilchkäse, ein Bittertropfen das hausgemachte, aber nicht frisch geschnittene Brot. Die gut sortierte Weinkarte ist ein gewichtiges Lesewerk, das gleichermaßen die Bodenseeregion und international prominente Spitzenweine repräsentiert. Wir blieben mit einem ausdrucksstarken Rosé mit nachhaltigem Abgang von Kress (Hagnau) dem Bodensee treu. Als süßen Abschluss gab es Rhabarberkompott mit Minzsorbet, schlicht und erfrischend-lecker.
Fazit: Es war eine solide Leistung zu sehr fairen Preisen. Echte Höhenflüge erlebt man bei den Fischmenüs, die höchste Erwartungen übertreffen können.

Silencehotel Restaurant Gottfried,
Böhringer Straße 1, 78345 Moos,
Tel. 07732 92420, Fax 52502, ; www.hotel-gottfried.de
geöffnet Sa. – Mi. 12-14 Uhr, 18-22 Uhr, Ruhetage Do. und Fr. bis 17 Uhr, Hauptgerichte 15–25 Euro, Menüs 24–55 Euro

Text und Bild: Gert Hoecherl