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Gastro-Test Februar 2012
San Martino
Im Keller des „Roten Hauses“ in der Brudertumsgasse befindet sich das trendige San Martino. Das mitten in der dicken Stadtmauer vom mittelalterlichen Konstanz erbaute Lokal mit angeschlossenen Bar und Raucherlounge besticht mit neuzeitlichem Design.
An einem Abend in der Vorweihnachtszeit versuchen wir ohne vorherige Anmeldung einen Tisch zu bekommen. Das gewiss nicht kleine Restaurant ist jedoch komplett ausgebucht. Nach einem Apéro in der gepflegten Bar macht es doch Gastgeber Frank Röhrig (früher bekannt als Restaurantleiter vom Rosmarin in Ludwigshafen) möglich, dass wir einen Tisch bekommen.
Die Speisekarte folgt dem neuen Stil der In-Restaurants und gibt in kleingeschriebenem Stakkato das Hauptthema des Ganges und seine Variationen an. Nach dem Amûse Bouche, einem Scheibchen von mit Limette mariniertem Butterfisch, ist die Kombination von thunfisch/ alge/ ingwer/ wasabi/ knusperrolle ein sehr gelungener Einstand. Die Qualität des in Alge gerollten rohen Fisches ist ausgezeichnet, die Miniknusperrolle, die in etwa an eine hausgemachte vietnamesische Frühlingsrolle erinnert, passt perfekt dazu. Eine Freude ist auch die Suppe, die das Thema pastinake/ trüffel/ st. jacques subtil und zugleich virtuos interpretiert. Forellenmatjes/ wildzwiebel/ treviso/ petersilienwurzel war hingegen eine etwas zu gewagte Kombination, da die mild eingelegten, butterzarten Forellenstückchen sich gegen den Treviso, eine Chicoreepflanze aus dem Veneto, kaum durchsetzen konnten. Es half wenig, dass ein fruchtiges, süß- säuerliches Dressing und reichlich Fleur du Sel mit von der Partie waren. Noch weniger begeistert waren wir von der Kombination stör/ speckschaum/ bohne/ kartoffel. Der tadellose, perfekt gegarte Fisch und die grünen Böhnchen dazu wurden durch äußerst plakative Specknoten (Raucharoma im Spiel?) erdrückt, erfreulicherweise waren die dazu gereichten Ofenkartoffeln „unparfümiert“.
Fantastisch geschmeckt hat hingegen der Fleischhauptgang, der für uns glatte 6 Löffel wert war. Canada beef/ süßholz/ polenta/ portweinschalotte/ artischocke kann man kaum besser zubereiten! Und der Rosso di Montalcino 2009 von Pian Cornello schmeichelte nicht nur dem ausgezeichneten Gericht, sondern überzeugte auch durch ein intaktes Preis- Qualitäts-Verhältnis. Positiv in Erinnerung blieb auch das frisch fruchtige Vergnügen mit der mandarine 2011, die in mehrerlei Zubereitungsarten (Schaum, Sorbet, mit Zimt marinierte Frucht) durchdekliniert war.
Fazit: Obwohl die Jungs um Tobias Reichle noch etwas Luft nach oben haben, ist das San Martino in der momentanen Verfassung eine echte Bereicherung für die Konstanzer Topgastronomie. Der Service ist charmant und unaufdringlich, so dass man sich hier sehr wohl fühlt.
San Martino – Ristorante Lounge Bar
Bruderturmgasse 3, Konstanz, +49 (0)7531 28 45 678, www.san-martino-konstanz.de
Di.-Fr. 11.30-14.00 Uhr und 18.00-24.00 Uhr, So. 18.00-24.00 Uhr, Mo. Ruhetag
Hauptgänge 22,- bis 32,- Euro, Menü (drei bis fünf Gänge) 40,- bis 60,- Euro, mit Weinbegleitung 55,- bis 85,- Euro, Bistro- und Mittagskarte 7,- bis 14,- Euro
Text: Gert Höcherl
Ristorante Segreto
Seit kurzem strahlt über dem im St. Gallener Vorort gelegenen Segreto ein Michelin-Stern. Ganz zu Recht, wie wir finden! Denn was der deutsche Küchenchef Martin Benninger und der süditalienische Chef de Service Alberto Provenza in Küche und Saal mit ihrem Team leisten, gehört unbestritten zur regionalen Spitze.
Das Segreto liegt unscheinbar in einem Neubauviertel des St. Gallener Vororts Wittenbach, direkt neben der Niederlassung eines großen Softwareunternehmens. Auch von außen erscheint die Architektur des Restaurants modern und etwas unterkühlt. Der langgezogene Gastraum, ganz in Rot gehalten und mit großem Kamin, strahlt dann aber dennoch viel Wärme aus. Eine Wärme, die sich auch im ausgesprochen gastfreundlichen Service unter Alberto Provenza wiederfindet.
Die italienische Küche des weitgereisten Martin Benninger (u.a. Heinz Winkler, André Jäger und Heinz Beck) ist, ohne die klassisch-französische Schule zu verleugnen, moderat kreativ, produktbezogen und von großer Geschmacksintensität. Mindestens auf Augenhöhe dazu steht die Weinkarte, die dem Gast als iPad im Restaurant gereicht wird. Schlichtweg eine grandiose Weinkarte! Nicht nur die italienische Weinwelt findet sich mit einer großen Auswahl wieder (13 Jahrgänge Ornellaia!), auch alle anderen klassischen Anbaugebiete der Alten Welt sind mit namhaften Produzenten bestens vertreten.
Unser 4-Gänge-Abendmenü wird mit Scheiben von Gamba royale mit geliertem Limettenöl auf Erbsenpüree als Amuse eingeläutet. Die Fegato in der Vorspeise ist sehr aromatisch, außen kross, innen butterweich. Dazu eine intensive Holunderbeerensauce, gegen die die Spätlese Wehlener Sonnenuhr von Dr. Loosen ihre liebe Mühe hat. Dann folgt ein grandioser Zwischengang, der allein den Restaurantbesuch rechtfertigen würde! Sorgfältigst geformte Ricotta-Tortellini an einer sämigen Spinatsauce und Kaviar. Der korrespondierende Malanser Chardonnay von Donatsch ergänzt mit seiner salzigen Mineralität den Kaviar kongenial. Beim Hauptgang zeigt der Chef de Cuisine, dass er es vorzüglich versteht, Fleisch zu garen: würziger, innen __à point__ gebratener Rücken vom Luma-Beef, begleitet von Selleriepüree und schwarzen Nüssen. Auch das Dessert fällt erfreulich gut aus: Glühwein-Baba mit einem herrlich erfrischend-aromatischem Mandarinensorbet.
Fazit: „Essen kann glückseelig machen“ – an diesem Abend wurde dieses oft strapazierte Dictum im Segreto bestätigt. Noch ist ein Tisch relativ unproblematisch zu bekommen, was sich mit der neuen Bewertung vom __Guide Michelin__ wohl bald ändern dürfte. Zögern Sie also nicht: es lohnt sich!
Ristorante Segreto
Ziegeleistraße 12/Abacus-Platz , Wittenbach-St.Gallen, +41 (0)71 290 11 11, www.segreto.ch
Di.-Fr. 12.00-14.00 Uhr und ab 18.30 Uhr, Sa. ab 18. 30 Uhr, So. und Mo. Ruhetag
Vorspeisen 19,- bis 42,- SFr., Hauptgerichte 42,- bis 46,- SFr., Menü 44,- bis 130 SFr.
Text: Salomon Loeb


