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Gastro-Test März 2007

Hotel-Restaurant Adler

Hotel-Restaurant Adler

(D – Langenargen) Im Ortskern von Langenargen liegt ein gastronomisches Schatzkästchen verborgen. Den Schlüssel dazu hütet Chefkoch Rudolf Karr.

Doch bevor sich die Augen auf die knappe Speisekarte konzentrieren, wandert ihr Blick durch die Gaststube: Alte mechanische Nähmaschinen tragen allerlei bunte Tonfiguren, die gerade noch jenseits des Kitsch geblieben sind. Naturtöne in beige beruhigen das Gemüt und schärfen die Sinne für ein fast schon zärtliches Menü: Wie kulinarische Schwebeteilchen wirken die Variationen von der Mousse; einmal bildet Rote Beete die Grundlage, das weiße Pendant lebt vom Aroma des Meerrettich. Dann die Vorspeise: Witzig, winzig und delikat strecken sich vier zarte Bratwürstchen über den Teller, die ihre Füllung einem Wildschwein verdanken. Was für Aromen! Wacholder, Pfeffer, Thymian. Das Fleisch erfreut sich des typischen Wildgeschmacks, fast glaubt man den Duft frisch geschnittener Tannenzweige zu ahnen. Ein paar Fleckchen Kartoffelpüree liegen auf einem wuchtigen Fond verstreut, in dem der Geist eines guten Rotweins lebt. Auf der Weinkarte finden sich viele Flaschen vom Bodensee, doch gerade die Seiten mit den französischen Edeltropfen zeigen, wo das Herz des Chefs schlägt: Als Beispiel darf der Chateau Mouton Rothschild von 1970 gelten, der im Adler mit einem Preis von etwa 300 Euro buchstäblich verschenkt wird. Eine Seltenheit ist die umfangreiche Auswahl an Dessertweinen. Dann kommt sie, die Hauptspeise, ganz unspektakulär – wo sie doch eine Hymne verdient hätte. Der Kaninchenrücken hat das Zeug dazu, sich sofort in das kulinarische Langzeitgedächtnis zu brennen und sich noch während des Verzehrs zu einer schönen Erinnerung zu verklären. Nie war Fleisch zarter und zärtlicher gewürzt. Salz, Pfeffer – sonst nichts. Die sparsam dosierte Sauce basiert auf einem grundehrlichen Fond, ein wenig Rahm und Butter machen die Konsistenz cremig. Thymian, Basilikum und Rosmarin umranken diese schlichte Freude und weisen geschmacklich in Richtung Mittelmeer. Das Dessert bildet das Happyend zu jenem denkwürdigen Menü: Quarkeis – zart-säuerlich, wenig süß und ganz dem Rohstoff verpflichtet. Das süße Finale eines wundervollen Abends und ein guter Grund, sofort einen Tisch für den nächsten zu reservieren.
Fazit: Rudolf Karr konzentriert sich in der Küche auf die ursprünglichen Aromen der Rohstoffe und pfeift auf Firlefanz.

Hotel-Restaurant Adler, Familie Karr, Oberdorfer Straße 11, D-88085 Langenargen, Telefon +49 (07543) 30 90, Küche von 12 bis 14 Uhr, abends ab 18.30 Uhr, im Winter sonntags und montags Ruhetag, Hauptgerichte von 22,50 bis 29 Euro.

Text und Bild: Erich Nyffenegger

Landgasthof zur Linde

Landgasthof zur Linde

(D – Steinhausen) Wer das kleine Örtchen Steinhausen nur durchfährt, verpasst in zweierlei Hinsicht ein Juwel. Zum einen die barocke Wallfahrtskirche, die im 18. Jahrhundert erbaut wurde und zum anderen den „Landgasthof zur Linde“, der seit sechs Jahren von Elke und Bernd Heinzelmann geführt wird.

Für uns gute Gründe, die „Linde“ zu testen. Zur Auswahl stehen zwei Menüs in drei Gängen, einige saisonale Tagesangebote, verschiedene Fisch- und Fleischgerichte und diverse Desserts. Alle Gerichte werden zu moderaten Preisen angeboten. Wir entscheiden uns vorweg für eine hausgemachte Geflügellebermousse an saftigen Orangenscheiben und perfekt gekochten Zuckerschoten, die mit einem kleinen Beilagensalat serviert wird, und staunen über eine fein pürierte Masse, die gut gekühlt in unserem Mund zergeht. Der gemischte Salat mit selbstgemachter Rote-Beete ist mit einem dezenten Kräuterdressing aus frischer Petersilie, Brunnenkresse und Zitronensaft überzogen und schmeckt besonders frisch und knackig. Nach diesem Entrée sehen wir dem Hauptgang zuversichtlich entgegen und werden nicht enttäuscht. Wir entscheiden uns für den Tafelspitz und den „Seele-lächle-Teller“ – dahinter verbergen sich Schweinemedaillons. Schnellen Schrittes nähert sich die Chefin des Restaurants unserem Tisch und serviert uns die löblich heißen, aber zu überfrachteten Teller. Der Tafelspitz ist unter einer etwas fad schmeckenden Meerrettichsauce verborgen. Nun heißt es, sich durch die Sauce durchzukämpfen, um an das Kernstück selber zu gelangen. Die mit Schnittlauch dekorierten Tranchen sind unvergleichlich zart. Die gewürfelte Kartoffel-Möhrenbeilage im Sud ist zwar pikant, aber etwas zu mächtig. Meine Begleitung genießt die in Butter gewendeten Medaillons mit einer üppigen Garnitur von Käsespätzlen an frittierten Zwiebeln, einer gedünsteten Maultasche und knusprigen Kroketten. Nach diesem kulinarischen Genuss wählen wir die hausgemachte Nougatmousse auf frischen Früchten, die wegen ihres zarten Schmelzes und ihrer luftigen Konsistenz besonders gut mundet. Fazit: Bernd Heinzelmann schafft den Spagat zwischen Tradition und Moderne und kocht mit großem Erfolg eine schwäbische Küche mit Einflüssen aus der gehobenen Gastronomie. Der sympathische Küchenchef zeigt eine unprätentiöse Küche ohne Schnickschnack. Er verwendet dabei frische Produkte aus der Region und setzt auf deren hohe Qualität. Mit diesem Angebot zieht er junge Familien, Dorfbewohner und Feinschmecker gleichermaßen an.

Landgasthof zur Linde, Fam. Heinzelmann, Ingoldinger Str. 2, D-88427 Bad Schussenried, Tel.: +49 (07583) 2381, Fax: +49 (07583) 942837, www.zur-linde-steinhausen.de, geöffnet: Mittwoch bis Sonntag 11.30-14.00 und 17.30-21.00, dienstags ab 17.00, Montag Ruhetag, Hauptgerichte 10-14 €

Text & Bild: Daniela Brüggemann-Grab

Hotel Mohren

Hotel Mohren

(D – Ochsenhausen) Darf man ein Restaurant unter Extrembedingungen testen?

Auch dann, wenn der helle Wahnsinn an den Tischen tobt? Wenn aus den Lautsprechern Lieder wie „Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse“ oder „Kreuzberger Nächte sind lang“ grölen, obwohl man mitten im Zentrum von Ochsenhausen sitzt? Wenn Pappnasen und Girlanden die Herrschaft übernommen haben? Sprich: wenn Fasching ist? Jawohl! Schließlich haben ja auch Narren Hunger. Denn wer den ganzen Tag wie bescheuert rumspringt und sich laufend totlacht, verbrennt Kalorien bis zum Abwinken.

Im Restaurant des Hotels Mohren lassen sich die Energiespeicher locker und vor allem lecker wieder auffüllen. Der gut gelaunten Busladung Hexen vom Nebentisch schmeckt es jedenfalls. Dann also los: Die Hochzeitssuppe liefert den eindeutigen Beweis – auch wenn die Hölle los ist, rührt der Küchenchef keine künstlichen Brühwürfel an. So sauber kann nur aufwendige Handarbeit schmecken. Sogar die Backerbsen sind hausgemacht, ebenso die lockeren Griesnocken. Feine Brätknödel sind mit grüner Petersilie gewürzt, die Grundmasse hat mageres Kalbsbrät abbekommen und schmeckt wirklich gut. Da braucht es kein Schnickschnack: Für so eine gelungene Hochzeitssuppe möchte man dem Koch zur Belohnung glatt einen Heiratsantrag machen. Auch das Rehgulasch verdient unbedingt Lob. Es ist mit Kirschen angerichtet: Zartbitter die Sauce mit flüchtiger Säure – Wacholder und Pfeffer, diesen Sud hat ein Meister angesetzt, sozusagen ein Superkonzentrat aus allem, was ein würziger Wald zu bieten hat. Das gilt auch für das Fleisch, das – sorgsam von Sehnen und Fett befreit – um die Kirschen angeordnet liegt. Das Wildgericht hat in zwei stattlichen Semmelknödeln eine würdige Begleitung gefunden. Die Konsistenz ist durchaus fest, wenn auch am Rand ein klein wenig pampig. Das könnte daher kommen, dass die Teigbälle vielleicht ein bisschen zu lange im Wasser auf ausgehungerte Narren gewartet haben. Die Damen vom Service lassen sich jedenfalls von Hexen oder Moschtköpfen nicht aus der Ruhe bringen und bedienen schnell und freundlich. Und was bleibt übrig, wenn man den ganzen Faschings-Firlefanz am Aschermittwoch abhängt? Ordentliche Gasträume, die ihren Zweck erfüllen und den richtigen Rahmen für eine schwäbische Mahlzeit abgeben.

Fazit: Sich verkünsteln sollen andere – in der Mohren-Küche geht es ursprünglich und ehrlich zu. Das Ergebnis schmeckt und macht satt.

Hotel Mohren, Familie Zwerger, Grenzenstraße 4, D-88416 Ochsenhausen, Telefon +49 (07352) 92 60, Küche täglich von 11.30 bis 14.30 Uhr, abends ab 17 Uhr, kein Ruhetag, Hauptgerichte von 7,80 bis 17,20 Euro.

Text und Bild: Erich Nyffenegger

Rebleutehaus

Rebleutehaus

(D – Ravensburg) Einst diente es der Zunft der Rebleute als Trinkstube. Heute gehört das Rebleutehaus im Ravensburger Zentrum zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Gebäuden und bietet seinen Gästen vor allem bodenständige kulinarische Genüsse aus der Region in urig-rustikaler Wohlfühlatmosphäre.

Freundlich ist der Empfang durch das Servicepersonal im Rebleutehaus, das uns aufmerksam und höflich, aber keineswegs aufdringlich durch den Abend begleitet. Wir nehmen an einem der gemütlichen Fenstertische Platz, wo uns gleich die teils mit kunstvollen Motiven verzierten Butzenfensterscheiben ins Auge fallen. Sie passen hervorragend zur original erhaltenen gotischen Innenarchitektur des Raumes und unterstreichen die heimelige Atmosphäre.
Der Blick in die Karte offenbart ein der winterlichen Jahreszeit angepasstes Angebot. Die breite Auswahl typisch schwäbischer Kost – die, wie wir bemerken, auch die zahlreichen internationalen Gäste zu schätzen wissen – wird durch eine Auswahl nichtregionaler Fleisch- und Fischgerichte abgerundet. Etwas zu beklagen haben wir das fehlende Angebot vegetarischer Gerichte auf der sonst sehr stimmigen Speisekarte. Dafür entschädigt die Weinkarte. Sie lockt mit edlen Tropfen aus der Region und wird durch eine kleine, aber feine Auswahl internationaler Weine ergänzt. Als Vorspeise entscheiden wir uns für eine Petersilienwurzelschaumsuppe an Eismeergarnelen und Kräuteröl. Die Suppe besticht durch den unverwechselbar aromatischen Petersilienwurzelgeschmack, der durch das Kräuteröl abgerundet, nicht etwa überdeckt wird. Die Einlage aus Eismeergarnelen passt hervorragend dazu. Beim Hauptgang fällt unsere Wahl auf heimische Hofente mit Blaukraut und hausgemachten Semmelknödeln. Die Ente ist, wie man sich das wünscht: außen kross, innen zart und nach guter alter Tradition gekonnt, aber ohne unnötigen Schnickschnack zubereitet. Die Semmelknödel sind luftig und locker in der Konsistenz, das Blaukraut gefällt durch seine herzhaft-fruchtige Geschmacksnote. Wahren Genuss bereitet auch die dazu gereichte Sauce, die erfreulicherweise nicht alles auf dem Teller ertränkt und den Eigengeschmack des Entenfleisches unterstreicht. Das süße Finale unseres Menüs, Cappuccino-Mohrenkopf mit Punsch-Mandarinen-Ragout, besticht durch seine samtige Cremigkeit und eine kunstvolle Dekoration. Leider tritt die versprochene Cappuccinonote etwas zu wenig hervor.
Fazit: Das Rebleutehaus bietet qualitativ hochwertige regionale Küche. Wir haben dort einen gelungenen und genussvollen Abend in gemütlich-rustikaler Atmosphäre verbracht.

Rebleutehaus, Marienplatz 15, D-88212 Ravensburg, Tel. +49 (0751) 15 300, www.waldhorn.de, täglich außer Sonntag, 12 – 14 Uhr und abends ab 18 Uhr, Hauptgerichte ab 15 Euro, Menü ab 23 Euro

Text: Sandra Weinmann