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Gastro-Test April 2007

Frohsinn

Frohsinn

(CH – Arbon) Der Frohsinn in Arbon war in den letzten Jahren stets eines der wenigen Hotelrestaurants am Schweizer Bodenseeufer mit eigenem Stil und kulinarischer Finesse. Dem prächtigen Riegelhaus wurde letztes Jahr ein moderner Kubus angebaut, der die neue Küche beherbergt. Neue Küche – das macht uns natürlich neugierig.

Bei unserer Ankunft wird schnell klar, dass unsere Tischreservierung überflüssig war. Im Restaurant sitzt nur ein Gast – scheinbar ein Hotelgast. Das helle klassische Holzinterieur, die außerordentlich bequemen Stühle und die großzügig dimensionierten Tische mit solider, gestärkter Tischwäsche schaffen eine gastliche Behaglichkeit. Trotzdem wirkt das Restaurant, im Gegensatz zum besser ausgelasteten Bistro und dem gut gefüllten Braukeller etwas unbeseelt. Die Servicedame, die gleichzeitig auch Empfangsdame an der Hotelrezeption ist, empfängt und bedient uns freundlich und versiert. Der Gruß aus der Küche, ein Lachsröllchen mit würziger Kräuterfüllung, frischen Sprossen und gereiftem zähflüssigem Balsamico gefällt uns gut. Als Getränk wählen wir das leckere naturtrübe Bier aus der hauseigenen Brauerei. Beide Vorspeisen, der „Winterliche Blattsalat an Honig-Rosmarin-Dressing mit knusprigem Foccacia“ und die „Jakobsmuscheln an weisser Trüffelsauce auf Winterspinat mit pochiertem Ei“, sind ansprechend angerichtet und mutig-gekonnt abgeschmeckt. Das pochierte Ei ist perfekt gelungen und läuft den saftigen Muscheln fast den Rang ab. Das Ei, die Muscheln und der frische Blattspinat schwimmen auf einem harmonischen hellgelben Trüffel-Saucen-Spiegel der Extraklasse. Auch der Salat zeugt von Engagement in der Küche. Die vier verschiedenen knackigen Blattsalate, begleitet von feinen Paprikastreifen und hauchdünnen gelben und orangefarbigen Karottenröllchen, sind in eine sämige frisch-fruchtige, Rosmarin-Vinaigrette eingebunden. Nicht ganz so überzeugend ist das folgende „Saison-Pilz-Fricassé im Kartoffelnest“. Zwar ist das Kartoffelnest gekonnt zubereitet und schmackhaft, jedoch sind die lasch gewürzten und in Butter angebratenen Konserven-Steinpilze eher enttäuschend. Die Enttäuschung ist wie weggeblasen, als das „Wienerschnitzel vom Kalbsbäggli mit Saisongemüse und Pommes frites“ unseren Tisch erreicht. Die saftigen Schmorfleischtranchen in der goldgelben Weißbrotpanade sind ein Hochgenuss. Kompliment, für Idee und Ausführung! Die noch knackigen, glasierten Karotten und Petersilienwurzeln haben ein kernig-erdiges Aroma und sind eine gelungene Beilage. Die dazu gereichten zart-knusprigen Pommes frites können, ohne Übertreibung, als perfekt bezeichnet werden. Als die Servicedame, die sich wieder ihren Pflichten im Hotelbetrieb zugewandt hat, uns die Gelegenheit gibt die Rechnung zu begleichen, nutzen wir diese und verlassen froh im Sinn den Frohsinn. Fazit: Die Küchenleistung des Frohsinn, unter der Leitung von Kurt Kuhn, ist äußerst respektabel und kreativ. Die dahinter zurückbleibende Servicestruktur schmälert diese Leistung zwar nicht, stellt jedoch einen kleinen Wermutstropfen dar.

Frohsinn,
Romanshornerstrasse 15, CH-9320 Arbon, Tel +41 (0) 71 447 84 84, Fax (0) 71 446 41 42, www.frohsinn-arbon.ch,
geöffnet Di.–Sa. 11.30–14.00 Uhr und 18–24 Uhr, warme Küche bis 23 Uhr, Sonntagabend und Mo. geschlossen
Hauptgerichte 24–48 SFr.

Text und Bild: Peter Arweiler

Wirtschaft zum Löwen

Wirtschaft zum Löwen

(CH-Weinfelden) Die sehr beliebte Wirtschaft liegt im Zentrum von Weinfelden, dem kulinarischen Kleinod und Rotwein-Mekka des Kantons Thurgau. Bereits mittags strömen Liebhaber der guten Küche in das 400 Jahre alte Riegelhaus, das nach bester Schweizer Tradition eine Gästestube für den Alltag und zwei kleinere Stuben für gehobene Anlässe oder Feierlichkeiten beherbergt.

Man wird freundlich empfangen und darf sich unter den noch freien Tischen ein Plätzchen nach seinem Geschmack aussuchen – in der rustikalen Gästestube oder in der gediegenen Ratsherrenstube. Karte und Preise sind gleich. Es fällt sofort auf, dass hier Wert auf regionale Spezialitäten gelegt wird. Prompt bestellen wir die Thurgauer Rieslingsuppe und die Bodenseefischsuppe. Die Rieslingsuppe ist samtig und von kräftigem Geschmack, im klaren Sud der Fischsuppe schwimmen Safranfäden, fein gehobeltes Gemüse und Stückchen bester Bodenseefische. Es ist ganz klar – wir folgen der regionalen Linie und werden mit köstlichen Gerichten verwöhnt. Die Zanderbäggli überraschen durch einen gekonnt-mediterranen Touch: Das feine Gemüse mit geschmolzenen Tomaten und knusprigen Auberginenscheibchen harmoniert hervorragend mit den Zanderbäckchen und den exzellenten Schweizer Rösti. Das Thurgauer Kalbsgeschnetzelte ist mit Apfelschnitzen verfeinert, auf dem üppigen Wildteller geben sich frischestes Wild, Waldpilze und Marroni die Ehre. Zum krönenden Abschluss bekommen wir ein charaktervolles Baumnussparfait auf Himbeermarkspiegel und eine feinsinnig komponierte Mohnmousse mit beschwipsten Backpflaumen. Spitze! Die Weinkarte ist von Weinen aus der Westschweiz und Frankreich dominiert: Man findet Aigle, Dezaley, St. Saphorin, aber auch Lagrange, Montrose, Grand Puy Lacoste, oder einen reifen Chablis Grand Cru Vaudesirs 1995. Italien ist ebenfalls gut vertreten, beispielsweise durch einen Lagenbarbaresco von Orlando Abrigo. Die aufmerksamen Damen vom Service schenken manche Flaschenweine auch deziweise aus, so dass wir mehrere regionale Spezialitäten probieren durften: das zart nach Quitten und Zitrusfrüchten duftende Weißweincuvée des Diessenhofer Winzers Horber, den temperamentvollen Pinot Noir Barrique von Markus Held und den „Winner“ – einen feinfruchtig-eleganten Dessertwein von Burkhart, beide aus Weinfelden. Das Glück wäre perfekt gewesen, hätten zum ausgezeichneten Menü auch noch die Tröpfchen der Weinfelder Rotweinmeister Kesselring und Forster zur Wahl gestanden.
Fazit: Was man auch im Löwen bestellen mag, macht man keinen Fehler. Die Kombination zwischen bodenständig guter und verfeinerter Küche gelingt hier bestens.

Wirtschaft zum Löwen
Rathausstr. 8, CH-8570 Weinfelden, Tel. + Fax 0041 (0)71 626 34 34,
www.zum-loewen.ch,
geöffnet Fr.-Di. 9.15-15.00 Uhr, 17–24 Uhr
Hauptgerichte 35–45 SFr, Menü ca. 80 SFr, Mittagsmenü 17–31 SFr

Text und Bild: Gert Hoecherl