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Gastro-Test November 2007

Restaurant Schinderhannes

Restaurant Schinderhannes

(D – Bad Schussenried) Eine ordentliche Portion Herzlichkeit, eine Prise Tradition, die Familie im Rücken und dazu gepflegte Gastlichkeit, so könnte man das Rezept der Familie Härle beschreiben. An der blitzblank geputzten Theke zapft die Seniorchefin, wä

Das liegt natürlich auch an der verlässlichen Qualität des Essens und den angemessenen Preisen sowie der Getränke- und Weinkarte mit durchweg guten deutschen Weinen aus fast allen Regionen (Volkacher Kirchberg 0,25 l, 5,20 Euro). Die Speisekarte ist eine Referenz an schwäbische Klassiker und an die gesamtdeutsche, gutbürgerliche Küche. Passend zur Saison stehen auf der Tageskarte: deftige Rinderfilets mit Suppengemüse und unterschiedlichen Kartoffel-Beilagen, einige fleischlose Gerichte sowie mehrere Salatvariationen. Auf der Speisekarte stehen aber auch gefüllte Perlhuhnbrüstchen im aromatischen Wirsingblatt mit Tagliatelle sowie Butterfischfilets und Lachs vom Grill an mediterranem Gemüse, serviert mit einem leichten Ingwerreis. Dass die Gerichte sehr gastfreundlich kalkuliert sind und auch als Menü mit Salat oder einem badischen Schneckenrahmsüppchen zu bestellen sind, macht das Sitzen an den breiten Tischen noch angenehmer (Menüs ab 22,50 Euro). Nachdem ich meine Kinder mit Spätzle in Bratensosse und heissem Apfelstrudel mit Vanillesauce zufriedenstellen konnte, die sogar auf vorgewärmten Tellern serviert wurden, blieb mein Blick am bunten Salat haften, der so knackfrisch aussah, dass ich ihn wirklich gerne weiterempfehlen würde, hätte ihn nicht mein Sohn mit Hingabe verspeist. Vielleicht schliessen die beiden nun doch Freundschaft – es würde mich sehr freuen. Danach ging es für mich herzhaft weiter und mit den rosa gebratenen Schweinefilets lag meine Wahl genau richtig. Einzig der altmodische Hang, das wunderbar zarte Fleisch mit einer durchsichtig geschnittenen Zitronenscheibe zu dekorieren, sollte vermieden werden. Die sehr freundlichen jungen Kellnerinnen in gestärkter weisser Schürze sind ein aufmunternder Kontrast zur dunklen Holzvertäfelung an den Wänden. Sie kümmern sich geradezu liebevoll um ihre Gäste und umsorgen sie gern. Fazit: Schwer zu sagen, warum das Restaurant ausgerechnet den Namen Schinderhannes trägt. An den Preisen kann es jedenfalls nicht liegen, denn die sind generell günstig. Das Restaurant Schinderhannes beeindruckt mit seinem Service, den Preisen sowie der Zubereitung und der Produktqualität. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine gastliche Stätte, die selten geworden ist.

Restaurant Schinderhannes GbR, Robert-Bosch-Str. 4, D – 88427 Bad Schussenried, Tel.: +49 (07583) 32 95, Fax: +49 (07583) 16 08, www.restaurant-schinderhannes.de, geöffnet: 11.00 Uhr bis 14.00 Uhr und ab 17.00 Uhr, Mittwoch Ruhetag, Hauptgerichte ab 11€.

Text: Daniela Brüggemann

Markgräflich Badischer Gasthof Schwanen

(D-Salem) Nur wenige Wirtshäuser besitzen eine derart lange Tradition: 1665 Klosterwirtshaus der Zisterzienser, 1788 Reichsposthalterei mit zwei Wirtschaftsstuben, sieben Fremdenzimmern und großem Tanzsaal, heute ein angesehener Restaurant- und Hotelbetri

Was meine Nase auf der gemütlichen Gartenterrasse wahrnimmt, ist auf jeden Fall vielversprechend. Die Septemberabende werden schnell frisch, also nehme ich in der historischen Wirtsstube Platz. Die freundliche Bedienung bringt sofort die Wein- und Speisekarte. Die Bouillon der Brätknödelsuppe, mit der ich beginne, könnte ruhig im Fleischaroma etwas kräftiger sein. Der darauffolgende Zackenbarsch ist wahrscheinlich gerade der einzige Fisch auf der Karte, der nicht aus eigenen Weihern stammt, ich entscheide mich jedoch für ihn, weil er selten zu bekommen ist und ich sein helles, festes Fleisch gerne mag. Leicht mehliert und vorsichtig gebraten, besticht er durch Frische und Eigengeschmack, der durch die hausgemachte Kräuterbutter und die neuen Kartoffeln unterstützt wird. Dazu ein Salatteller mit Kartoffelsalat, Rettich, geraspelten Karotten und Gurken, oben drauf Blattsalate und Sprossen. Alles knackig, alles frisch, die Essigsäure empfinde ich jedoch als etwas zu intensiv. Darauf probiere ich einen Rehrücken aus der markgräflichen Jagd. Das Fleisch ist von exzellenter Qualität und hervorragend behandelt worden: perfekt gebeizt und auf den Punkt gebraten. Die Semmelknödel sind eine wahre Freude und übertreffen selbst die Erwartungen, die man an eine geniale und kocherfahrene Oma stellen würde. Sie sind locker und fest zugleich, zerfallen nicht unter dem Druck des Besteckmessers wie viele ihrer Artgenossen. Die Soße, die zu diesen Köstlichkeiten gereicht wird, ist leider etwas mehllastig, manche Pilze im Waldpilzragout sind zu stark „gewässert“. Der Bermatinger Spätburgunder hingegen mundet wunderbar zum Reh. Der Markgraf ist mit 135 Hektar Rebfläche und etwa einer Million produzierter Flaschen wohl der größte Privatwinzer in Deutschland, und im Schwanen gibt es ausschließlich Tröpfchen von den eigenen Weinbergen: aus den bekannten Lagen in Bermatingen und der Birnau, Weine aus den Meersburger Steillagen Fürst zu Waldburg-Wolfegg und Waldsee, vom Gailinger Schloss Rheinburg, sowie aus dem Kaiserstuhl. Nach einer wohlverdienten Pause widme ich mich dem Dessertteller: ein frisches Mangosorbet, begleitet von einer leichten bayrischen Creme auf delikater Waldbeerensauce und einer viel zu stark mit Gelatine versetzten Schokoladenmousse. Fazit: Gediegenes Ambiente und viel Platz an altehrwürdig großen Tischen, an denen einst barocke Esskultur zelebriert wurde und heute eine grundsolide frische Küche angeboten wird. Hier kann man in der Tat gut essen und trinken.

Markgräflich Badischer Gasthof Schwanen
Im Schloss 1, 88682 Salem, Tel. 07553 283, Fax 6418, www.schlosshotel-schwanen.de,

geöffnet täglich, Küche 11.30-14 Uhr, 18-21 Uhr, Betriebsferien 18. Dez. – Ende Feb.,

Hauptgerichte 11-18 Euro

Text: Gert Hoecherl

ZUR VERSTEIGERUNGSHALLE

ZUR VERSTEIGERUNGSHALLE

(D-Bad Waldsee) Am nördlichen Ende Bad Waldsees liegt das Restaurant „Zur Versteigerungshalle“. Wie der Name schon verrät, findet in der zur Gaststätte angrenzenden Halle jeden ersten Mittwoch im Monat eine öffentliche Viehauktion der Rinderunion Baden-Wü

Das großzügig geschnittene Restaurant ist hell und freundlich, wozu insbesondere die lange Fensterfront und die Einrichtung mit viel hellem Holz-Mobiliar beitragen. Die Atmosphäre lässt sich mit wenigen Worten beschreiben: gemütlich und familiär. Dabei scheint vor allem die Nähe zum Gast für das Ehepaar Susanne und Rudi Spieß, die gemeinsam die Versteigerungshalle leiten, eine große Rolle zu spielen. Das macht sich sowohl durch den herzlichen Empfang, als auch durch den flinken und freundlichen Service bemerkbar. Ein Blick in die Speisekarte verrät: In der Versteigerungshalle wird auf bodenständige, saisonale und regionale Spezialitäten-Küche aus heimischen Erzeugnissen gesetzt – ohne Schnickschnack und unnötigen Firlefanz. Rindsrouladen und schwäbischer Zwiebelrostbraten gehören ebenso zum Angebot wie Rehgeschnetzeltes, Maultaschen und Kässpätzle. Den Kochlöffel schwingt der Hausherr selbst. Die Weinkarte beinhaltet in Ergänzung zum Speisenangebot fast ausschließlich württembergische und badische Tropfen. Die Vorspeise, Flädlesuppe, schmeckt fast wie bei Muttern und übertrifft unsere Erwartungen. Hausgemachte Brühe und Flädle stehen genau im richtigen Mischungsverhältnis. Die Hauptspeise, gefüllte Kalbsbrust mit Spätzle und Salat ist recht mächtig und kaum für figurbewusste Kalorienzähler geeignet, doch harmoniert die Füllung sehr gut mit dem typischen Kalbfleischgeschmack, der dazu gereichten Sauce und den locker-leichten Spätzle. Das entscheidende Quäntchen Frische bringt der knackige Salat ins Spiel. Den Höhepunkt des Menüs bildet aber zweifellos das Dessert: Nougat-Parfait mit Feige. Es zergeht auf der Zunge und lässt keinen Zweifel daran: Hier war ein Fachmann für süße Köstlichkeiten am Werk. Fazit: Wer gute schwäbische Küche zu schätzen weiß, sollte den nächsten Besuch in Bad Waldsee unbedingt mit einem kulinarischen Abstecher in der Versteigerungshalle verbinden.

Weitere Informationen:
"Zur Versteigerungshalle", Hopfenweiler 12, 88339 Bad Waldsee, Tel. +49 (07524) 79 26 oder 22 31, Fax +49 (07524) 79 26, www.gasthaus-versteigerungshalle.de, täglich 11.00 – 14.00 Uhr, Samstags, Sonn- und Feiertags ab

Text: Sandra Weinmann